Gebiet "Choller" am Zugersee für Boote und Sportgeräte gesperrt

NATURSCHUTZ ⋅ Ein Teil des Uferbereichs im Gebiet Choller wird durch Bojen für Boote und Sportgeräte abgesperrt. Dadurch will der Kanton mehr Ruhe für gestresste Vögel und Tiere schaffen.
Aktualisiert: 
10.10.2017, 21:00
10. Oktober 2017, 11:54

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch


Der Uferbereich im Naturschutzgebiet im Zuger Choller soll besser geschützt werden. Das will die Baudirektion des Kantons Zug, wie sie gestern in einem Schreiben mitgeteilt hat. Geschehen soll dies mittels neuer Vorschriften, die die Regierung im Rahmen der Revision des Schutzplans für die Flachwasserschutzzone erlässt. 

Was technisch klingt, ist eigentlich ganz simpel: Die betroffenen Zonen rund um die Badebuchten im Choller, die geschützt werden sollen, werden mit gelben Bojen gekennzeichnet und damit auch abgesperrt. Ziel ist, dass in diesen Bereichen keine Boote mehr fahren oder keine Sportgeräte wie etwa Stand-up-Paddles benutzt werden. Betroffen von der Einschränkung ist auch die Angelfischerei vom Boot aus, die in diesen Bereichen ebenfalls nicht mehr gestattet ist. Ausgenommen ist laut der Baudirektion die Berufsfischerei. Weiterhin möglich ist auch die Uferangelfischerei in den Badebuchten ausserhalb des Badebetriebs.

Für die Mitglieder des benachbarten Kanuklubs haben die Absperrungen ebenfalls keine Folgen. Sie dürfen ihre Boote wie bisher ein- und auswassern. In der abgesperrten Zone dürfen aber auch sie nicht mehr fahren. Die Baudirektion betont, dass die Badebuchten im Naturschutzgebiet Choller ausschliesslich zum Baden und Grillieren vorgesehen seien. Wer Schlauchboote oder ähnliche Geräte benutzen möchte, der könne auf das nahe gelegene Brüggli ausweichen. Dort besteht keine Einschränkung.

Die Bojen werden im Verlauf dieses Monats im See installiert. «Sie haben direkt am Ufer sowie von den äusseren Punkten des Naturschutzgebietes bei der Kiesinsel und dem Sporn einen Abstand von rund 50 Metern», erklärt Baudirektor Urs Hürlimann. Diese Punkte seien mit einer Linie verbunden, die aufgrund des Uferverlaufs unterschiedliche Abstände vom Ufer aufweisen würden. 

 

Gewisse Arten brüten nicht mehr im Choller

Der Grund für die Massnahmen ist die erhöhte Belastung des Naturschutzgebietes. «Der Choller war schon immer ein attraktives Gebiet. Es zieht die Leute ans Wasser.» So sei etwa in den 1980er- und 1990er-Jahren das wilde Baden ein grosses Thema gewesen. Das habe man mit diversen Zäunen eingeschränkt, sagt Martina Brennecke, Abteilungsleiterin Natur und Landschaft bei der Baudirektion. Das Bevölkerungswachstum sowie neue Individualsportarten wie eben Stand-up-Paddling würden den Druck auf das Naturschutzgebiet erhöhen, so Brennecke.

Das hat besonders für die Tiere in diesem Gebiet Konsequenzen. So werden etwa die Vögel, die in den Büschen und im Schilf entlang des Ufers brüten, beeinträchtigt. «Sie werden gleich von zwei Seiten her gestört: einerseits durch Spaziergänger auf dem Land und andererseits durch Wassersportler vom Wasser her.» Mit der Absperrung soll wenigstens auf einer Seite für mehr Ruhe gesorgt werden. Dass die Vögel gestresst sind, kann man laut der Expertin auch feststellen, wenn man im Choller nahe dem Ufer unterwegs ist. Häufig sei dann aus den Büschen und Schilfbeständen lautes und hektisches Piepsen und Gezwitscher zu hören. «Wenn es so klingt, dann ist das ein Zeichen, dass die Tiere aufgeschreckt sind und man ihren Nestern vielleicht auch etwas zu nahe gekommen ist. Solche Störungen kosten die Tiere viel Energie und Nerven», erklärt Brennecke. Es gebe aufgrund der hohen Belastung im Naturschutzgebiet auch erste 
Vogelarten, die nicht mehr dort brüten würden. 

Es sind aber nicht nur die Vögel, die durch die Freizeitaktivitäten der Zugerinnen und Zuger gestört werden. Im flachen Übergangsbereich zwischen Land und Wasser wimmle es nur so von Leben, sagt Brennecke. Es finden sich dort auch Fische, die laichen, Insekten oder Amphibien. Auch für diese Arten sei etwas mehr Ruhe im Gebiet dringend nötig.

Es gibt Bussen von 100 Franken 

Die Bojen und damit die Absperrungen im Choller sind verbindlich. Will heissen: Wer die Einschränkung missachtet, der muss mit einer Busse von 100 Franken rechnen. Wie Baudirektor Urs Hürlimann Auskunft gibt, sei dies im Bussenkatalog zum Übertretungsstrafgesetz im Bereich Anlege-, Stationierungs- und Durchfahrtsverbot festgelegt. Wie streng und häufig jedoch die Kontrollen sind, dazu äussert sich Hürlimann nicht. Er sagt nur so viel: «Die Umsetzung wird auf 
jeden Fall mit Augenmass erfolgen und mit der Zuger Polizei abgesprochen. Das Wichtigste ist zunächst, die neue Regelung bekanntzumachen und ihren Sinn zu vermitteln.»


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