Kinderbetreuung: Es fehlen viele Plätze

STADT ZUG ⋅ Wer sein Kind auch neben dem Kindergarten- oder Schulunterricht betreut haben will, muss Geduld und einen Plan B haben: Trotz vieler Betreuungsplätze sind die Wartelisten lang. Und der Entscheid fällt jeweils erst kurz vor den Sommerferien.
12. September 2017, 05:00

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

In der Stadt Zug hinkt das Angebot für die schulergänzende Kinderbetreuung stark der Nachfrage hinterher. Dies zeigt die jährliche Bestandsaufnahme «Quintessenz 2016», der städtischen Abteilung Kind Jugend Familie. Fast ein Fünftel aller Kinder, für die deren Eltern einen Betreuungsplatz am Mittagstisch oder durch die Nachmittagsbetreuung suchen, haben keinen Platz. So nahmen im vergangenen Jahr 763 Kinder an solchen schulergänzenden Angeboten teil. 180 befanden sich auf der Warteliste.

«Ja, wir führen eine Warteliste», sagt die zuständige Stadträtin Vroni Straub-Müller (CSP). Und es sei unbestritten, dass das Angebot noch nicht der Nachfrage entspreche. «Ich wehre mich aber dagegen, dass man uns auf die Warteliste reduziert. Ich bin der Meinung, wir versuchen pragmatisch und nach unseren räumlichen und finanziellen Möglichkeiten, jeweils zusätzliche Plätze zu schaffen.» So wurden im vergangenen Jahr in der Riedmatt sowie in diesem Jahr im Guthirt-Quartier zusätzliche Freizeitbetreuungsplätze bereitgestellt. Als nächster Schritt gibt Straub das Gebiet Zentrum an. «Dort benötigen wir dringend mehr Mittagstischplätze.»

Nachfrage wohl noch grösser

Die reale Nachfrage nach Plätzen in der Freizeitbetreuung der Stadt Zug scheint jedoch noch ­höher zu sein, als die im Papier «Quintessenz 2016» erhobene Nachfrage, die aufgrund der Wartelisten erstellt wurde, wie die Leiterin der Abteilung Kind ­Jugend Familie, Erwina Winiger, an einem Beispiel erklärt. «Die Warteliste im Guthirt war nicht besonders gross. Als wir dort dank des Neubaus zusätzliche Plätze angeboten haben, waren diese sehr schnell gefüllt – ausser mittwochs. Am Mittwoch hat es meist überall noch Plätze.» Es habe sich gezeigt, dass das Angebot genutzt werde, sobald eines da ist. Und dass Eltern möglicherweise ihre Kinder erst gar nicht anmelden, wenn sie wissen, dass zu wenig Plätze vorhanden sind.

Eine weitere Herausforderung für Eltern in der Stadt Zug ist zudem wohl der Zeitpunkt der Zu- beziehungsweise Absage für die Freizeitbetreuung. Diese kommt kurz vor den Sommer­ferien. Wer dann also sein Kind nicht in die Freizeitbetreuung geben kann, der muss innert weniger Wochen eine neue Lösung suchen. «Für unsere Mitarbeiter ist es immer eine schwierige Zeit, wenn sie einzelnen Eltern absagen müssen», so Winiger. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden arbeitet hier die Stadt nicht nachfrageorientiert, sondern vergibt ihre Anzahl Betreuungsplätze nach den Vorgaben des Kinderbetreuungsgesetzes. «Wenn nur noch wenige Plätze frei sind, werden die zuerst an Kinder ­Alleinerziehender, Berufstätiger, an Eltern mit sozialen Indikatoren oder gesundheitlichen Problemen vergeben. Als Letztes werden jene Eltern berücksichtigt, bei denen eigentlich ein Elternteil zu Hause ist, die das Kind, beispielsweise für die sozialen Kontakte, zum Mittagstisch oder in die Freizeitbetreuung schicken wollen.»

Stadträtin Straub ist jedoch aus erster Hand kein Fall bekannt, wie sie sagt, bei dem eine Absage des Mittagstischs zu einem Verlust der Stelle geführt habe. Auch nicht, dass jemand aufgrund der fehlenden Freizeitbetreuung hätte kündigen müssen. «Und in einem Härtefall würden wir natürlich auch mal eine Ausnahme machen. Wir lassen kein Kind auf der Strasse stehen.» Da könne auch mal ein zusätzlicher Platz geschaffen werden.

Wirtschaft und Eltern sind in der Pflicht

Sie müsse hier aber auch die Wirtschaft in die Verantwortung ziehen. Für sie sei es wichtig, dass auch die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern entgegenkommen und ihnen beispielsweise ermöglichen, die Arbeitstage den freien Plätzen bei der Freizeitbetreuung anzupassen – wo auch die Eltern selber in die Verantwortung kommen, indem sie flexibel bleiben müssen. «Ich wünschte mir, dass alle drei Parteien – Eltern, Unternehmen und Staat – vermehrt an einem Strick ziehen würden.»

Entspannen können sich hingegen jene Eltern, deren Kind in einem Freizeitangebot untergebracht ist. «Wer einen Platz hat, kann diesen während dem Schuljahr auch behalten», so Straub. Es könne zwar vorkommen, dass bei Platznot Eltern von Fünft- und Sechstklässlern kontaktiert würden, um eine andere Lösung zu finden. «Diese kommen sowieso oft nur noch widerwillig an den Mittagstisch und würden ihr essen lieber alleine zu Hause einnehmen», so die Stadträtin.


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