«Zigi Zagi»: Kontinuität trotz Bruch

ZUG ⋅ Josef Staub (1931-2006) verstand es, die Härte von Stahl in beschwingte Leichtigkeit zu verwandeln. Das strahlt auch seine Plastik «Zigi Zagi» im Hertiquartier aus – auch wenn hier der «Fluss» des Materials unterbrochen wird.
06. Dezember 2017, 07:49

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

So vielseitig und unterschiedlich sie auch sind – Josef Staubs Skulpturen lassen sich ihm auf Anhieb zuordnen. Das prominenteste Werk des Baarer Künstlers finden wir auf der Rössliwiese am See: Der «Grosse Rugel» von 1972 windet sich wie ein überdimensionaler Hobelspan aus Chromstahl auf der Wiese. Etwas diskreter sind die zwei Skulpturen Staubs im Hertiquartier. Die ­Spirale im Brunnen auf dem Platz zwischen Hertizentrum und Johanneskirche ist mit ihrer harmonisch-gleichmässig geschwungenen Form dezent und unaufdringlich. Unsere Aufmerksamkeit soll nun aber der zweiten Plastik Staubs im Hertiquartier gelten.

Diese steht an einem wenig frequentierten Ort auf der Wiese zwischen General-Guisan-Strasse und der Rückseite des Hertizentrums. Mit der kindlich-naiv anmutenten Bezeichnung «Zigi Zagi» war die 1983 erschaffene Plastik eine Schenkung der Alfa Metalcraft Rotkreuz an die Stadt Zug. Die Skulptur aus poliertem Stahlblech ist auf einem Beton­sockel fixiert und total rund eineinhalb Meter hoch. Die Besonderheit von «Zigi Zagi» ist – im Vergleich zur Spirale oder zum «Grossen Rugel» – der Verlauf der Schlaufen. Dieser fällt hier nicht kontinuierlich aus, sondern erlebt gleich an drei Stellen einen Bruch, indem er abrupt Kanten bildet und seine Fortführung nach einem Knick findet. Dennoch, und obschon die Schlaufen unterschiedlich weit ausschwingen, wirkt die Plastik gleichmässig und ausgewogen. Wie bei seinen anderen Skulpturen aus Stahl scheint Josef Staub die Unbiegsamkeit und die Härte dieses Materials mit Leichtigkeit zu überwinden und zu zähmen. Durch die windende Bewegung und den Glanz der Ober­fläche nimmt er dem Stahl gar seine gesamte Schwere.

Der Maler und Bildhauer ­Josef Staub ist am 30. November 1931 in Baar geboren worden und da aufgewachsen. Zum Maurer und Bauführer ausgebildet, lernte er das Kunsthandwerk hauptsächlich autodidaktisch. Ab 1957 lebte Staub in Dietikon. Am 2. November 2006 starb er in Schlieren.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Frühere Beiträge finden Sie hier.


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