In Sachen Unterfeld herrscht Funkstille

ZUG/BAAR ⋅ Vor drei Monaten ist das Megaprojekt an der Urne gescheitert. Obwohl ein neuer Bebauungsplan innert drei Jahren erstellt werden muss, gibt es seit der Abstimmung keinerlei Neuigkeiten.
19. Mai 2017, 05:00

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Wie gehts weiter mit dem Unterfeld? Diese Frage ist in Zug und Baar oft zu hören. Mitte Februar dieses Jahres verwarfen die Stimmbürgerinnen und -bürger der Gemeinde Baar den entsprechenden Bebauungsplan für ihr Gemeindegebiet mit 60 Stimmen Differenz.

Obwohl die Stadtzuger den Plan für die «Zuger Seite» mit 4880 Ja gegen 4775 Nein annahmen, heisst es nun für alle: zurück auf Feld eins.

Zwar einig – aber doch nicht ganz

Doch dieses Feld ist offenbar schwer zu besetzen oder zu benennen. Denn es wird um Worte gerungen, wie Baars Gemeindepräsident Andreas Hotz sagt. «Die Behördendelegation ist sich zwar einig, nicht aber im genauen ‹Wording›», sagt Hotz nämlich zur angekündigten Pressemitteilung, auf die aber immer noch gewartet werden muss. Auf Zuger Seite sind Stadtpräsident Dolfi Müller, Bauchef André Wicki und Stadtplaner Harald Klein in dieser Delegation, die von den Baarern Andreas Hotz, Bauchef Paul Langenegger und Abteilungsleiter Planung/Bau Urs Spillmann komplettiert wird.

«Wir möchten gemeinsam planen und weitermachen, was aufgrund der Erschliessung und anderer zwingenden Sachen, die wir zusammen anpacken müssen, am meisten Sinn machen würde», erklärt Hotz und ergänzt: «Die Frage ist nun einfach, in welcher Form.» Und genau dies müsse noch mit den Landbesitzern besprochen werden. «Die Diskussionen und Gespräche mit den involvierten Landeigentümern sind noch nicht abgeschlossen», betont Hotz und sagt: «Das braucht noch Zeit.»

Verständnis für die Verzögerung zeigt Werner Schaeppi, der als Verantwortlicher die Kommunikation des Projekts Unterfeld vor der Abstimmung geleitet hat. Er erachte es als sinnvoll, dass sich die Beteiligten genügend Zeit nehmen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Denn viele Grundlagen seien ja bereits erarbeitet worden, sagt er und doppelt nach: «Ein grosser Teil der Hausaufgaben ist schon gemacht.» Für Schaeppi ist eines klar: «Die Beteiligten wollen alle ein gutes Projekt. Keiner will das Gebiet einfach schnell mit irgendwelchen lieblosen Häusern auffüllen. Dabei gäbe es nur Verlierer.»

Es gebe viele Möglichkeiten, sagt ein am ersten Projekt Beteiligter, der aber ungenannt bleiben will. So müsse überlegt werden, ob nun nochmals ein einzelnes Projekt oder mehrere kleine Projekte angestossen werden sollen. «Sind es die gleichen Architekten, das gleiche Team, oder entscheidet man sich für frischen Wind?» Dies seien Fragen, die man sich gut überlegen müsse. Gebe es mehre Projekte, müsse man definieren, ob und wie stark man diese aufeinander abstimmen wolle. Oder man könne natürlich auch das bestehende Projekt abspecken, indem man auf die Argumente der Gegner eingehe und dieses dann möglichst schnell noch einmal an die Urne bringe, erklärt er weiter und fügt an: «Klar ist, dass bei einem etappierten Vorgehen weniger Angriffsfläche geboten wird.»

«Sie sind die eigentlichen Verlierer»

Noch habe seit der Abstimmung vom 12. Februar keine gemeinsame Sitzung der Beteiligten stattgefunden, sagt Urban Keiser, Präsident der Korporation Zug, der das Land auf dem Zuger Gemeindegebiet gehört. «Für uns gilt darum immer noch das, was wir am Tag der Abstimmung kommuniziert haben. Dort hiess es damals: Der Korporationsrat wird die neue Ausgangslage analysieren und mit dem Stadtrat und der Baudirektion besprechen. Es wird in jedem Fall einen Marschhalt geben. Für eine Weiterbearbeitung oder einen Neuanfang bräuchten wir von unserer Korporationsgemeinde wieder einen Projektierungskredit.» Bedauerlich sei die Situation vor allem auch für die vielen Interessenten, die sich im Vorfeld der Abstimmung für eine erschwingliche Wohnung beworben hätten, hiess weiter. «Sie sind die eigentlichen Verlierer.»


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