Fahrraddiebstähle: Studie stellt Zug ein schlechtes Zeugnis aus

STATISTIK ⋅ Gemäss einer Erhebung der AXA Schweiz ist die Stadt Zug eine der vier Velodiebstahl- hochburgen des Landes. Was sagt die Polizei? Und wie kann man sein Gefährt wirksam vor einem Klau schützen?
20. Mai 2017, 05:00
«Der Fahrradklau brummt» – «Jede Stunde 38 Räder weg» – «177 Millionen Schaden». In Deutschland sind dieser Tage die Resultate zu Studien publiziert worden, welche die Ausmasse der landesweiten Fahrraddiebstähle abbilden. Es wird ein dramatischer Anstieg an Diebstählen verzeichnet, und die Aufklärungsquote bleibt ziemlich mies, sprich die meisten geklauten Räder bleiben verschwunden.

Parallel zu dieser scheinbar alarmierenden Studie hat auch die AXA Schweiz eine solche durchgeführt. So schlimm wie in Deutschland scheint die Lage in der Schweiz zwar nicht, denn die Anzahl Diebstähle sowie die Diebstahlfrequenz sind laut der Studie sogar tendenziell leicht rückläufig. Aber die Beute der Diebe werde immer grösser, verlautet AXA. Dies, weil die Fahrräder auf Schweizer Strassen in den vergangenen Jahren immer edler und teurer geworden seien. Diebstahlhochburgen seien vor allem die Städte.

Was die Stadt Zug betrifft, so lässt einen der Blick auf die AXA-Statistik aufhorchen: Gemäss dieser liegt die Fahrraddiebstahlfrequenz in Zug 45 Prozent über dem landesweiten Durchschnittswert. Von 19 ausgewerteten Schweizer Städten liegt Zug weit vorne an vierter Stelle. Nur in Basel, Biel und Bern werden noch mehr Fahrräder geklaut. Anlass genug, bei der Zuger Polizei nachzufragen. «Studien von privaten Versicherungsgesellschaften kommentieren wir nicht – weil wir nicht wissen, wie deren Zahlen erhoben und auf welchen Parametern diese erstellt worden sind», sagt Frank Kleiner, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden. «Wir halten uns einzig an unsere Zahlen beziehungsweise an diejenigen der polizeilichen Kriminalstatistik. Und für Vergleiche halten wir uns an die gesamtschweizerischen Zahlen des Bundesamtes für Statistik.»

Fälle in Zug tendenziell rückläufig

Dass Zug die «viertschlimmste» Stadt der Schweiz bezüglich Fahrraddiebstahl sein soll, kann die Zuger Polizei somit nicht bestätigen, auch bei den eingehenden Meldungen über gestohlene Fahrräder kann keine auffallende Häufigkeit festgestellt werden.Die der Zuger Polizei vorliegenden Zahlen zeigen dafür aber, dass die Velodiebstähle in Zug sinken – seit 2009 sind sie um einen Drittel zurückgegangen; von 1044 (2009) auf 716 (2016).

Die Diebstahlmotive der Diebe sind gemäss Zuger Polizei einerseits die Entwendung zum Gebrauch, sprich einfach um rasch von A nach B zu kommen. Andererseits aber würden auch gezielt teure Fahrräder geklaut, etwa aus Garagen oder Kellerräumen. Letzteres ist ein Vergehen, welches gemäss Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe nach sich ziehen kann, ergänzt Frank Kleiner hierzu. Eine Entwendung zum Gebrauch werde mit einer Busse bestraft.

Wichtig ist die Rahmennummer

Was sollen Betroffene tun, wenn ein Fahrrad gestohlen worden ist? Die Polizei rät, Velos wenn immer möglich in einem abschliessbaren oder überwachten Raum einzustellen, sie nicht nur abzuschliessen, sondern festzumachen. Es empfiehlt sich auch, die Rahmennummer, Marke und Farbe des Fahrrades auf einem Notizzettel festzuhalten. Frank Kleiner: «Wichtig ist, einen Diebstahl in jedem Fall anzuzeigen. Anzeigen können auf Suisse ePolice online erfasst werden. Verlustanzeigen nehmen wir auch auf den Polizeidienststellen entgegen. Auch wichtig ist die Bekanntgabe der Rahmennummer. Ohne diese ist eine Fahndung beziehungsweise ein Eintrag im Fahndungssystem nicht wirklich erfolgversprechend.»

 

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch


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