Oeschwiese: Jetzt wird enteignet

STADT ⋅ Nach bald acht Jahren Kampf um die Wiese neben dem Strandbad zieht der Zuger Stadtrat nun andere Saiten auf. Da er sich mit den Grundeigentümern nicht einigen konnte, sollen diese zwangsweise ihr Land abgeben.
02. Dezember 2017, 08:41

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

Sie ist wohl die letzte derart grosse Wiese am See, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Auf der Oeschwiese am Chamer Fussweg plant die Stadt Zug seit mehreren Jahren die Erweiterung des Strandbades, welches an das Grundstück anschliesst. Nun werden die Besitzer der Wiese und des vor dem Grundstück im See stehenden Boots- und Badehauses zu einem Verkauf gezwungen. Die Stadt Zug hat die Enteignung eingeleitet, wie sie mitteilt. «Wir haben während rund zwei Jahren verhandelt, leider ohne Erfolg», erklärt Stadtrat Karl Kobelt den Schritt.

Die Eigentümer der Wiese wehren sich gegen den Verkauf derselben und kämpften seit der Ortsplanungsrevision 2009 für eine Umzonung des Grundstücks in eine Wohnzone, um eine private Wohnüberbauung an bester Lage zu ermöglichen – vergeblich. Vor zwei Jahren wies das Bundesgericht die Einsprache in letzter Instanz ab. Seither liefen die Kaufverhandlungen zwischen Stadt und Grundeigentümern.

«Wir sind der Auffassung, dass die eingeschlagene Enteignung der richtige Weg ist», erklärt Kobelt. Letztlich müsse es auch im Sinne der Eigentümer sein, dass man möglichst bald eine Lösung finde, führt der Vorsteher der städtischen Finanzdirektion aus.

Auch Enteignung kann angefochten werden

Mit der eingeleiteten Enteignung kommt der Streit um das Grundstück vor die kantonale Schätzungskommission. Diese wird bei einem weiteren Treffen der beiden Parteien anwesend sein und am Ende – wenn sich die Parteien nicht finden – einen Preis für das Grundstück schätzen und festlegen. Ist eine Partei nicht einverstanden, kann der Entscheid vor Verwaltungsgericht und später vor Bundesgericht gezogen werden. Entsprechend lange könnte es bis zu einem Spatenstich also noch gehen. «Im schlimmsten Szenario dauert es nochmals rund drei Jahre, bis wir das Strandbad erweitern können», so Kobelt. «Wenn wir uns mit den Eigentümern aber finden, können wir 2019 mit der Umgestaltung der Wiese beginnen.»

Erweiterung der Badi und Naherholungsgebiet

Auf der rund 9500 Quadratmeter grossen Oeschwiese plant die Stadt zum einen die Erweiterung des Strandbades, welches dringend mehr Platz benötigt – die Badi würde durch die Wiese mehr als doppelt so gross werden. Zum anderen soll der Uferweg beim Hafen am Hafenrestaurant vorbei, über die Wiese hinter dem Gebäude des Yacht-Clubs und die Oeschwiese bis zum Strandbad geführt werden, wo er dann in den Chamer Fussweg münden soll. Zudem soll ein Grossteil der Wiese auch ausserhalb der Badesaison als Naherholungsgebiet genutzt werden können, wie die Stadt schreibt. Zusätzlich werde man nun die Planung für die Erweiterung des Strandbades vorantreiben.


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