Heiners brennen jetzt am Berg

ZUG ⋅ Thomas Heiner und seine Frau Cordula sind in diesem Jahr dreimal gezügelt. Ihr grosses Projekt in einem ehemaligen Pferdestall beim Zurlaubenhof nimmt langsam Formen an – eine Herausforderung bleibt noch.
12. August 2017, 05:00

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

«Fast geschafft», sagt Thomas Heiner, nachdem er die Türe zum ehemaligen Pferdestall beim Zurlaubenhof öffnet. Die Brennanlage ist an ihrem Platz. Auch das Lager mit einer Vielzahl von Edelbränden aus seiner Produktion ist fein säuberlich und wohlgeordnet versorgt. Eine provisorische Plastikplane deckt derzeit das Hochprozentige noch gegen den Brennraum ab.

Bis es so weit war, haben Thomas Heiner (47) und seine Frau Cordula (46) viel Zeit und Geld investiert. Einerseits führt jetzt eine Wasserleitung zum Pferdestall, der bis ins Jahr 1973 im Stolzengraben in Oberwil stand. Andererseits ist für einen geordneten Abfluss des Wassers gesorgt. Auch ans Stromnetz ist das von aussen schmucke Gebäude angeschlossen worden.

Crowdfunding hat gewirkt

Noch im Frühling stand die Zukunft der Brennerei in der Schwebe. Um die notwendigen Geldmittel – rund 40 000 Franken – für die Brenninfrastruktur am neuen Ort stemmen zu können, hat Thomas Heiner zum Mittel des Crowdfunding gegriffen. Die benötigte Summe ist zusammengekommen. «Es ist toll, wie uns die Leute unterstützt haben», sagt Thomas Heiner. Wir haben kämpfen müssen, aber der «Einsatz hat sich gelohnt». Zur Vollendung seines Traums möchte er bald noch einen zweiten Brennhafen zukaufen. Aber vorderhand ist er zufrieden, wie sich das ganze Projekt bis jetzt entwickelt hat.

Das Jahr 2017 hat den Heiners, sie haben drei Kinder, nämlich gleich drei Umzüge gebracht. Sie haben einen Steinwurf vom Stall entfernt eine Wohnung gefunden, die sie schon lange auf dem Radar hatten. Dazu ist noch das Zügeln der Brennerei aus der Herti gekommen. Und zu guter Letzt hat Thomas Heiner auch noch sein Lager von Otterswil nach Zug gezügelt.

Die Fahrten zwischen den verschiedenen Standorten gehören somit der Vergangenheit an. Thomas Heiner kann sich vorstellen, dass er jetzt öfter in der Brennerei anzutreffen ist. Dazu muss er sich nicht einmal unbedingt Schuhe anziehen. Aber mehr Platz am neuen Ort heisst bei den Heiners trotzdem nicht, dass sie ihre angestammten Berufe aufgeben. «Vom Brennen alleine können wir nicht leben», sagt Thomas Heiner. Er arbeitet in einem 70-Prozent-Pensum als Hausmeister. Seine Frau, deretwegen er 1992 aus Tübingen in die Schweiz gekommen ist, ist Kindergärtnerin. Brennen sei «ein ambitioniertes Hobby, das eine Berufung ist», sagt Thomas Heiner.

Das Brennen hat er von 2000 bis 2004 in einer grossen Destillerie in der Innerschweiz vertieft. 2004 nahm er eine Stelle als Schulhausabwart an. Nach einem Jahr in dieser Stellung hat mich die Leidenschaft des Brennens wieder gepackt.

Seither haben die Heiners sich in der Szene einen guten Ruf geschaffen. Sie verkaufen zwar keinen Zuger Kirsch, weil ihnen das dazu notwendige Label fehlt. Aber auf dieses ist Thomas Heiner nicht scharf. Er ist zufrieden, dass seine Destillate Preise gewinnen. Er verrät nämlich: «Ich bin ein Perfektionist.» Das zeigt sich schon darin, dass er für seinen Gin «6317», eine Hommage an ihren früheren Wohnort Oberwil bei Zug, 17 Versuche gebraucht hat, um aus 63 Botanicals, so werden die Zutaten genannt, die richtige Mischung zu finden. Davon verkauft er derzeit rund 1000 Flaschen pro Jahr. Und das ohne Werbung: Die Leute, die bei mir eingekauft haben, empfehlen ihn weiter», sagt Thomas Heiner zu seinem Geschäftsprinzip. Er sei keiner, der Türklinken putzt. Doch bei einem ist er konsequent: Wo immer es geht, verwendet er heimische Früchte.

Eine neue Kreation ist in Arbeit

Was beim Gin zwingend dazugehört, ist Wacholder, sonst sei das Brennen dieses Hochprozentigen «keine Hexerei». Was auffällt, es braucht grosse Mengen von Früchten, um die Edelbrände herzustellen. Um bei der Eröffnung am 9. und 10. September seinen Unterstützern und Kunden etwas bieten zu können, will Thomas Heiner sich an eine neue Kreation machen. Einen Gin, der nur aus Wacholder gebrannt wird. Einen Namen für das Erzeugnis hat er schon: «Minimalist», der wird aber von einem Perfektionisten hergestellt.

Zum Brennen am neuen Ort fehlt eigentlich nur noch etwas. «Für diese Arbeit muss ich gut drauf sein», sagt Thomas Heiner. Und solche Tage wird er in diesem Monat noch ein paar brauchen, denn sonst ist der neue Gin aus Zug bei der Eröffnung der neuen Brennerei am Berg nicht in genügender Menge zum Geniessen bereit.


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