Etter, Zug, 1870: Der Inbegriff für Zuger Kirsch

KIRSCHSERIE (8/10) ⋅ Die Kirschwasser-Destillerien in der Stadt Zug, 1798–2017: Ein hochprozentiges Stück Wirtschafts-, Gesellschafts- und Kulinarikgeschichte.
14. November 2017, 07:29

Die Etters gehören zu den alteingesessenen Familien von Menzingen. Johann Baptist Etter-Hausheer (1800–1872) wirkte auf dem Hof «Cholrain» unterhalb des Gubels schon seit 1823 als bäuerlicher Kirschbrenner. Bereits in den 1860er-Jahren transportierte Etter seinen Kirsch über den Gotthard nach Süden, damals noch mit Pferdefuhrwerk und Schiff.

Johann Baptists Söhne pflegten das Kirschgewerbe weiter: Josef Anton Etter (1843–1923) war Küfermeister und fertigte die Fässer für den Kirsch. Der spätere Zuger Bundesrat Philipp Etter (1891–1977) stammt ebenfalls aus der Familie der «Bergli-Etter» und war der Sohn des Küfermeisters. Der jüngere Sohn, Paul Etter-Baumann (1846–1938), war Kirschbrenner. Er gründete 1870 als 24-Jähriger bei der «Aamüli» in Zug, etwa dort, wo heute das kantonale Verwaltungszentrum an der Aa steht, die «Brennerei Paul Etter».

1891 kaufte Paul Etter eine Liegenschaft an der Poststrasse 23 in Zug, heute «Neustadtcenter» an der Baarerstrasse 2. Er richtete dort seine Brennerei und die Wohnräume der Familie ein, dazu ein Geschäft für Kolonialwaren. Etter begann, Kirschwasser in die Nachbarkantone zu vertreiben und nach Italien zu ex­portieren. 1921 übergab er das Geschäft seinem Sohn Josef Etter-Reichlin (1891–1962). Paul Etters zweiter Sohn, Johann Etter-Marbach (1889–1978), stieg 1925 ebenfalls in die Firma ein.

Brennvolumen von 3900 Litern

Die grosse Nachfrage nach Zuger Kirschwasser hatte zur Folge, dass die Gebrüder Etter an der Baarerstrasse 37 direkt beim Bahnhof Zug ein neues Geschäftshaus errichteten. Die Pläne zeichneten die Zuger Architekten Keiser-Bracher. Die Brennerei Etter verfügte 1932 über vier feststehende Brennblasen à je 2 x 400 Liter und eine fahrbare Brennblase à 2 x 350 Liter, was einem beträchtlichen Gesamtvolumen von 3900 Litern entspricht. Von 1927 bis 1929 wurden bei Etter zwischen 29000 und 46000 Liter Kirsch mit 60 bis 65 Volumenprozent gebrannt. Hans Etter-Queloz (*1949) übernahm 1974 die Geschäftsleitung von seinem Vater Johann.

1980 zog die «Distillerie Etter Söhne AG» um in einen grosszügigen Neubau an der Choller­strasse 4. Die alte Brennerei zwischen Bahnhof und Metalli liess man abreissen. Dort baute der Rohstoffhändler Marc Rich ein gläsernes Bürogebäude, das später durch die Zuger Kantonalbank genutzt wurde. 1981 brannte die Firma Etter auf den neuen Produktionsanlagen 128000 Liter Kirsch. Im Rekordjahr 2011 bezog man von 60 Bauern 682000 Kilo Kirschen.

Seit 2012 wird die Firma durch die fünfte Generation geführt. Eveline Galliker-Etter (*1977) ist mit Gabriel Galliker-Etter (*1975) in die Fussstapfen ihres Vaters Hans getreten. Zuger Etter-Kirsch wird heute auf fünf Kontinenten in über 20 Ländern angeboten. Damit trägt die Familie Etter wesentlich dazu bei, dass die Tradition und der weltweite Ruf des Zuger Kirschwassers erhalten bleibt.

 

Ueli Kleeb

redaktion@zugerzeitung.ch



 

Hinweis

Gekürzter Vorabzug über das Zuger Kirschgewerbe aus dem neuen Buch «Chriesi, Kirschenkultur rund um Zugersee und Rigi», her­ausgegeben von DNS-Transport Zug (Ueli Kleeb und Caroline Lötscher), welches im Dezember erscheint und bei der Edition Victor Hotz (edition@victor-hotz.ch, 041 748 44 44) zum Preis von 88 Franken vorbestellt werden kann.


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