Neue Krippen brauchen Geduld und Geld

ZUG ⋅ Weil die Stadt voraussichtlich in einem Jahr Betreuungsgutscheine einführen wird, werden seit vergangenem Sommer keine neuen subventionierten Plätze mehr bewilligt – auch wenn es in einem Gebiet nur wenig Plätze gibt.
05. Februar 2018, 05:00

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird die Stadt Zug ab dem kommenden Jahr Betreuungsgutscheine für Kinderkrippen einführen. Neue Krippen oder solche, die bislang keine subventionierten Plätze hatten, müssen sich aber noch etwas gedulden – auch wenn sie in der Zwischenzeit die Anforderungen erfüllen würden.

Denn bereits im vergangenen August hatte die Stadt bekannt gegeben, dass sie «aufgrund eines allfälligen Systemwechsels» entschieden habe, «keine weiteren Leistungsvereinbarungen mit neuen Partnern im Kita-Bereich einzugehen».

Dies wurde damals in einem Schreiben dem Geschäftsführer der Kita Zauber-Rank, Urs Brugger, mitgeteilt. «Eineinhalb Jahre ohne Subventionen bedeuten für uns einen grossen Verlust», so Brugger. «Im aktuellen Konkurrenzumfeld ist eine Krippe so nicht überlebensfähig.» Seine Krippe könne dies nur, weil sie durch seine anderen Krippen quersubventioniert würden.

Kein Verschieben von Leistungsvereinbarungen

Die zuständige Stadträtin, Vroni Straub-Müller, bestätigt, dass es vor dem Systemwechsel keine neuen subventionierten Plätze mehr geben wird. Aber auch sonst wäre es für neue Krippen wohl schwierig geworden, neue subventionierte Plätze zu erhalten. Denn wie Straub betont, würde sie bestehende Leistungsvereinbarungen zu subventionierten Krippenplätzen nicht anrühren. «Wir wollen ein verlässlicher Partner sein.»

Im bisherigen, noch gültigen System kamen neue Krippen also nur zum Handkuss, wenn entweder eine andere Krippe von sich aus subventionierte Plätze abgegeben hatte oder das Parlament mehr Geld für die Kinderbetreuung sprach.

Dies galt auch dann, wenn in einem Gebiet – wie in der Lorzen­ebene, im Einzugsgebiet der Krippe Zauber-Rank – nur ganz wenige subventionierte Plätze vorhanden sind – von den total 182 subventionierten Plätzen in der Stadt Zug befinden sich drei in besagtem Gebiet.

«Klar wäre es schön, wenn die Kinder in ihrem Umfeld die Krippe besuchen würden», so Straub. «Doch aufgrund der Arbeitssituation oder der gewünschten Philosophie einer Krippe fahren schon heute die Eltern ihre Kinder durch die halbe Stadt, um sie in eine Krippe zu bringen.»

Urs Brugger ist hier anderer Meinung. Wie er sagt, gäbe es ausreichend Eltern, die ihre Kinder in ihrer Wohnumgebung betreuen lassen wollen – zumindest im Rank, wo er inzwischen 20 Kunden habe. «Dies ist aber nur möglich, da wir unsere Krippenplätze zu Preisen anbieten, die mit den subventionierten Plätzen in anderen Krippen vergleichbar sind.»

Was wiederum nur dank der erwähnten Quersubventionierung zwischen seinen eigenen Krippen möglich sei. «Ich finde es schwierig, wenn eine Krippe aus stadtinternen administrativen Gründen keine Subventionen erhält.»

Anforderungen werden ändern

Mit den Betreuungsgutscheinen, die bis in einem Jahr eingeführt sein sollen, wird sich die Situation diesbezüglich ändern, vertröstet Straub. Neue Krippen haben derzeit also einzig die Möglichkeit noch bis Ende Jahr zu warten.

Ob dann auch tatsächlich die Betreuungsgutscheine eingeführt werden, wird sich bis im Sommer zeigen. Die Vorlage kommt ende Monat vors Stadtparlament. Aufgrund der vorgängig geführten Gespräche mit den Parteien zeigt sich sie Vorsteherin des Bildungsdepartements, Vroni Straub, aber zuversichtlich, dass die Systemänderung umgesetzt wird.

Voraussehbar ist auch, dass sich die Anforderungen an die Krippen ändern werden. Gemäss Straub wird das derzeitige Mindestbetreuungspensum von 40 Prozent wegfallen. Auch eine Aussenspielfläche ist nicht mehr vorgeschrieben.

Hingegen wird neu die Alltagssprache Deutsch sein müssen und die Krippe darf kein radikales religiöses, politisches oder gesellschaftliches Gedankengut vermitteln.


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