Kinder erkunden die Zuger Altstadt

ZUG ⋅ Die Altstadt erkunden, die Spuren von «Macht und Pracht» lesen lernen und zeichnend wiedergeben – eine Handvoll Kinder wagten dies trotz stärker werdenden Regens.
10. September 2017, 22:58

Dorotea Bitterli

redaktion@zugerzeitung.ch

Am Wochenende feierte die Kolinstadt die Europäischen Tage des Denkmals unter dem Motto «Macht und Pracht» mit einem vielfältigen Programm. Welches sind die Zeichen von Reichtum und Herrschaft an alten Häusern, wer waren die Mächtigen rund um die Burg, wie sieht es im Innern des Zuger Regierungsgebäudes aus, was erzählt zeitgenössische Skulptur über aktuelle Machtverhältnisse – solchen Fragen etwa gingen diverse Führungen nach, welche vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie für Erwachsene organisiert wurden. So ähnlich lauteten aber auch die Themen der Mitmachaktion «Stadtsafari», welche das Amt am Samstag in Zusammenarbeit mit der «Bildschule ­K-Werk Zug» speziell für Kinder konzipiert hatte.

Die beiden Architektinnen Yvonne Urscheler und Barbara Windholz engagieren sich für bildnerisch-gestalterische Förderung von Jugendlichen zwischen 6 und 16 Jahren. «Es geht darum, Kinder früh zu sensibilisieren für das, was sie räumlich umgibt», erklärte Windholz, Leiterin des K-Werks, beim samstäglichen Stelldichein am Zytturm. «Wisst ihr, was ein Denkmal ist?», fragte Yvonne Urscheler die zirka zehn Kinder zwischen 5 und 12 Jahren, welche sich eingefunden hatten. Die Köpfe in den Nacken gelegt, zählten sie am Zytturm drei Uhren, beschrieben die schiessscharten-förmigen Fenster und begannen, auf die Postkarten zu zeichnen, die sie bei der Begrüssung erhalten hatten. Über viele Treppen ging es dann hinauf unter das Dach des Zytturms, wobei en passant die dicken Mauern, die Uhrwerke und das alte Feuerhorn bestaunt und zwei enge Verliesse ausprobiert wurden.

Imposanter Blick über die Stadt

Oben setzte ein imposanter Rundumblick auf See und Dachlandschaften erneut die Stifte in Bewegung. «Schau dort das Fähnlein, dort wohne ich», rief aufgeregt ein kleines Mädchen. Yvonne Urscheler breitete auf dem Tisch eine alte Karte aus und erklärte, wie die Stadt früher aussah, von einer Mauer umgeben war, sich dann vergrösserte und veränderte. Während des anschliessenden Ganges durch Ober- und Unteraltstadt machte sie die Kinder auf weitere Eigentümlichkeiten vergangener Bautätigkeiten und Lebensweisen aufmerksam: die in 3-D-Manier aufgemalten «Pseudosteine» am Rathauskeller; das «Schiissi-Gässli», in das früher Fäkalien und Abfall direkt aus den Häusern geworfen wurden; die vielen Brunnen, welche einst Wasserspender und sozialer Treffpunkt waren; die reich verzierten Vorderfassaden im Gegensatz zu den schmucklosen seeseitigen Hauswänden, vor denen Gärten und Bootsstege lagen; das «Wöschhüsli» vor den Stadtmauern. Mit fortschreitender Zeit senkte der Regen die Aufmerksamkeit der Kinder für Details. «Wichtig ist mir, dass sie ein Gefühl für die Stimmung der Altstadt mitnehmen», erklärte Urscheler beim raschen Gang hinauf zur Shedhalle. Dort konnten die Kinder schliesslich an verschiedenen Stationen der Wanderausstellung «Bauplatz Kreativität» ihrem Spiel- und Entdeckungsdrang freien Lauf lassen.

Hinweis

Weitere Infos zum Thema:

www.kwerk-zug.ch


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