Neues System kostet die Stadt deutlich weniger

ZUG ⋅ In der Bossard-Arena wird die Eisaufbereitung künftig mit einem reinen Ammoniaksystem durchgeführt. Die Methode sei weit weniger anfällig für Störungen als die bisherige.
16. Juni 2017, 07:58

Es war eigentlich lediglich als Übergangslösung für eine Saison angedacht, jetzt soll es zur Dauerlösung werden. Die Rede ist vom Kühlsystem in der Bossard-Arena. Die Stadt hat nämlich entschieden, dass in der Arena das Eis auch in Zukunft mit einer reinen Ammoniakanlage aufbereitet werden soll. Damit stellt die Stadt das Kühlsystem in der Bossard-Arena um. Bisher wurde das Eis mit einer Ammoniak-CO2-Anlage aufbereitet. Weil aber vor rund einem Jahr zwei der insgesamt acht Wärmetauscher kurz nach Ablauf der Garantiefrist ausstiegen, war eine rasche Lösung gefragt. Der Zeitpunkt war denkbar ungünstig, denn ein vollständiger Ersatz der Geräte war damals vor dem Start der Eishockeysaison nicht mehr möglich. Die Stadt entschied, die Anlage auf einen reinen Ammoniakbetrieb umzustellen – vorerst für eine Saison.

Das Übergangssystem scheint sich allerdings bewährt zu haben. Denn die Stadt will dabei bleiben und dieses weiter verwenden. Für diesen Entscheid gibt es laut Finanzchef Karl Kobelt verschiedene Gründe. «Die Umstellung auf Ammoniak und die Entfernung des CO2 aus dem Kreislauf ermöglichen es uns, dass Störfälle in Zukunft und auf Dauer ausgeschlossen werden können.» Die Betriebsdrücke bei Ammoniak liegen laut Kobelt ausserdem deutlich tiefer als bei CO2 (3 Bar statt 28 Bar). Dies bedeute ein minimiertes Risiko eines Störfalls und zusätzliche Sicherheit. «Insgesamt haben wir uns für diese Variante entschieden, weil sie kostengünstiger und vor allem betriebsfreundlicher ist», erklärt Kobelt.

Auch andere Eisbahnen stellen um

Da die Stadt nun beim Ammoniaksystem bleibt, sind keine Umbauten für Notkühlungen nötig. Die gewählte Variante verursacht laut dem Finanzchef Kosten von rund 500000 Franken. «Hätten wir uns für die Variante mit der Notkühlung entschieden und für den Wechsel der Kälte- und Wärmetauscher, dann wäre alles rund 2 Millionen Franken teuerer geworden», sagt Kobelt. Das Risiko eines Ammoniakbetriebs wurde im vergangenen Jahr vom Amt für Umweltschutz als «tragbar» eingestuft. Es hatte damals seine Zustimmung zur Umstellung erteilt und hat auch die dauerhafte Anpassung des Systems genehmigt. Zwar ist bei einer reinen Ammoniakvariante eine wesentlich grössere Menge an Ammoniak im System. «Die Leitungen ausserhalb des Maschinenraums sind allerdings alle einbetoniert. Dadurch ist die Chance, dass Ammoniak im Publikumsbereich austritt, auf ein Minimum reduziert worden», erklärt Kobelt. Aus Sicherheitsgründen seien die Ammoniaktanks im Maschinenraum ausserdem mit Schnellschlussventilen ausgestattet worden. So soll verhindert werden, dass eine grössere Menge Ammoniak austreten und Menschen gefährden kann. Mit der Umstellung fällt die Bossard-Arena nun neu unter die Störfallverordnung. Aus diesem Grund wurde ein Notfallszenario ausgearbeitet. Für die Besucher des Stadions hat die Umstellung laut Kobelt keine Konsequenzen.

Dass die Stadt nicht von Anfang an auf ein reines Ammoniaksystem gesetzt hat, hängt mit der Entwicklung der Kühlsysteme zusammen. «Als die Bossard-Arena geplant wurde – sie wurde 2010 eröffnet –, war CO2 das Kühlmittel der Zukunft», sagt Kobelt. Damals seien praktisch keine Ammoniakanlagen mehr eingebaut worden. «Zwischenzeitlich hat sich dies aufgrund der hohen Störanfälligkeit und Kostenfolge wieder geändert», so Kobelt. Und die Stadt Zug ist nicht die einzige, die das System nun umstellt. Im entstehenden Chamer Sportzentrum OYM soll ebenfalls Ammoniak eingesetzt werden. Laut Kobelt ist zudem vorgesehen, in der Kunsteisbahn Dolder in Zürich eine auf Ammoniak basierende Anlage zu erstellen.

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch


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