Zwei mutige Stadtzuger ausgezeichnet

ZUG ⋅ Dreister Diebstahl und zwei geistesgegenwärtige Helfer. Für ihren Mut vergangenen März erhielten Sonja Meerstetter-Vetterli und der EHC-Biel-Spieler Marco Maurer am Mittwoch den Zuger Preis für Zivilcourage.
15. Juni 2017, 19:48

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch

Am 23. März bittet ein junger Mann im Metalli eine ältere Dame um etwas Kleingeld. Die Dame hilft gerne und zieht ihr Portemonnaie aus der Tasche. Doch während sie für den vermeintlichen Bettler Münz zusammensucht, greift ihr dieser in ihren Geldbeutel und bedient sich kurzer Hand selber. Zweihundert Franken entwendet er, worauf die Dame anfängt zu schreien.

Womöglich wäre er damit davongekommen. Doch eine junge Frau wird auf den dreisten Diebstahl aufmerksam. Sonja Meerstetter-Vetterli ist Kindergärtnerin von Beruf und überlegte gar nicht erst, bevor sie handelte. «Ich hatte auch keine Angst, ich reagierte einfach», berichtet sie drei Monate später an der Preisverleihung in Steinhausen. Instinktiv schreitet sie ein und fordert den Man lautstark auf, das Geld zurückzugeben. Doch der Täter türmt. Meerstetter-Vetterli um Hilfe rufend hinterher.

Kein gefährliches Heldentum

«Genau darum geht es uns», erklärt am Mittwoch der Polizeikommandant Karl Walker. Und damit will er nicht etwa ein gefährliches Heldentum fördern. «Es ist wichtig, dass man nicht einfach die Augen verschliesst, sondern hinschaut.» Hinschauen, zusammenstehen und die Polizei informieren. Oft gelingt es der Polizei dank dem mutigen Engagement von Leuten wie Meerstetter-Vetterli, Verbrechen vor Gericht zu bringen.

Doch Meerstetter-Vetterli ist nicht schnell genug für den Dieb. Ihm gelingt es, sie abzuhängen. Als sie rufend an Marco Maurer vorbeirennt, reagiert auch er instinktiv. «Ich bin einfach meinem Bauchgefühl gefolgt und losgelaufen.» Dem jungen Profisportler gelingt es, den Dieb einzuholen und gegen ein Fahrzeug gedrückt in den Schwitzkasten zu nehmen. Dort hält er ihn fest, bis die Polizei eintrifft. «Zum Glück für uns beide wehrte er sich nicht, und ich war heilfroh, als die Polizei ankam. In diesem Moment hatte ich viel mehr Adrenalin im Blut, als wenn es auf dem Eis zu einer Rangelei kommt.»

Für ihre spontane und beherzte Hilfe wurden die beiden am Mittwoch mit dem Zuger Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. 2010 wurde der mit über 1000 Franken dotierte Preis im Rahmen des erfolgreichen Projekts «Gemeinsam gegen Gewalt» zum ersten Mal verliehen. Seither zeichnet der Kanton gemeinsam mit jeweils einer Gemeinde jedes Jahr eine Tat aus, die von grosser Zivilcourage zeugt.

Sicherheit ist auch Sache der Gesellschaft

Dass man für seine Mitmenschen einsteht, ist für Walker unabdingbar. «Wenn unsere Gesellschaft schon so sehr anonymisiert ist, dass man sich nicht mehr um das Schicksal seiner Mitmenschen schert, dann haben wir sehr viel verloren.» Für den Sicherheitsdirektor von Zug, Beat Villiger, ist klar: «Zivilcourage ist eine Bürgerpflicht. Aus moralischer Sicht muss man den Menschen in seinem Umfeld einfach helfen, wenn man kann.» Denn Sicherheit ist nicht nur Sache des Staats, sondern auch der Gesellschaft, so Villiger. Die 1000 Franken mussten sich die beiden dieses Jahr teilen. Meerstetter-Vetterli will mit ihrem Anteil eine Schule in Nepal unterstützen. Und sie wie auch Maurer würden beide wieder so handeln. «Das macht man einfach. Das gehört sich so.»


Leserkommentare

Anzeige: