Mehrheit steht hinter Hochhäusern

RISCH ⋅ Eine Höhenbeschränkung von 40 Metern für Gebäude rund um den Bahnhof Rotkreuz – das forderte eine Gruppe von Motionären. Doch ihr Anliegen blieb an der gestrigen Gemeindeversammlung chancenlos.
13. Juni 2017, 07:07

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Die Bauordnung der Gemeinde Risch wird nicht durch ein faktisches Hochhausverbot im Zentrum von Rotkreuz ergänzt. Diesen Entscheid fällte die Gemeindeversammlung gestern Abend – und zwar deutlich. 186 der 255 anwesenden Stimmberechtigten sprachen sich gegen den Rest­gehalt der vier Motionen «Stopp dem Hochhausbau um den Bahnhof Rotkreuz» aus. Für die Erheblicherklärung hielten 51 Personen ihre Hand in die Höhe.

Abgestimmt wurde nur über einen Teil der Vorstösse, da diese mehrere Rechtsverstösse enthielten. Die Motionäre wollten weitere Hochhäuser im Umkreis von 500 Metern des Bahnhofs verhindern. Entstanden waren die Begehren, als die Profile auf dem Areal Suurstoffi West aufgebaut wurden. Dort wird ein 60 Meter hohes Gebäude entstehen. Dieses jedoch wäre nicht betroffen gewesen, wie Bauchef Ruedi Knüsel ausführte. «Eine Rückwirkung wäre nicht möglich», erklärte der FDP-Gemeinderat. Auswirkungen hätte ein Ja der Bevölkerung hingegen auf ein allfälliges Hochhaus auf dem Areal südlich des Bahnhofs gehabt.

Schattenwurf würde auf die Gleise fallen

Der Abstimmung war eine lange Diskussion vorausgegangen. René Zimmermann, Mitinitiant der Motionen, erklärte: «Wir sind nicht gegen Hochhäuser, doch sie müssen am richtigen Ort gebaut werden.» Mit den Vorstössen wolle man dem «Wildwuchs» entgegenwirken. Zimmermann sprach auch das grosse Verkehrsaufkommen an, das weitere Hochbauten generieren würden. «Die Strassen sind schon jetzt überlastet», sagte er und betonte: «Wir wollen nicht, dass Rotkreuz das Manhattan von Zug wird.» Ruedi Knüsel hielt dagegen: «Hochhäuser hinterlassen einen kleineren Fussabdruck.» Ein Verbot mache aus gestalterischer Sicht beim Bahnhof keinen Sinn: «Das Gebiet eignet sich sehr gut. So würde der Schattenwurf eines Hochhauses südlich der Bahn­linie auf die Gleise fallen.» Bevor ein weiteres Hochhaus entstehe, habe zudem die Bevölkerung das letzte Wort. «Ein Denkverbot zum heutigen Zeitpunkt verbaut uns möglicherweise gute Chancen.» Obwohl der Gemeinderat – auch aus dem Plenum – viel Zustimmung erhielt, zeigte sich, dass sich viele Einwohner Sorgen wegen des Wachstums und des Verkehrs machen. Die Exekutive musste sich auch den Vorwurf gefallen lassen, nicht genau informiert zu haben und der Bevölkerung «den Turm auf dem Suur­stoffi-Areal untergejubelt» zu haben. Knüsel entgegnete: «Wir haben alles transparent dargestellt, als an der Gemeindeversammlung über den Bebauungsplan abgestimmt wurde.»

Einigkeit bewiesen die Rischerinnen und Rischer dafür beim Thema Weihnachtsbeleuchtung – und sie gaben dem Gemeinderat sogar den Auftrag, mehr Geld auszugeben, als dieser es vorgesehen hatte. Ein Änderungsantrag der Grünen, zusätzlich auch beim Lindenplatz einen Lichterbaum in Pyramidenform aufzustellen, fand eine grosse Mehrheit. Gemeinderat Markus Scheidegger freute sich: «Es ist ein Novum, dass die Bevölkerung mehr fordert und nicht weniger.» Gerechnet wird mit Mehrkosten von rund 50 000 Franken.


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