Kantonsräte setzen sich für Französisch ein

BILDUNG ⋅ Sieht die Regierung Handlungsbedarf beim Frühfranzösisch oder nicht? Das wollen drei Parlamentarier wissen und verbinden ihre Fragen auch gleich mit gewissen Forderungen.
11. August 2017, 07:22

Die Forderung, das Frühfranzösisch auf der Primarstufe abzuschaffen, schlägt Wellen (Ausgabe vom Dienstag). Die Kantonsräte Peter Letter (FDP, Oberägeri), Laura Dittli (CVP, Oberägeri) und Beat Unternährer (FDP, Hünenberg) haben als Reaktion beim Regierungsrat eine Interpellation eingereicht. Sie wollen grundsätzlich wissen, ob der Regierungsrat in Sachen Französischunterricht auf Primarstufe «Handlungs- oder Korrekturbedarf» sieht.

Die Interpellanten betonen in der Einleitung jedoch die Wichtigkeit des Frühfranzösisch. «Die Sprachkompetenzen in der Muttersprache und in Fremdsprachen sind für unsere Jungen sehr wichtig für die berufliche und gesellschaftliche Entwicklung.» Französisch habe dabei als schweizerische Landessprache, als eine der wichtigen internationalen Sprachen und als Basis für weitere lateinische Sprachen einen hohen Stellenwert, befinden die Interpellanten. Den Unterricht auf der Primarstufe einfach abzuschaffen, erachten die drei Kantonsräte als eine zu einfache Antwort auf die Herausforderung, die der Sprachunterricht mit sich bringe.

Die Interpellanten verweisen in ihrem Vorstoss ausserdem auf die «Evaluation Fremdsprache», die der Kanton Zug in Zusammenarbeit mit anderen Zentralschweizer Kantonen durchgeführt hat. Dabei wurden die Fremdsprachenkenntnisse in der 6. und 8. Klasse getestet. Ein Fazit dieser Evaluation war, dass die Zuger Schüler in Französisch besser abgeschnitten haben als ihre Kollegen in anderen Zentralschweizer Kantonen. Insgesamt blieben die Leistungen in Französisch der 8. Klasse aus Lehrplansicht aber unbefriedigend. Dennoch zog der Regierungsrat das Fazit, dass der Kanton am Modell 3/5 – also Englisch ab der 3. und Französisch ab der 5. Primarklasse – festhält.

Der Regierungsrat kündigte in seinem Bericht vom März 2016 an, die Lehrplanziele zu überprüfen und die Unterrichtsgestaltung zu optimieren. An diesem Punkt knüpfen die Interpellanten nun an. Sie wollen wissen, ob die Regierung Anpassungen an den Lehrplanzielen evaluiert und/oder vorgenommen habe und welche Massnahmen ergriffen wurden, um die Motivation der Schülerinnen und Schüler sowie jene der Lehrpersonen für den Französischunterricht zu erhöhen.

Die Kantonsräte stellen der Regierung auch Fragen zu konkreten Massnahmen und deren Einsatz. «Werden Möglichkeiten wie Schulreisen und Klassenlager in die Westschweiz oder Schüler- und Lehreraustausch mit der Westschweiz in den gemeind­lichen und kantonalen Schulen systematisch genutzt, und wie kann das Potenzial besser ausgeschöpft werden?»

Gibt es ausreichend motivierte Lehrer?

Neben den Schülern nehmen die Interpellanten auch die Lehrer in den Fokus. Sie erkundigen sich, ob es ausreichend «motivierte und ausgebildete» Lehrpersonen für den Französischunterricht auf Primar- und Sekundarstufe gibt. Auch kommt die Frage auf, wie viele angehende Lehrpersonen in den letzten Jahren an der Pädagogischen Hochschule Zug das Fach Französisch und wie viele Englisch abgewählt hätten. «Sieht der Regierungsrat Handlungsbedarf wie etwa einen obligatorischen Französischunterricht für angehende Lehrpersonen?», fragen die Interpellanten.

Das Frühfranzösisch aufs Tapet gebracht haben die Kantonsräte Philip C. Brunner und Jürg Messmer (beide SVP, Stadt Zug) sowie Andreas Hostettler (FDP, Baar). Sie haben vor wenigen Tagen eine Motion eingereicht mit der Forderung, dass der Französischunterricht auf der Primarstufe abgeschafft und in ein freiwilliges Freifach umgewandelt werden soll. Erst ab der Sekundarstufe soll Französisch unterrichtet werden. Die drei Kantonsräte begründen ihren Vorstoss damit, dass Primarschüler mit zwei Fremdsprachen oft überfordert seien und man auf der Primarstufe den Fokus auch auf andere Bereiche wie etwa Naturwissenschaften legen könnte.

 

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch


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