Frauenbonus? Nein danke

BAAR ⋅ Olivia Bühlmann ist die jüngste Bürgerrätin im Kanton Zug und in ihrer Wohngemeinde auch parteipolitisch stark engagiert. Die 26-Jährige untermauert Worte durch ihre Taten.
08. Februar 2018, 07:50

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Vorurteile gibt es genug. Eine 26-jährige Frau mit feinen Gesichtszügen und makellosem Fotolächeln wird innerhalb von fünf Jahren Vorstandsmitglied einer einflussreichen Gemeindepartei, Mitglied einer bedeutenden Kommission und schliesslich Bürgerrätin. Erfüllt sie Quoten? Dient sie als Aushängeschild? Handelt sie karrierebewusst?

Olivia Bühlmann lächelt von der gegenüberliegenden Seite eines Tischs in der Baarer Bürgerkanzlei. Ihr Alter sei in den Gremien schon lang kein Thema mehr, «es war eher vor fünf Jahren eines», sagt sie. Damals wurde sie mit 21 Jahren in den Vorstand der CVP gewählt. Ihr Parteieintritt erfolgte erst im Zusammenhang mit dem Amt, wenig später wurde sie Mitglied der Baukommission, als einzige weibliche Vertreterin.

Eine einfache Erklärung

Als Ausnahmeerscheinung sieht sie sich nicht. Schliesslich habe sie in der Jungen CVP Zug – dort sitzt sie ebenfalls im Vorstand – Gleichaltrige kennen gelernt, die sich für Politik begeistern. Als 26-jährige Bürgerrätin ist sie dennoch eine Seltenheit (siehe Box). Auf die Frage, warum sie sich derart einbringt, sagt Bühlmann, ohne lange zu überlegen: «Weil ich gern Verantwortung übernehme.» Dass sie jeweils gewählt wurde, sei darin begründet. Ihr Alter habe dabei keine Rolle gespielt – und auch nicht ihr Geschlecht. Im Herbst 2017 sagte sie an einer Versammlung der Zuger CVP-Frauen: «Frauen haben zu wenig Selbstvertrauen, sie stützen auf den Frauenbonus und zu wenig auf die Qualifikation ab.» Sie ist angetreten zu beweisen, dass es anders geht. Das Problem, von Erfahreneren nicht ernst genommen zu werden, bestehe nicht. Sie gebe sich Zeit, sich in ihren Aufgaben zurechtzufinden, «und diese wird mir auch gegeben».

Hilfe im Umgang mit Älteren

Was bringen ihr ihre Engagements? «Ich bin als Person gewachsen und reifer geworden. Das hat mir beispielsweise im Beruf geholfen, gerade auch im Umgang mit Älteren», erklärt Bühlmann, die präzis formuliert und ihren Blick stets auf die Augen des Gegenübers gerichtet hält. Das sind vorteilhafte Eigenschaften in Politik wie in der Arbeitswelt: Sie hat einen Masterabschluss in Jura und war bis vor kurzem am Zuger Verwaltungsgericht tätig. Jetzt bereitet sie sich auf die Anwaltsprüfungen vor, um ihr Berufsziel zu erreichen. Als erfahrene Diskutantin wirkt Bühlmann im Gespräch manchmal zurückhaltend. Doch sie kann durchaus herzlich sein, etwa, wenn sie lache und ausführt, dass ihr Freund wohl zu ihr ziehen müsse, weil sie wegen ihrer Engagements in Baar wohnhaft bleibe.

Beruflich verfolgt sie eine Laufbahn, in der Politik indes nicht, sagt sie. Das Politisieren bereite ihr schlichtweg Spass und es sei mitreissend, etwas zu bewegen. Sie spricht zunächst gar von einem gewissen Suchtfaktor, nimmt diesen Vergleich schliesslich aber als zu stark zurück. Das politische Interesse liege in ihrer Familie, ihre Mutter Monica sitzt in der Baarer Familienkommission. Mittlerweile hätten sich auch ihre jüngeren Schwestern für politische Funktionen begeistern können, Marina als Mitglied der Kinder- und Jugendkommission, Janine als Stimmenzählerin.

Mandate im Gemeinde- oder Kantonsrat kann sich Olivia Bühlmann grundsätzlich vorstellen – in der Zukunft. Die bevorstehenden Wahlen im Oktober wird sie als Beobachterin verfolgen. Sie weiss, dass manche Mitbürger gerade den grossen Parteien Misstrauen wegen vermuteter Mauscheleien entgegenbringen. Sie kontert diese Haltung lässig: «In der direkten Demokratie entscheidet letztlich das Stimmvolk.» Und was, wenn es nach parteiinternen oder -übergreifenden Absprachen keine Auswahl gibt? «Jeder, der genug Unterstützer findet, hat die Möglichkeit, sich auch nach einer parteiinternen Auswahl als Kandidat aufstellen zu lassen. Das ist das Schöne an unserem System.»


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