Haariges für die Venen

CHAM ⋅ Die Schnitzelbankgruppe Giftsprützi steht auch im 31. Jahr ihres Bestehens hoch in der Publikumsgunst. Ihr Leitthema ist zwar eine nationale Angelegenheit – am meisten punktet sie aber mit Lokalem.
09. Februar 2018, 17:02

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Es dauerte seine Zeit, doch er kam noch: der Schnitzelbank über die Frisur des Chamer Gemeindepräsidenten Georges Helfenstein – und nicht nur über seine. Die «Giftsprützi» liess auch die anderen Mitglieder des Gemeinderats samt Gemeindeschreiber nicht ungeschoren davonkommen:

Am Turnerchränzli, es isch doch schlicht famos /

Gwünnt dä Georges Hälfestei wie immer s grosse Los /

Hundert Stutz vom Salon Luzia als Superniete bi dä Gabe /

do frogt dä Georges sini Lisa: Du, was isch en Coiffeur-Lade?

 

Au dä Rolf Ineiche het a däm Guetschii kei Interässe /

was en Coiffeur isch, hed er doch scho lang vergässe.

 

Und dä Beat Schilter mit sinere Super-Figur /

Wott näb sine Velowädli jetzt no en Sprinter-Frisur

D’Christine Blättler het nochem Guetschii kei Verlange /

Bi ihre tüend hundert Stutz niene anelange

 

Dä Martin Mengis, dä chasch sehr guet tröschte /

Hesch kein Guetschii, nimm doch eifach d’Teppichbürschte.

 

Dä Markus Buume, dä machts ganz adrett /

Tritt usem Gmeindrot zrugg, bevor er überhaupt kei Hoor meh hed.

Der mit weit über 100 Besuchern gefüllte Kreuz-Saal im Restaurant Steirereck schüttelte sich vor Lachen – die Spritze hatte ihre Wirkung erzielt.

Seit 1987 gibt es diese Schnitzelbankgruppe. Zum 25-jährigen Bestehen im Jahr 2012 erhielten Luzia Küng, Silvan Eberle, Beat Haas und Mike Limacher für ihre Verdienste den Anerkennungspreis der Chamer Bürgergemeinde. Sie ist die älteste derartige Formation, mit den «Tröpflibrünzlern» und den «Damen vom Grill» gibt es noch zwei andere im Dorf, die durch die Restaurants und Beizen ziehen.

Martin Usters Erfolgsgeheimnis aus Cham

Das Leitthema des diesjährigen Auftritts lag auf der Hand: die No-Billag-Initiative beziehungsweise, das SRF in abgespeckter Version. Dieser Teil des Auftritts lebte vom wiederkehrenden Auftritt des Zuger Bierkönigs Martin Uster. Der Geschäftsführer der Brauerei Baar trat jeweils in den «Werbeblöcken» in Erscheinung und verkündete stolz die Preise, die er für seine Biere eingeheimst hat. Selbstverständlich liess er nicht unerwähnt, dass in einer der ausgezeichneten Sorten die Chamer Hirse den Ausschlag dafür gab. Der Klamauk auf der Bühne traf den Lachern und dem Applaus zufolge den Geschmack des Publikums oft. Ausgelassen wurde es aber erst, als es ins Lokale ging: Die Umfahrung Cham-Hünenberg wird nach langem Hin und Her über die neue kleine Lorzenbrücke geführt; die abtretende Hünenberger Gemeindepräsidentin Regula Hürlimann soll nach Cham ziehen, weil sie genug von der Gülle «in Hünenberg unten» habe. Und auch das im Saal befindliche Dorforiginal Bruno Birrer kriegte für seinen Exkurs über Unterwäsche bei «Aeschbacher» einen ordentlichen Seitenhieb verpasst. Schliesslich sieht die «Giftsprützi» die Gemeinde Cham auch als Konkurrenten für das «Swiss Miniature»: dank des «weltweit kleinsten Mammutbaums» im Nestlé-Garten.

Im kommenden Jahr dürfte die Schnitzelbankgruppe wieder aus dem Vollen schöpfen können: Wahlen sei Dank!


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