Buch

Geschichten aus Ortsnamen

11. April 2018, 09:10

Auf «Vill Lachen Ohnewitz!» folgt nun «Alle Echte Orth». Es ist das zweite Buch von Judith Stadlin und Michael van Orsouw, dessen Inhalt ausschliesslich aus real existierenden Ortsnamen des deutschsprachigen Raumes besteht. Die beiden «literarischen Allgemeinpraktiker» aus Zug erzählen darin Kurz- und Kürzestgeschichten sowie knackige Possen und fassen belanglose Alltagssituationen auf, die – vor allem laut gelesen – zum schreiend komischen Schwank werden.

 

Selbst Werbepausen («Werbach Pausin») fehlen nicht, und dann wagen sie sich gar in die Welt der Märchen und Sagen vor. Erzählen «Hansell Plus Grete», «Root Kapping» oder «Wilhelm Tellig» auf die etwas andere Art. Selbst politisches Ansinnen lässt sich bestens in Ortsnamen fassen – das gibt das Verzeichnis mit Einträgen wie Linkenheim, Rechtenbach, Nazibühl oder Oberneger genug Stoff her. Und wer hätte gedacht, dass es im deutschsprachigen Raum Ortschaften gibt, die tatsächlich Afrika, Kanada, Ägypten, Kalifornien oder Belgrad heissen? Der Leser kann sich selber davon überzeugen, indem er nach den angemerkten Postleitzahlen sucht. Mit Fotos von Ortsschildern und Wegweisern lockert das Autorenduo sein Buch auf, und mittels einem 24-seitigen Verzeichnis lassen sich sämtliche im Buch verwendeten Ortsnamen mitsamt Postleitzahlen alphabetisch nachlesen.

«Alle Echte Orth» verspricht pures Lesevergnügen, bei dem der Inhalt für einmal nur eine kleine oder gar keine Rolle spielt. Am besten entfaltet die Lektüre ihre Wirkung, wenn man laut aus dem Buch vorliest – egal, ob sich selbst oder in der Runde. Für ein erfrischend heiteres Literaturerlebnis wird garantiert.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Hinweis

«Alle Echte Orth», Judith Stadlin & Michael van Orsouw, 192 Seiten gebunden, Verlag Nagel & Kimche


Anzeige: