Amag-CEO Morten Hannesbo: «Letztlich ist der Standort Cham ideal»

UMZUG ⋅ Die Amag zentralisiert vier Bürostandorte in Cham. Die Gründe dafür liegen nicht in den vorteilhaften Steuern im Kanton Zug, wie Amag-CEO Morten Hannesbo versichert.
09. August 2017, 05:00

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Im Herbst 2019 beziehen rund 850 Mitarbeiter der Amag Automobil- und Motoren AG im Chamer Gewerbegebiet Städtler Allmend ihre Büros. Cham setzte sich damit als neuer Bürostandort gegen die Konkurrenz Birrfeld und Dübendorf durch. Die Alfred Müller AG hat das Projekt Helix, der Axess Architekten Zug, in Angriff genommen. Das Projekt sieht vier Gebäude vor mit rund 20000 bis 25000 Quadratmetern Platz. Zwei davon wird die Amag für ihre Mitarbeiter mieten. Amag-CEO Morten Hannesbo erzählt im Gespräch mit unserer Zeitung, warum Cham den Zuschlag ­bekommen hat und inwiefern der Importeur deutscher Autos vom Diesel- und Abgasskandal betroffen ist.

Morten Hannesbo, warum hat sich die Amag für Cham entschieden?

Es gibt verschiedene Gründe. Die Amag ist überall in der Schweiz tätig, und wir haben grosse Einheiten, die stark gewachsen sind. Dies vor allem in Buchs im Kanton Zürich, Schinznach-Bad, Dättwil, Birrfeld, am Utoquai in Zürich und auch hier in Cham. Wenn wir Sitzungen haben, verbringen wir viele Stunden im Auto. Wir verlieren Zeit und Geld, aber auch Synergien, die bei einem Kontakt und bei einem Kaffee möglich sind. Wir verlieren die Nähe und damit das Verständnis füreinander.

Führen Sie darum in Cham alles zusammen?

Richtig. Das Unternehmen ist fast 70 Jahre alt, und wir müssen etwas tun und wieder zusammenrücken. Das ist der Grund, warum wir einen neuen gemeinsamen Standort gesucht haben.

Ist der Entscheid eine Absage an Zürich?

Nein, keinesfalls. Wir sind weiter mit Hunderten Angestellten im Raum Zürich präsent, und ich zähle den Kanton Zug zum Grossraum Zürich. Die Leute, die in Zürich arbeiten, bleiben dort, und nur der Import, die Finanzen, die IT, die HR und die Vertriebs- und Marketingleute ziehen nach Cham und rücken zusammen. Ich wohne in Zug, aber für mich ist das eine Marketingregion, und die geht übrigens von Winterthur bis Luzern.

Was hat Cham für Vorteile?

Viele unserer Leute kommen mit dem Auto, und wir haben hier gleich die Autobahnauffahrt. Viele Mitarbeiter wohnen schon um die Ecke, weshalb ein Drittel der Amag-Angestellten einen kürzeren Arbeitsweg haben wird. Cham ist wirklich zentral – ideal für uns. Es ist aber auch eine Sache des Vertrauens. Regierungsrat Heinz Tännler und Gemeindepräsident Georges Helfenstein haben sich um uns bemüht und gekümmert. Die beiden waren super Botschafter für den Kanton Zug und die Gemeinde Cham. Man ruft in Zug an und wird innert Minuten zurückgerufen. Das ist man sich in der heutigen Zeit von anderswo nicht gewohnt.

Die bekannte Zuger Freundlichkeit?

Ja, die ist bekannt, und ich kann die kurzen und schnellen Wege als Realität bestätigen.

Wie wichtig sind die Steuern?

Für uns als schweizweit tätiges Unternehmen nur marginal. Denn wir zahlen Steuern, wo wir tätig sind, und das ist die ganze Schweiz. Wir haben über 70 Betriebe und zahlen natürlich dort Steuern. Die Steuerfrage war darum nicht ausschlaggebend dafür, dass wir Cham als neues Headquarter gewählt haben. Wir sparen nur einen einstelligen Millionenbetrag. Einen gewissen Vorteil kann es aber Mitarbeitern bringen, die in den Kanton Zug umziehen. Die Steuervorteile sind für Schweizer Firmen nicht so gross, wie viele Leute meinen.

Wie lange wohnen Sie schon in Zug?

Seit zwei Jahren. Ich kannte Zug, dachte, es sei eine kleine Stadt – und da sei wenig los. Aber das Gegenteil ist der Fall. Es ist unglaublich viel los, und es gefällt mir in Zug sehr gut. Ich habe zuvor in Zumikon gewohnt und bin heute gleich oft in Zürich wie früher. Zug–Zürich ist keine Distanz. Klar ist: Zug ist viel grösser, als es die 30000 Einwohner vermuten lassen. Ob Restaurants, Konzerte oder Kino: Man hat hier alles, was man braucht. Zug ist zudem nicht Luxus und nicht überheblich. Hier wird Geld ausgegeben – aber es wird nicht übertrieben. Ich fühle mich hier echt wohl, die Natur ist nah – näher als in der Grossstadt.

Wie zeigt sich das?

Ich fahre gerne Rennvelo und Bike. So fahre ich beispielsweise oft die Rigirunde oder über Arth, Steinen, Sattel und Ägeri zurück nach Zug. Ich trage dann immer ein gelbe West und habe eine Lampe, damit man mich sieht. Es ist einfach herrlich, welche tollen Touren ich hier von der Haustüre aus starten kann.

Zu einem ganz anderen Thema: Wie ist die Amag als Importeur deutscher Autos, vom Diesel- und Abgasskandal betroffen?

Der Skandal hat kaum oder gar keinen Einfluss auf die Nachfrage und den Verkauf – beschäftigt uns aber enorm. Die Anzahl der diesbezüglichen Arbeitsstunden, die wir mit Kunden, Behörden und Werken verbraucht beziehungsweise gebraucht haben, ist unglaublich. Es sind Tausende. Die Kunden brauchen eine Erklärung, die wir ihnen gerne geben. 98AABB22Prozent der Kunden sind damit zufrieden, aber rund zwei Prozent sind absolut unzufrieden.

Ist, mit Kunden sprechen zu müssen, nicht auch ein grosser Vorteil, weil man so mit den Kunden im Kontakt bleibt?

Es ist für uns enorm wichtig, mit den Kunden zu reden. Wir haben die Rolle als Partner der Kunden und der Hersteller. Wir haben aber ganz klar eine Schweizer Brille auf und kümmern uns um unsere Kunden und tun das Beste für sie. Wir sagen den Herstellern, was wir von ihnen brauchen, und werden dann entsprechend beliefert und unterstützt. Die Programme, die wir in der Schweiz fahren, sind anders als in Deutschland, Österreich, Italien oder Schweden.

Was ist denn anders?

Unsere Kunden haben eine andere Erwartungshaltung. Unsere Kunden erwartet von Amag oder VW mehr als von einer Marke aus Fernost. Man hat mehr bezahlt und will dem Produkt vertrauen können. Das Vertrauen wurde wegen des Skandals teilweise zerstört, und wir sind seit bald zwei Jahren an der Bewältigung. Wir würden uns gerne wieder aufs Tagesgeschäft konzentrieren können.

Ist denn diese «Negativwerbung» für VW nicht auch irgendwie unbezahlbar?

Ich könnte auf diese Werbung gut und gerne verzichten (lacht).

Was können Zug und Cham von der Amag als einer der grössten Firmen des Kantons Zug erwarten?

Wir haben den Anspruch, dass die Amag ein sehr guter, aktiver Bürger im Kanton Zug wird. Wir werden uns engagieren und sind am Diskutieren, ob wir Partner des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests 2019 in Zug werden – und wir evaluieren mit den Organisatoren der Tour de Suisse, ob wir Partner des Anlasses in Cham werden. Zusammengefasst: Wir freuen uns, eine Zuger Firma zu werden und als gutes Unternehmen des Kantons auch einen Teil der hiesigen Kultur zu werden. Ich glaube, das ist eine Pflicht, aber auch eine Chance, uns hier gut zu präsentieren.

Wie hat es Sie nach Zug verschlagen?

Als unsere Kinder ausgezogen sind, haben wir gesucht und in Zug eine perfekte Wohnung gefunden. Die Zentralisierung der Standorte war damals schon in Diskussion. Ich dachte, auch wenn nicht die Grossregion Zug zum Zug kommt, ziehe ich nicht mehr weg. Hier leben wir zentral, die Lage ist so oder so ideal. Letztlich ist der Standort Cham auch für die Amag und deren Mitarbeiter ideal, und dank dem Parkhaus, das hier auf unserem Areal gebaut wird, sind wir in Cham auch für die Zukunft perfekt aufgestellt.

Hinweis Auf der Website der Axess Architekten wird das Projekt Helix, wo die Amag Schweiz ab 2019 ihren neuen Bürostandort hat, vorgestellt. Siehe unter: www.axess.ch/helix-cham.


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