Mitgebrachtes Essen verärgert Pächter von Badi-Bistros

ZUG ⋅ Badegäste konsumieren im Bereich von Restaurants ihr eigenes Picknick. Die Pächter nerven sich an der Situation. Auch Fotografieren ist ein Problem.
16. Juli 2017, 09:55

Statt etwas zum Essen zu bestellen, bringen Badegäste ihre Speisen selbst mit und setzen sich damit ins Restaurant. Das verärgert Manuela Vogt, Pächterin vom Strandbad in Hünenberg: «Kürzlich hat jemand bei mir eine Geburtstagsfeier organisiert – und uns sogar noch den Kuchen zum Kühlen gegeben. Da war ich nicht sehr erfreut.» Die Gäste hätten für das gesamte Fest nur Besteck und Gläser von Vogt bezogen. «Ihnen ist nicht bewusst, dass wir einen Pachtzins bezahlen. Wir sind komplett selbstständig erwerbend. Gläser, Geschirr und Besteck sind mein Eigentum», so Vogt. Sie müsse auch das gesamte Restaurantpersonal selbst bezahlen. Nach ihrer Intervention haben ihr die Gäste dann zwar doch noch etwas zugesteckt. «Viele Gäste sind aber der Meinung, dass ich eine Angestellte der Gemeinde bin.» Gemäss Vogt kommt es in diesem Jahr wieder häufiger vor, dass Gäste sich selbst versorgen.

Ähnlich geht es den Pächtern der Hirsi-Seelounge in Cham: «Manche Gäste besetzen unsere Tische und Stühle – bringen aber ihr eigenes Essen mit», so Erol Karadag und Roger Wyss. Die Pächter machen ihre Gäste regelmässig darauf aufmerksam, dass es nicht gestattet ist, Mitgebrachtes zu konsumieren. «Es gibt auch Gäste, die mit ihrem Badetuch einen Tisch reservieren, obwohl sie nichts kaufen», so die Pächter. «Das ist den konsumierenden Gästen gegenüber nicht fair.»

Vierertische werden zum Lesen besetzt

Gäste, die etwas bei ihnen im Restaurant bestellt haben, würden teilweise keinen Sitzplatz mehr finden und müssten auf dem Rasen sitzen. «Viele Badegäste argumentieren, die Hirsi sei ein öffentlicher Platz, und weil sie Steuern zahlen, dürfen sie diesen benutzen.» Manchmal würden gar über den Mittag Vierertische besetzt, damit Badegäste dort gemütlich lesen können. «Man sollte respektvoll handeln und zahlende Gäste nicht behindern. Es sind schliesslich genügend schöne Plätze auf der Wiese und am Ufer ausserhalb der Restauration vorhanden», erklären die Pächter. «Zwar verhalten sich die meisten unserer Gäste korrekt und konsumieren ihre mitgebrachten Sandwiches auf der Liegewiese vor der Seelounge.» Es sei dennoch ein Ärgernis: «Es ist für uns mühsam, aber wichtig, unsere Gäste darauf hinzuweisen, dass wir unser Einkommen ausschliesslich über die Gästekonsumation generieren.»

Für Barbara Schneider, Präsidentin von Gastrozug, ist dies ein absolutes No-Go: «Das Mitbringen von eigenen Speisen gehört sich gar nicht. Man darf sicherlich sein eigenes Essen mit in die Badi bringen. Aber diese sind dann auf der Badi-Wiese zu konsumieren.» Auch ein Badi-Restaurant sei im Grunde ein privat geführtes Unternehmen. Um dies zu unterbinden, könnte der Betreiber des Restaurants Hinweisschilder aufstellen. Ansonsten helfe nur das freundliche verbale Hinweisen.

«Bestrafen kann der Restaurantbetreiber die Gäste jedoch nicht. Es gibt keine gesetzlichen Grundlagen dafür», so Schneider weiter. «Jeder Wirt bietet seine Dienstleistungen nach seinem Gutdünken an. Er bestimmt, was geht und was nicht.» Der Wirt sei auch alleine für den wirtschaftlichen Erfolg verantwortlich. Somit müssen Gäste, sofern es der Wirt verlangt, das Restaurant verlassen. «Der Gast muss dies akzeptieren.»

Badegäste als Touristenattraktion

Auch im Zuger Seebistro Seeliken ist das Mitbringen von Essen ein Problem. Mehr Schwierigkeiten bereiten laut Pächter Guido Gilardoni jedoch Touristen. «Wir bekommen täglich zwei bis drei Car-Ladungen mit Touristen aus Asien. Konsumiert hat bis heute nur ein einziger Kunde», sagt Gilardoni verärgert. «Es ist den Asiaten in der Schweiz scheinbar zu teuer zum Einkaufen.» Die meisten haben ihr Essen und ihre Getränke dabei: «Werden sie von uns höflich auf ihr Fehlverhalten hingewiesen, verlassen sie sofort das Restaurant.»

Ein grösseres Problem sei aber das Fotografieren. «Pro Car kommen bis zu 50 Touristen und fotografieren die Badi, die schöne Aussicht und die Gäste. Die Badeaufsicht und das Bistropersonal halten die Touristen dabei auf. Es ist aber schwierig, mit ihnen zu kommunizieren, da sie kein Englisch sprechen können. Wir versuchen, es mit Handzeichen zu erklären.» Die ganze Situation sei in dieser Grössenordnung neu. 2016 sind pro Woche etwa drei Cars gekommen. Unterdessen sind es an Spitzentagen drei Cars täglich. «Die Gäste, oft einheimische Zuger, fühlen sich wie eine Touristenattraktion, die fotografiert wird.»

Stefanie Nopper

stefanie.nopper@luzernerzeitung.ch


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