Mozart zum Muttertag

CHAM ⋅ Die mehrfach ausgezeichnete Musikerin Alexandra Dariescu hat gestern im Lorzensaal durch tadelloses Spiel und mit eindrücklicher Präsenz überzeugt.
15. Mai 2017, 04:38

Ein hochkarätiger Muttertagsbesuch, so könnte man das Konzert am gestrigen frühen Abend zusammenfassen. Hochkarätig, da die rumänische Pianistin Alexandra Dariescu das Publikum im ausverkauften Lorzensaal Cham mit beeindruckender Klavierliteratur verzauberte. Auftakt bildete Igor Strawinskys Concerto in D (Basler Konzert). Das Konzert wurde 1946 in Hollywood komponiert, Strawinskys erste Komposition als frischgebackener Amerikaner. Strawinsky ist nicht jedermanns Sache, die Zuger Sinfonietta verstand es aber, auch eher kritische Zuhörer durch hochpräzises Spiel zu begeistern.

Die Hollywoodkomposition wurde gestern also quasi zum Intro für den wahren Star des Abends: In einem gold-schwarzen Kleid hat nach gut 20 Minuten Alexandra Dariescu die Bühne betreten. Und bereits nach den ersten Takten wurde klar: Trotz der güldenen Robe galt hier mehr Sein als Schein.

Seit Dariescu vom «BBC Music Magazine» als «Rising Star» nominiert wurde, gehört sie nicht nur in Grossbritannien zu den angesehensten Nachwuchspianistinnen. Sie spielte sowohl in der Royal Festival Hall in London als auch in der Carnegie Hall in New York. In der Schweiz war sie bereits am Verbier Festival zu hören – einem Ort, wo Jungstars auftreten, bevor sie ihre Weltkarriere starten. Schaut man die Webseite der Künstlerin an, jagt sie von einem Termin zum anderen, und auch diverse Tonträger sind bereits von ihr veröffentlicht worden. Bei so vielen Vorschusslorbeeren sind die Erwartungen entsprechend hoch. Diese erfüllte die Pianistin problemlos, mehr noch: Dariescu sprach die Zuhörer am Samstag nicht nur auf auditiver, sondern auch auf visueller Ebene an. Denn ihr Spiel, technisch stark, energisch und gleichzeitig grazil, reicherte sie mit geschickt platzierten mimischen Einsätzen an. Mitunter konnte man sogar nachvollziehen, was sie gerade dachte, ein Blick auf ihr Gesicht reichte dazu aus.

Volle Leistung unter Einsatz der Mimik

Mozart vollendete sein Klavierkonzert in seinem letzten Lebensjahr 1791; die Reife dieser Komposition ist hörbar – und Alexandra Dariescu konnte dieses Gefühl perfekt rezipieren. Genau bei diesem Punkt fiel auch einmal mehr das Können der Zuger Sinfonietta unter der Leitung von Chefdirigent Daniel Huppert auf; das Ensemble verstand es nämlich hervorragend, auf die Darbietung von Dariescu einzugehen. Die Leistung als Ganzes wurde vom begeisterten Publikum entsprechend gewürdigt, die Künstlerin musste mehrmals auf die Bühne zurückkommen.

Nach der Pause trat Béla Bartók mit seinem Divertimento auf. Als bedeutender Vertreter der Moderne wurde mit dieser Auswahl ein schöner Kontrast zum gefälligen Mozart gesetzt. Des Komponisten unprätentiöser Stil wurde musikalisch hervorragend umgesetzt. Ganz zum Schluss gab es dann nochmals Mozart zu hören. Seine Sinfonie Nr. 33 in B-Dur bildete einen gelungenen Konzertabschluss. Das Publikum bedankte sich mit entsprechendem Applaus.

Haymo Empl

redaktion@zugerzeitung.ch


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