Mit Batterien zügig den Berg hinauf

ZUG ⋅ Seit letzter Woche testen die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) einen Bus, der nur mit elektrischer Energie angetrieben wird. Das Gefährt aus Polen fährt sehr leise und beschleunigt schnell. In einer Hinsicht ist der Bus noch gewöhnungsbedürftig.
14. Februar 2018, 05:00

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Gestern um kurz nach zwölf Uhr an der Bushaltestelle Postplatz. Eine Frau ist in den Bus in Richtung Zug Obersack eingestiegen. Sie hält ihre Mehrfahrtenkarte in der Hand, findet aber keinen Entwerter. Ein ZVB-Experte, der mitfährt, klärt sie auf: «Dieser Bus ist nur zu Testzwecken auf dieser Linie unterwegs. Deshalb fehlt ihm ein Entwerter. Sie können also gratis fahren.»

Ob dem unverhofften Geschenk etwas erstaunt, setzt sich die Frau in einen der gelben Sessel. Gelbe Sessel, bei der ZVB? Dass die Frau und die weiteren Fahrgäste eine Art Premierenfahrt miterleben, sind sie sich wohl kaum bewusst.

Erste Testphase bis zur kommenden Woche

Noch bis Anfang der kommenden Woche setzt die ZVB den Solaris Urbino 12 unter anderem auf der Linie 13 vom Zuger Bahnhof bis zur Haltestelle Zug Obersack ein. In der vergangenen Woche ist das Gefährt aus Polen von ZVB-Experten auf Herz und Nieren geprüft worden. Die Idee hinter dem Versuch, den die ZVB zusammen mit den Luzerner Verkehrsbetrieben unternehmen: Beide Transportunternehmungen wollen auf ihrem Liniennetz und im Fahrplanbetrieb testen, «ob ein künftiger Einsatz von Batteriebussen anzustreben ist».

Der Urbino 12 bietet 34 Sitz- und 41 Stehplätze an. Ebenfalls mitfahren kann eine Person im Rollstuhl. Wie heute gefordert, verfügt der Urbino über Niederflureinstiege.

Der Urbino 12 fährt sehr leise, und verfügt über einen starken Anzug wie sich Pendler von den Flirt-Triebzügen gewohnt sind, die auf dem Zuger Stadtbahnnetz verkehren. Das Lenken dieses neuen Busses sei «gewöhnungsbedürftig», sagt der Chauffeur, der für diese Tour eingeteilt ist. Wenn die Fahrt kurz nach 12 Uhr seine erste auf diesem Fahrzeug ist, hat er seine Meisterprüfung wohl schon hinter sich. Eine einzige Herausforderung im Gegensatz zu Dieselbussen sei die Talfahrt. Da verbraucht der Bus praktisch keine Energie, vielmehr gibt solche an die Batterie ab. Diese Rückgewinnung von Energie bezeichnet die Wissenschaft als Rekuperation. Der Ausdruck wird vom lateinischen Verb «recuperare» hergeleitet. Übersetzt heisst dies «wiedererlangen» oder «zurückgewinnen». Gleiches geschieht auch bei der Eisenbahn, wo ebenfalls bei der Talfahrt Energie an den Fahrdraht abgegeben wird.

Wie hoch dieser Wert beim Urbino 12 liegt, kann der im Bus mitfahrende ZVB-Experte aber nicht sagen. Er erzählt aber davon, dass die vollgeladene Batterie nach einer Betriebsdauer von rund sechs Stunden – mit zwei Berg- respektive Talfahrten pro Stunde noch rund ein Viertel voll gewesen sei. Auf dem Gelände der ZVB gibt es bereits eine Ladestation, an welcher der Test-Urbino-12 der ZVB wieder «vollgetankt» werden kann. Der Bus ist alles andere als ein Leichtgewicht. Er wiegt rund 18 Tonnen, alleine die Batterien bringen rund drei Tonnen auf die Waage.

An einer Pressekonferenz am 1. Februar in Luzern, wo der Urbino 12 vorher gestestet worden ist, hat der ZVB-Unternehmensleiter Cyrill Weber gesagt: «Wir sind überzeugt, dass die Elektromobilität die Antriebstechnologie der Zukunft ist.» Zusammen mit den Wasserwerken Zug hat die ZVB im vergangenen Jahr den Verein Elektromobilität gegründet. Laut Weber ist dieser Verein «eine Austauschplattform Gleichgesinnter zum Thema Elektromobilität im Raum Zug» und wolle «die Zuger Bevölkerung über die Chancen und Möglichkeiten der Elektromobilität aufklären». Weber fügte dann noch an: «Wir wollen nichts weniger, als einen Zuger Elektro-Spirit zünden.» Der Bus mache zudem «Elektromobilität für die Bevölkerung erlebbar».

Eine weitere Testreihe ist bereis vorgesehen

Nach dem Gastspiel in Zug wird der Bus wieder nach Luzern überführt. Wie aus ZVB-Kreisen zu erfahren ist, soll im Sommer nochmals eine Testreihe vorgenommen werden. Der Urbino 12 wird von der Firma Solaris in Bolechowo bei Poznan (Posen) hergestellt. Die polnische Firma produziert seit 1996 Busse. Der Urbino 12 ist in Deutschland schon in Braunschweig, Düsseldorf, Dresden, Berlin, Oberhausen, Hannover, Hamburg und Berlin unterwegs. Sie fahren auch in Warschau.

Ob die Busse bald auch regelmässig in Zug verkehren werden, ist noch nicht entschieden.


Anzeige: