Auslagerung der Sozialhilfe ist «günstiger als die aktuelle Lösung»

NEUHEIM ⋅ Die Gemeinde plant die Auslagerung der wirtschaftlichen Sozialhilfe nach Baar per 1. Januar 2018. Der Gemeindepräsident Roger Bosshart erklärt, welche Auswirkungen dieses Vorhaben hat.
13. Oktober 2017, 05:00

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Über ein Jahr nach Bekanntwerden der Misswirtschaft in der Neuheimer Sozialabteilung hat der Gemeinderat zu Wochenbeginn eine Lösung für deren Neuorganisation präsentiert: Die Dienstleistungen im Rahmen der wirtschaftlichen Sozialhilfe sollen ab dem 1. Januar 2018 von der Nachbargemeinde Baar gewährleistet werden. Der Gemeinderat Baar und der Kanton müssen noch über diese Leistungsvereinbarung befinden – die erste ihrer Art. Neuheims Gemeindepräsident Roger Bosshart (FDP) kann sich vorstellen, dass diese Lösung auch für andere Gemeinden zur Option wird.

Roger Bosshart, ist es eine gute Lösung, ein Angebot einer Gemeinde an eine andere auszulagern?

Es ist für eine kleine Gemeinde wie Neuheim eine gute Lösung, was die Dienstleistungen der wirtschaftlichen Sozialhilfe anbelangt. In Baar ist ein grosses und erfahrenes Team in der Sozialabteilung tätig, wodurch eine hohe Qualität garantiert und das Controlling gewährleistet ist. So ist sichergestellt, dass eine Situation wie früher in Neuheim nicht wieder vorkommen wird.

Heisst das, dass der Sozialvorsteher Franz Keiser nicht mehr aus seiner Abteilung an den Gemeinderat rapportieren muss?

Bis zum Inkrafttreten der Leistungsvereinbarung wird das wie bis anhin alle zwei Wochen der Fall sein. Künftig wird der Gemeinderat einmal im Monat auf den neusten Stand gebracht.

 

Nimmt Keiser im nächsten Jahr noch Aufgaben wahr?

Grundsätzlich ändert sich nichts für ihn. Es ist von der Leistung her in etwa der gleiche Job, mit dem Unterschied, dass er sich mit der Sozialabteilung in Baar bespricht.

Was bedeutet diese Auslagerung für Neuheim finanziell?

Diese Lösung ist etwa gleich teuer wie vorher, als wir die Dienstleitung selbst angeboten haben. Sie ist aber sicher günstiger als die aktuelle Lösung mit «Springern», die wir je nach Bedarf einsetzen. Wir werden die Gemeinde Baar pro bearbeitetem Fall entschädigen.

Werden die restlichen Aufgaben der Sozialabteilung in der Verwaltung aufgeteilt?

Im Moment ja. Auf nächstes Jahr suchen wir jemanden dafür – keinen Leiter, sondern einen Sachbearbeiter mit einem 40- bis 50-Prozent-Pensum. Diese Stelle schreiben wir aus, sobald wir das Pflichtenheft erarbeitet haben.

Die Leistungsvereinbarung ist nicht befristet. Ist es das Ziel, alle Dienstleistungen in fernerer Zukunft wieder in Neuheim anbieten zu können?

Aus heutiger Sicht nicht. Weil, wie gesagt, die gefundene Lösung für eine Gemeinde der Grösse von Neuheim einfach sinnvoll ist.

Eine derartige Leistungsvereinbarung ist ein Novum im Kanton Zug. Denken Sie, dass dieses Modell Schule macht?

Für kleinere Gemeinden ist das durchaus denkbar. Gerade im Sozialbereich sind die Anforderungen enorm gewachsen, sodass es schwierig wird, diese in einer kleinen Verwaltung zu erfüllen. Die kantonale Direktion des Innern hat uns früher schon einmal geraten, eine solche Lösung zu erwägen – es handelt sich also um ein bekanntes Problem.


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