In Zug helfen Mentoren älteren Arbeitslosen

Ü50 ⋅ Seit diesem Jahr gibt es ein Unterstützungsprojekt für über 50-jährige Stellensuchende. Dabei geben freiwillige Mentoren Tipps, motivieren und helfen mit ihrem Netzwerk. Erste Erfolge gibt es bereits.
12. April 2018, 05:00

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Da Menschen immer älter werden, nimmt auch die Zahl der über 50-Jährigen in der Bevölkerung stetig zu. Viele von ihnen erfreuen sich bester Gesundheit, haben jedoch ein anderes Problem: Auf dem Arbeitsmarkt sind sie immer weniger gefragt, auch in der Schweiz.

Dies zeigen Zahlen des Bundesamtes für Statistik. So ist die Zahl der über 50-jährigen Sozialhilfebezüger – den Effekt des Bevölkerungswachstums herausgerechnet – seit 2005 um 40 Prozent gestiegen. Während vor zwölf Jahren in dieser Altersgruppe noch jede(r) Siebte Sozialhilfebezüger war, ging Ende 2016 bereits jede(r) Fünfte über 50-Jährige stempeln. Viele der betroffenen Arbeitnehmer landen, sind sie einmal entlassen worden, nach Langzeitarbeitslosigkeit auf dem Sozialamt.

Als Gründe für Entlassungen oder den langen Verbleib in der Arbeitslosigkeit wird oft angeführt, die älteren Arbeitnehmer seien zu teuer oder der Digitalisierung nicht gewachsen. Auch unterstützt den Trend der Umstand, dass Firmen ausländische Arbeitskräfte holen.

«Verbesserungspotenzial bei Bewerbungsdossiers»

Im Kanton Zug versucht der Verein für Arbeitsmarktmassnahmen (VAM) nun mit einem Mentoring-Programm, über 50-jährigen Arbeitssuchenden schneller wieder zu einer Stelle zu verhelfen. Das Projekt nennt sich «Mentoring 50 plus» und funktioniert so: Freiwillige Berufsleute können sich melden, um jeweils eine Stellensuchende oder einen Stellensuchenden zu betreuen. Die Idee ist, dass die beiden Personen – es wird immer als Duo gearbeitet – sich selber organisieren und regelmässig treffen, mindestens zweimal im Monat.

Die ehrenamtlich agierenden Mentoren sollen bei der Stellensuche helfen, motivieren und Ansprechpartner bei Fragen sein. Über Fortschritte oder Bewerbungsgespräche informiert der oder die Stellensuchende stets seinen Betreuer beim RAV. Der VAM unterstützt die Beteiligten, indem Ziele festgelegt und Standortbestimmungsgespräche geführt werden.

Lanciert habe man das Projekt, wie der Verein schreibt, da Berater des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) festgestellt hätten, «dass bei den Bewerbungsdossiers der Stellensuchenden über 50 Jahre Verbesserungspotenzial besteht». Und da es im Kanton Zug «überdurchschnittlich viele» solche Stellensuchende gebe, wolle man hier mit dem Mentoring-Programm Unterstützung bieten. Die über 50-Jährigen machen rund einen Drittel aller Stellensuchenden im Kanton Zug aus.

Das Projekt laufe seit Anfang Jahr, sagt Gianni Bomio, Präsident des VAM und Generalsekretär der Zuger Volkswirtschaftsdirektion. Darum habe man auch schon seit Januar Ausschreibungen im Amtsblatt publiziert, das sei von Anfang an so geplant gewesen, so Bomio.

Neun «Tandems» sind schon unterwegs

Denn geeignete Mentoren zu finden sei kein Problem: «Bisher haben sich 20 Leute gemeldet und uns mitgeteilt, sie seien interessiert, eine Mentorenrolle anzunehmen. 12 Personen sind bereits fest engagiert», sagt Gianni Bomio. Das sei eine beträchtliche Zahl, wenn man bedenke, dass der Verein «kaum Werbung gemacht» habe. Man habe bewusst nur im Amtsblatt und auf der eigenen Website nach Mentoren gesucht. «Und das hat funktioniert», so Bomio. So gebe es heute bereits neun «Tandems» oder «Duos», die zusammen nach Stellen Ausschau halten.

Ein solcher Einsatz dauert maximal drei Monate, denn der VAM wolle nicht, dass sich eine solche Betreuung lange hinziehe, «das Mentoring soll der suchenden Person vielmehr einen Kick geben», so Bomio. Bei einer Person habe der «Kick» bereits zum Erfolg geführt: Sie hat eine neue Stelle gefunden.

Aufwand von vier bis sechs Stunden pro Monat

Von Seiten der Personen, die sich als Mentoren melden, komme oft die Frage nach dem Aufwand, den die Aufgabe mit sich bringe. Das sei verständlich, da diese ja ehrenamtlich wahrgenommen werde, sagt Gianni Bomio. Gemäss Stellenprofil sollte ein Mentor bereit sein, monatlich vier bis sechs Stunden zu investieren. Dafür biete das Programm den Mentoren eine Möglichkeit, dazuzulernen, etwa, indem sie ihre Coachingfähigkeiten erweitern können, so Bomio.

Wertvoll sei für die Suchenden auf der anderen Seite neben den Tipps und dem Feedback natürlich das Netzwerk, welches die Mentoren mitbringen, erklärt der VAM-Präsident. Denn eine Anforderung an sie lautet, dass sie mehrere Jahre Berufserfahrung aufweisen und seit mindestens zwei Jahren mit den Arbeitgebern im Kanton Zug und der Umgebung gut vernetzt sind. Von den älteren Stellensuchenden wird im Gegenzug erwartet, dass sie bereit sind, sich stark zu engagieren und intensiv zu bewerben.

Hinweis

Wer sich als Mentorin/Mentor melden möchte, kann dies unter www.vam-zg.ch tun.

 


Anzeige: