Herantasten an den neuen Lehrplan

KANTON ZUG ⋅ Der Lehrplan 21 tritt in Zug auf das Schuljahr 2019/20 in Kraft. Von März bis Mitte Juni haben sämtliche Lehrerinnen und Lehrer der Zuger Volksschulen eine Einführungsveranstaltung zum Thema besucht.
20. Juni 2017, 07:24

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Warum überhaupt ein neuer Lehrplan? Was ist alles neu am Lehrplan 21? Und wie verändert dieser den Unterricht? All diese Fragen wurden im Rahmen von mehreren Kick-off-Veranstaltungen für die Zuger Lehrpersonen geklärt. Am vergangenen Freitag fand in Unterägeri der letzte dieser Anlässe, organisiert vom Amt für gemeindliche Schulen, statt. Vertreten waren die Lehrerinnen und Lehrer aus Walchwil, Ober- und Unterägeri.

Der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss machte die Anwesenden zu Beginn darauf aufmerksam, dass der Kanton Zug einen besonderen Fahrplan für die Einführung des Lehrplans 21 gewählt habe. «Der neue Lehrplan braucht Raum und Zeit», erklärte er. Die Umsetzung erfolge im Vergleich mit anderen Kantonen «relativ spät, dafür sorgfältig».

Das Wissen auch anwenden können

In einem Einführungsreferat gab Martina Krieg, Leiterin Schulentwicklung, einen Überblick über die Kompetenzorientierung im neuen Lehrplan. Reine Wissensvermittlung genüge nicht mehr, künftig solle vermehrt Wert darauf gelegt werden, das Wissen auch anwenden zu können, erklärte sie. Es sei wichtig, dass die Schüler wirklich verstehen würden, was sie zuvor gelernt haben. Krieg blickte zurück auf das Lehr- und Lernverständnis im Laufe der Zeit. Der aktuelle Lehrplan funktioniere mit Grobzielen, aus denen die Lehrpersonen Lernziele ableiten würden. «Doch diese Orientierung scheint nicht auszureichen. Man hört oft die Kritik, dass Schüler ihr Wissen nicht über den Fachbereich hinaus einsetzen können.» Die Expertin zeigte auf, wie gross die Heterogenität in den Schulklassen heute ist. «Die Voraussetzungen sind sehr unterschiedlich. Einige sind über-, andere unterfordert.» Der neue Lehrplan nehme auf diesen Umstand Rücksicht. Martina Krieg sprach auch über den Umfang des neuen Instrumentes. «Man hört immer wieder, dieser sei überladen. Doch das stimmt nicht. Der Lehrplan 21 ist sozusagen eine abgespeckte Version des aktuellen.» In Zahlen ausgedrückt heisst das: Der bisherige Lehrplan umfasst in gedruckter Form 21 Zentimeter, 755 Seiten und 2500 Lernziele. Der neue 7 Zentimeter, 470 Seiten und 2304 Kompetenzstufen. Im Referat kam auch zum Ausdruck, dass der Unterricht im Kanton Zug bereits heute nach Kompetenzen aufgebaut ist. «Sie kennen die Merkmale guten Unterrichts», sagte Martina Krieg zu der versammelten Lehrerschaft. «Diese gelten auch weiterhin. Alles, was Sie bereits in Weiterbildungen investiert haben, etwa auf dem Gebiet der kooperativen Lernformen, zahlt sich aus.»

Anschliessend berichtete der Hünenberger Gärtnermeister Fabian Bucher vom Unternehmen Alois Bucher und Sohn AG anhand von Bildungsplänen, die ebenfalls auf Kompetenzen ausgerichtet sind, welche Bedeutung der Lehrplan 21 für die Berufsbildung hat. Es zeigte sich: Zwischen einem Bildungsplan für einen Gärtner und dem Lehrplan 21 gibt es zahlreiche Parallelen. Fabian Bucher war es denn auch, der den Lehrern des Kantons Zug den Lehrplan 21 auf einem USB-Stick übergab.

Rückmeldungen fallen positiv aus

Nach dem Theorieblock arbeiteten die Lehrpersonen selbstständig an einer Lernumgebung, die selbstredend auf Kompetenzen ausgerichtet war. Hier konnten sie sich in die Schülerrolle begeben und Aufgaben aussuchen, die ihren Bedürfnissen und ihrem Wissensstand entsprechen.

Was nehmen die Zuger Pädagogen von der Einführungsveranstaltung mit? Einige Rückmeldungen an das Amt für gemeindliche Schulen nach dem Anlass in Cham vom 7. Juni zeigen, dass das erste Herantasten gelungen ist. So sagt etwa Patrick Kron: «Das war ein erfrischender Start. Es macht Lust auf weitere Auseinandersetzung mit dem Lehrplan 21, dies im Wissen, dass bei uns bereits viel davon umgesetzt wird.» Es habe ihr gefallen, dass das Referat wie auch die Lernumgebung sich konkret auf den Schulalltag bezogen hätten, erklärt Anja Unternährer. Und Regula Möri findet: «Wir durften einen sorgfältig durchdachten Anlass besuchen.» Auch die Zuger Bildungsdirektion kommt in einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung zu diesem Schluss. Darin heisst es: «Die Veranstaltungen wurden als sehr motivierend, kurzweilig und informativ bewertet.»


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