Ihre Interpretation von Landschaftsstrukturen

BAAR ⋅ Die Künstlerin Ana Azpeitia zeigt in der Z-Galerie neue Malereien. Auch in «Biophilia II» erforscht sie das Spannungsfeld zwischen natürlicher und digitaler Welt.
17. Mai 2017, 07:30

Immer wieder tüftelt Ana Azpeitia an einer Lösung herum, um ein Bild so zu realisieren, wie es ihrer Intention entspricht.

Von daher rührt es, dass ihre Malereien vielerlei Acrylschichten aufweisen. «Ich brauche Zeit. Pro Bild sind es im Minimum drei Wochen, und ich mache mich immer wieder daran, weil ein neuer Impuls aufgetaucht ist», erläutert die Zuger Künstlerin in ihrer derzeitigen Ausstellung in der Baarer Z-Galerie. Das sei der Grund, dass stets mehrere Bilder zusammen entständen.

Abstrakte Motive und Linien

Schon länger beschäftigt sich die in Spanien geborene 45-Jährige intensiv mit dem Spannungsfeld zwischen der natürlichen und der digitalen Welt. Wie die beiden konkurrenzieren, zeigt das Bild «Decomposition» beim Eingang, wo sich scheinbar braune Äste in moderne Gebäude hineindrängen. Die präzis gemalten abstrakten Motive weisen farbige und durchsichtige Farbschichten auf. Solche Sujets hat Ana Azpeitia in verschiedenen Formaten auf Leinwand und Sperrholz gebannt.

Diese «Codes», wie sie die natürlichen Linien der Landschaft bezeichnet, suche sie. Unser Verhalten ähnle der Natur. «Wir möchten sie erobern. Wenn man die Gebäude verlässt, kommt die Natur zurück.» Ihr Ziel sind keineswegs fotoähnliche Landschaftsbilder. Und voll Enga­gement sagt sie: «Ich will die Landschaft interpretieren und benütze dafür ihre Strukturen, die dann linien- oder auch wellenartig aufscheinen.»

Um ihre Grundidee zu verdeutlichen, hat sie in der Galerie eine spielerische Installation aufgebaut. Zum Kontrast lässt sie aus weissen Gebäudeteilen aus Styropor lange farbige Netzstreifen heraushängen. «Wir produzieren täglich viel Müll, diese Elemente, wie hier die Netze, in denen Orangen und Pfeffer eingepackt waren, finde ich spannend», sagt Ana Azpeitia.

Der Einbezug des Holzes mit seinen natürlichen Mustern in das bildnerische Motiv geschieht bei ihr bewusst: Oft lässt sie Holzteile ohne Farbe wirken. «Das bringt den organischen Aspekt klarer ins Bewusstsein», ist sie überzeugt. Den Holzeffekt habe sie schon früher genutzt, er habe sie angeregt, das natürliche Dunklerwerden bei der Farbwahl einzubeziehen. «Im PC habe ich die Farben ausprobiert und überlegt, welches Holz ich wählen soll, denn jedes hat eine andere Maserung.» Meist setzt sie Sperrholz ein, manchmal auch altes Holz.

Früher hat Ana Azpeitia lange Zeit gerade Linien im Computerstil gemalt. Seit sie in der Schweiz lebe, sei ihr der Kontrast zwischen den modernen Gebäuden und der Natur aufgefallen. Und so baute sie vor einigen Jahren die organische Welt in ihre abstrakte Malerei ein. Die erste «Biophilia» zeigte sie im Aus­stellungsraum Lüssiweg.

Kleine Zeitfenster für die Kunst

Momentan arbeitet Ana Azpeitia, die bildende Kunst studiert hat, an einem Bühnenbild, das 2018 zum Einsatz kommt. Sie arbeitet mit Medien, Zeichnung, Malerei und Installation und ist immer auf der Suche nach Impulsen für ihre Kunst: «Vielleicht reduziere ich künftig die Farben und setze mehr durchsichtige Schichten ein.» Für die Lehrerin mit 30-Prozent-Pensum und zwei Kindern ist es nicht einfach, genügend Zeitfenster zum Malen zu finden. Lachend sagt sie: «Es braucht dar­um viele kleine Schritte, bis ein Werk entsteht.»

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

Die Ausstellung «Biophilia II» von Ana Azpeitia läuft bis 11. Juni. Die Öffnungszeiten: Mi bis Fr, 15 bis 18 Uhr, Sa/So, 11 bis 14 Uhr. Am Sonntag, 21. Mai, findet ein Apéro mit Musik statt von 11 bis 14 Uhr. Z-Galerie, Baar, Dorfstrasse 6a.


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