EVZ will 4000 Mitgliedern Stimmrecht entziehen

ZUG ⋅ Die Vereinsorganisation soll nach einer ausserordentlichen Generalversammlung anders aussehen. Saisonkartenbesitzer sollen zwar weiterhin einen Jahresbeitrag zahlen, aber nicht mehr stimmen und wählen dürfen. Der CEO erklärt die Beweggründe dafür.
12. Januar 2018, 05:00

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Der Eissportverein Zug lässt an einer ausserordentlichen Generalversammlung (GV) am 30. Januar über eine weitreichende Statutenänderung abstimmen. Er will die Zahl seiner stimm- und wahlberechtigten Mitglieder um sage und schreibe über 4000 auf schätzungsweise wenige Hundert reduzieren. Dies durch die Änderung des entsprechenden Artikels, der die Saisonabonnenten von «Vereinsmitgliedern» zu «Passivmitgliedern» machen soll. Der Mitgliederbeitrag – aktuell 100 Franken – wäre aber auch in Zukunft «zwingender Bestandteil einer National-League-Dauerkarte für Erwachsene». Das bedeutet: Die EVZ-Saisonabonnenten sollen alle Rechte im Verein verlieren, die Pflicht aber behalten.

Was hinter dieser eigenwilligen Regeländerung steckt? Die 50. ordentlichen Vereins-GV vom vergangenen September: Wenige Tage vor dem Saisonstart wurde Sicherheitschef und Vorstandsmitglied François Stocker nach 29 Jahren Tätigkeit von der Versammlung abgewählt – für die Verantwortlichen aus heiterem Himmel. Für diesen Coup sorgte eine Gruppe unzufriedener Fans, die auf den Mann spielten: Es handelte sich um eine Abrechnung mit Stocker, der manchen in seiner Funktion als selbstherrlich und willkürlich galt. Nur gerade 32 Stimmen reichten, um ihn abzuwählen. Das war ein Stimmungsdämpfer für den EVZ im Jubeljahr und kam diesen teuer zu stehen. Anstelle des ehrenamtlich tätigen Stocker wurde mit Amin Ghiasi ein Festangestellter als Sicherheitschef engagiert. «Es war ein demokratischer Vorgang, menschlich gesehen aber sehr hart. Darüber hinaus kostete das Ganze den Verein einen sechsstelligen Betrag – das kann doch keiner wollen!», ärgert sich der EVZ-CEO Patrick Lengwiler noch heute.

Die Organisation ist nicht perfekt

Sein Ärger hat einen weiteren Grund: Die Abwahl zeigte den Verantwortlichen eine Schwachstelle in der sonst anscheinend so durchdachten EVZ-Organisation mit Verein und Aktiengesellschaften auf. «Wir haben diese Gefahr nicht erkannt», räumt Lengwiler ein. Der Verein zog schnell die Lehren daraus: Der neue Sicherheitsverantwortliche Ghiasi ist nicht mehr ein wählbares Vereins-Vorstandsmitglied, sondern bekleidet eine Linienstelle im Organigramm der EVZ Holding AG. Und nun soll also gewissermassen eine Art «Lex Stocker» verhindern, dass «so etwas jemals wieder passieren kann», sagt Lengwiler.

Dass die Verantwortlichen die Abwahl nicht hatten kommen sehen, ist auf die seit Längerem tiefe Beteiligung an der Vereins-GV zurückzuführen. War diese im Hotel Löwen und im Theater Casino einst ein gut besuchter und mitunter hochemotionaler Anlass in Zug gewesen, verlor sie mit der Auslagerung des Leistungssportbereichs in eine Aktiengesellschaft an Bedeutung.

In den letzten Jahren sind durchschnittlich 20 Stimmberechtigte der Einladung gefolgt, im vergangenen Herbst waren es 52. «Überspitzt gesagt, interessiert es ausserhalb des Vereins eigentlich niemanden mehr, was darin passiert», sagt Lengwiler offen. «Was den Saisonkartenbesitzer interessiert, findet heute auf einer anderen Ebene statt. Die Vereinsmitgliedschaft ist historisch bedingt, wir passen sie nun an die heutigen Gegebenheiten an.»

Nach der Meinung des CEO dient der Verein heutzutage in erster Linie als ein «Gefäss für den Nachwuchs und all die Funktionäre, welche ehrenamtlich für den EVZ tätig sind». Diese würden damit «einen Abend haben, an dem ihnen für ihr grosses Engagement in offiziellem Rahmen gedankt wird».

Der Verein würde auch finanziell profitieren

Für den Verein wäre eine Annahme der Statutenänderung Ende Januar übrigens eine Win-win-Situation. Weil die Zuwendungen von Passivmitgliedern als «Spenden» verbucht werden könnten, führen diese auch nicht mehr zu einer Vorsteuerkürzung «und der EVZ kann dieses Geld sinnvoller einsetzen», erklärt Lengwiler.

Die vorgeschlagene Statutenänderung kann an der GV natürlich von den Stimmberechtigten abgelehnt werden. Und dazu zählen gegenwärtig auch die Saisonabonnenten.

Hinweis: Die Vorschläge für die Statutenänderung des Eissportvereins »

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