Roboterbus «Olli» kommt nicht - neuer Versuch im 2018 mit «Milo»

STADT ZUG ⋅ Selbstfahrende Kleinbusse wird es in diesem Jahr auf Zuger Strassen noch nicht geben. Die SBB und ihre Partner haben das Fahrzeug ausgewechselt, da der im Frühling vorgestellte Bus den Anforderungen nicht genügt hat.
15. September 2017, 05:00

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Beim 3. Nachhaltigkeitsforum der Zug Estates hat der Geschäftsführer von Mobility Schweiz, Patrick Marti, in einem Nebensatz gesagt: «Wir suchen für das Projekt für einen selbstfahrenden Bus in Zug einen neuen Anbieter.» Konkreter ist er in dieser Veranstaltung vom vorvergangenen Donnerstag aber nicht geworden.

Jetzt haben Recherchen bei den SBB ergeben, dass der am 7. März 2017 im Beisein des SBB-Chefs Andreas Meyer vorgeführte selbstfahrende Bus mit dem Kosenamen Olli nie auf Zuger Strassen verkehren wird. «Nachdem der ursprüngliche Hersteller nicht den Anforderungen in der Umsetzung entsprechen konnte, wird der Fahrzeughersteller gewechselt», ist in einem SBB-Papier zu lesen. Die Staatsbahn hat bei dieser geplanten Pioniertat auf Schweizer Strassen den Lead. Mit im Boot sitzen Mobility, die Zuger Verkehrsbetriebe (ZVB), die Stadt Zug und der Technologie-Cluster Zug.

Das Ersatzfahrzeug ist schon bestimmt

Die Evaluation ist aber weiter gediehen, als das der Mobility-Mann Patrick Marti in der vergangenen Woche glauben machen wollte. Der führerlos fahrende Bus, der seine Energie aus einer Batterie bezieht, wird von der französischen Firma Easy Mile geliefert. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Toulouse (Frankreich). Es ist 2014 durch die Firma Ligier und einen anderen Investor gegründet worden. Ligier hat sich in den 1970er-Jahren einen Namen im Automobilrennsport gemacht und setzt seit 1980 auf den Bau von leichten Strassenfahrzeugen. Easy Mile hat den von Ligier gefertigten Kleinbus des Typs EZ 10 entwickelt und vermarktet ihn bisher erfolgreich. Er ist schon an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt eingesetzt worden. Unter anderem ist er in Darwin (Australien), Arlington (US-Bundesstaat Texas), Tallinn (Estland), San Sebastian (Spanien), Taipei (Taiwan), Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) und vor zwei Jahren in Lausanne erfolgreich unterwegs gewesen.

Von der Konfiguration her ähnelt Milo, so der Kosename des EZ 10, dem noch vor dem Testlauf ausgemusterten Gefährt Olli aus deutscher Produktion. Er bietet sechs Sitz- und ebenso viele Stehplätze. Die Höchstgeschwindigkeit des EZ 10 beträgt gemäss den Produktunterlagen 40 Stundenkilometer. Normalerweise ist das Gefährt mit 20 Stundenkilometern unterwegs. Der elektrisch betriebene Kleinbus verfügt über eine Klimaanlage und kann, ohne Energie nachgetankt zu haben, rund 14 Stunden herumfahren. Die grösste Herausforderung für das Zuger Pilotprojekt ist, dass er in Zug auch auf von anderen Verkehrsteilnehmern mitbenutzen Strassen herumfahren soll.

Erstes Fahrzeug ist bereits geliefert worden

Der Herstellerwechsel verzögert die Inbetriebnahme der ersten führerlos bedienten Strecke in Zug. Ursprünglich für Sommer 2017 geplant, soll die heisse Phase jetzt im ersten Semester des Jahres 2018 beginnen. Bis zum Startschuss mit dem EZ 10 auf Zuger Strassen wird das Gefährt durch die ZVB ausgedehnten Tests unterzogen. So wird dem elektrischen Minibus die Strecke «gezeigt», auf welcher er zuerst verkehren soll. Dieses Verfahren wird «Mapping» genannt. Bei der Präsentation im März ist eine Verbindung zwischen dem Bahnhof Zug und dem Technologie-Cluster Zug auf dem Areal der Verzinkerei geplant gewesen. Trifft der zweite Minibus in Zug im kommenden Jahr in der Zentralschweiz ein, sind dann erste Fahrten mit Passagieren geplant.

Bis es so weit ist, muss der elektrisch betriebene Minibus aber noch vom Bundesamt für Strassen (Astra) abgenommen werden. Dies soll noch vor der ersten Testfahrt geschehen. Auch die Fahrbewilligung für den EZ 10 liegt noch nicht vor.

Der Wechsel des Fahrzeuges hat aber nichts am Charakter des Projektes geändert. Deshalb gelten auch die im März geäusserten Worte von SBB-Chef Andreas Meyer im März weiterhin: «Wir wollen etwas zu Stande bringen, das es bisher noch nicht gibt.» Die SBB planen, ihren Kunden eine Tür-zu-Tür-Lösung zu bieten. Der Bahnhof der Zukunft, der auf dem Nachhaltigkeitsforum in Rotkreuz kürzlich ein Thema gewesen ist, wird also in Zug bald in einem Teilbereich vorweggenommen.

Hinweis

Mehr über den EZ 10 finden Sie auf www.easymile.com.

  • Luzerner Zeitung AG
  • Luzerner Zeitung AG
  • KEYSTONE

Ab diesem Sommer pendeln auf Zuger Strassen zwei führerlose Busse zwischen dem Bahnhof und dem Areal von V-Zug. Am Dienstag wurde der Prototyp vorgestellt.

Video: Selbstfahrender Bus ab Sommer: Das sagt Stadtpräsident Dolfi Müller

Am Dienstagvormittag wurde in der Stadt Zug der erste selbstfahrende Bus enthüllt. Stadtpräsident Dolfi Müller erklärt, warum Zug für das Vorzeigeprojekt prädestiniert ist. (Jonas von Flüe, 07.03.2017)




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