Stadt will Land in der Lorzenebene tauschen

STADT ZUG ⋅ Der Stadtrat will von den Wasserwerken im Göbli ein Grundstück für den Neubau des Ökihofs erwerben. Dafür bietet er Landwirtschaftsland und 7,8 Millionen Franken.
Aktualisiert: 
15.05.2017, 20:00
15. Mai 2017, 13:47

Land gegen Land plus Geld: So sieht grob zusammengefasst das Tauschgeschäft aus, das die Stadt Zug mit den Wasserwerken Zug (WWZ) eingehen will. Das teilte der Stadtrat am Montag mit.

Auslöser für den Handel ist, dass der Stadtzuger Ökihof umziehen muss. Da, wo er heute betrieben wird – auf dem Grundstück der SBB beim Güterbahnhof – kann er nur noch bis Ende 2019 bleiben, weil die SBB einen Teil des Areals überbauen wollen. Die Entsorgungsstelle soll darum danach im Göbli im Norden der Stadt betrieben werden zusammen mit dem Brockenhaus der Frauenzentrale und den Dienstleistungen der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug (GGZ) wie dem Bauteilladen.

Die Stadt besitzt im Göbli bereits heute ein Grundstück von rund 20 000 Quadratmetern. Dieses hat sie vor drei Jahren von der Korporation Zug erworben – ebenfalls in einem Tauschgeschäft. Die Fläche entspricht knapp drei Fussballfeldern, ist allerdings für den Betrieb des Ökihofs zusammen mit den anderen Nutzungen zu knapp. 

Deshalb will der Stadtrat das knapp 19'000 Quadratmeter grosse Nachbarsgrundstück der WWZ erwerben. Es befindet sich in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Im Gegenzug bietet die Stadt der WWZ ein Grundstück identischer Grösse an, das an der Grenze zu Baar im Gebiet Fröschenmatt/Schochenmühle in der Landwirtschaftszone liegt. «Da sich die beiden Grundstücke nicht in derselben Zone befinden, gibt es eine Wertdifferenz, und die Stadt muss den WWZ finanziell etwas abgelten», erklärt der städtische Finanzchef Karl Kobelt. 7,8 Millionen Franken würde die Stadt den WWZ noch bezahlen. 

Parlament berät am 27. Juni

«Das ist ein guter Deal. Die Verhandlungen konnten zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden», sagt Kobelt. Für die WWZ sei zentral gewesen, dass sie wieder Land erhielten, weil sie dieses als strategische Reserve sähen. Die WWZ würden auf dem Grundstück im Göbli, das sie an die Stadt abträten, einen Filterbrunnen und eine Anlage zur Wärmegewinnung ansiedeln. «Das tangiert uns aber nicht und benötigt kaum Fläche», erklärt Kobelt. Seitens der WWZ war am Montag keine Stellungnahme zum Tauschgeschäft zu bekommen. 

Ob der Handel in dieser Form durchgeführt wird, liegt in den Händen des Grossen Gemeinderats (GGR). Er hat das letzte Wort über den Tauschvertrag und wird voraussichtlich am 27. Juni darüber befinden. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Tausch mit den WWZ im Parlament verhandelt wird. Bereits vor drei Jahren wollte der Stadtrat einen Landtausch im Gebiet Göbli für ein anderes Grundstück mit den WWZ eingehen – zeitgleich wie jenen Handel mit der Korporation. Der GGR war allerdings mit den Konditionen nicht zufrieden und beerdigte das Geschäft. Die Stadt habe die Initiative zu neuen Gesprächen ergriffen. «Mit dem Resultat können wir sehr zufrieden sein.» 

Neubau kostet 15,6 Millionen Franken

Ebenfalls am 27. Juni wird der GGR über einen Kredit von 940'000 Franken für einen Wettbewerb und die Projektierung des neuen Ökihofs befinden. Sollte das Parlament sowohl zum Tauschgeschäft wie auch zum Kredit Ja sagen, kann weiter geplant werden. Dann soll in einem anonymen zweistufigen Wettbewerb ein Team für die Planung und die Ausführung des Neubaus bestimmt werden. «Wir haben dieses spezielle Verfahren gewählt, weil das Erstellen des neuen Ökihofs besondere Fachkenntnisse erfordert», sagt Zugs Bauchef André Wicki.

Die Jurierung der eingereichten Projekte soll im März 2018 erfolgen. Die Bausumme für das gesamte Neubauprojekt wird heute vom Stadtrat auf rund 15,6 Millionen Franken geschätzt. Die Frauenzentrale wie auch die GGZ werden sich laut Wicki an den Kosten beteiligen. «Die Verhandlungen darüber konnten bei diesem Projektstand noch nicht geführt werden. Wir wissen deshalb noch nicht, in welcher Form diese Beteiligung erfolgen wird», führt Wicki weiter aus. 

Das Ziel der Stadt, den neuen Ökihof 2020 im Göbli in Betrieb zu nehmen, ist sportlich. «Wir haben schon etwas Luft. Durch den ganzen politischen Weg und die Möglichkeit der Einsprachen wird uns wohl aber nicht viel Zeit bleiben», sagt Wicki. So soll nach der Jurierung des Projekts dann im zweiten Quartal 2018 das Parlament über den Baukredit für den Ökihof befinden, und für September 2018 ist eine Volksabstimmung vorgesehen. Gibt es überall Zustimmung, soll Anfang 2019 mit dem Bau des neuen Ökihofs begonnen werden.

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch


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