Modernes in geschichtsträchtigem Umfeld

WALCHWIL ⋅ Die einheimische Künstlerin Heidi Müller (62) zeigt während der nächsten Tage Bilder und so manches mehr. Der Ausstellungsort ist ein besonderes Gebäude im Dorf.
07. Dezember 2017, 07:24

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Festlegen will sich Heidi Müller nicht – und auf gar keinen Fall festlegen lassen. Als Künstlerin gipst, malt und druckt sie unter anderem und ist offen für weitere Ausdrucksmöglichkeiten. Während der nächsten drei Tage sind einige ihrer Bilder und Figuren in einer Ausstellung an einem geschichtsträchtigen Ort zu sehen: dem denkmalgeschützten Bauernhaus in der Walchwiler Chilchmatt. Das über 300 Jahre alte Gebäude ist gewissermassen Teil der Schau, da es mit seinen schiefen Böden und Decken manches Arrangement von Heidi Müllers Stücken vorgegeben hat.

Zwischen der losen Idee für die Ausstellung und deren Planung hätten wenige Tage gelegen, sagt Müller. Die 62-Jährige ist aufgeregt, obwohl es bereits ihre 25. Ausstellung ist. Zwei Themen stehen diesmal im Vordergrund: «Wiber», Darstellungen von kräftigen, selbstbewussten Frauen. Die Bilder sind konkret oder abstrakt, Letztgenannte gemahnen an Kinderzeichnungen und stehen für die frühe Faszination Müllers für das Zeichnen.

Diese stellte sie als Erwachsene zunächst zurück zu Gunsten der Erziehung ihrer drei Kinder und der Mithilfe im Holzbaubetrieb ihres Manns. Sie hilft heute noch in der Firma, räumt der Kunst aber Raum ein, sobald sie von einer Idee begeistert ist. Ihre einzelnen Bilder tragen keine Namen. «Damit will ich den Betrachtern die Möglichkeit geben, sich ihre eigenen Gedanken zu machen», führt die Walchwilerin aus.

Mahnendes im Keller

Das gilt nur bedingt für die In­stallation, die zur Ausstellung gehört. Aus dem Keller des historischen Hauses erklingt die Stimme von Heidi Müller aus einem Lautsprecher. Vorbei an einem Adventskranz aus Plastikmüll folgt man der Stimme in einen dunklen Raum, in dem ein Ventilator Plastiktüten an Ästen tanzen lässt. Es ist schnell klar, dass hiermit ein aktuelles Thema behandelt wird: der gedankenlose Umgang mit Plastikabfällen und das damit einhergehende Ausblenden der schweren Umweltbeeinträchtigungen. Müller hat zahlreiche Einwegsäckchen eingegipst und daraus sogenannte «Hemdchentüten» hergestellt. Das ist zugleich der Titel der Installation.

Diese bildet in ihrer Darstellungsform einen Kontrast zu den Ausstellungsstücken im ersten Stock. Heidi Müller will und lässt sich eben nicht festlegen.

Hinweis Die Ausstellung ist vom 8. bis und mit 10. Dezember von 10 bis 19 Uhr im Bauernhaus Chilchmatt an der Forchwaldstrasse 4a zu sehen.


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