Peter Dittli: «Es geht uns um das Wohl der Kinder»

MENZINGEN ⋅ Nach jahrelangem Ringen wird an der Urne über die Zukunft der Schule Finstersee entschieden. Gemeindepräsident Peter Dittli zeigt die Argumente des Gemeinderats auf – und erklärt, wie das weitere Vorgehen aussieht.
08. Januar 2018, 11:20

Bleibt die Schule Finstersee dem Dorf auch künftig erhalten, oder muss sie ihre Türen schliessen? Über diese Frage wird am 4. März an der Urne entschieden. Gemeindepräsident Peter Dittli nimmt im Interview Stellung zur Abstimmung und erklärt, welche Sicht der Gemeinderat vertritt.

Am 4. März soll die Frage nach der Zukunft der Schule Finstersee ein für alle Mal geklärt werden. Welche Abstimmungsempfehlung gibt der Gemeinderat ab?

Der Gemeinderat empfiehlt ein Ja zur Schliessung. Der Entschluss basiert auf sorgfältigen Überlegungen. Wir stehen in der Pflicht − innerhalb des engen finanziellen Rahmens − die hohe Qualität der Schulen und Kindergärten zu erhalten und zu optimieren. Aus diesem Grund will der Gemeinderat die Schulangebote sowie die schulergänzenden Betreuungsangebote im Zentrum der Gemeinde bündeln und auf den Standort Finstersee verzichten.

Welche Argumente liegen dieser Entscheidung zu Grunde?

Es geht uns erstens um das Wohl der Kinder und zweitens um gesunde Gemeindefinanzen. Die Schülerzahlen in der Einwohnergemeinde Menzingen sind in den letzten Jahren gesunken und haben im Ortsteil Finstersee eine kritische Untergrenze erreicht. Dabei könnten die Schülerinnen und Schüler aus Finstersee bereits heute die Klassen 1 bis 4 im Ortsteil Menzingen besuchen, ohne die optimale Klassengrösse von 18 Kindern zu gefährden. Darüber hinaus ist das Schulhaus Finstersee in einem schlechten baulichen Zustand und müsste für einen Weiterbetrieb umfassend saniert werden.

Der Verein Finstersee.ch wirft die Frage auf, weshalb nun überhaupt an der Urne abgestimmt wird. Dies, weil nach dem Mitwirkungsverfahren eigentlich ein anderes Vorgehen vorgesehen war. Weshalb hat sich der Gemeinderat für diesen Weg entschieden?

Der Gemeinderat hat sich für ­einen Urnengang entschlossen, weil es sich hierbei um ein wichtiges Anliegen für die Einwohnerschaft von Finstersee und der ganzen Gemeinde Menzingen handelt. Ursprünglich schlug der Gemeinderat Machbarkeitsstudien für die drei Schulstandort-Varianten «Neubau im Dorf­zentrum», «Sonnengrund» und «Finstersee» vor. Der entsprechende Kreditantrag wurde bekanntlich an der Gemeindeversammlung vom November 2016 abgelehnt.

Wie hoch müsste denn die Schülerzahl in Finstersee sein, damit die Schule auch weiterhin betrieben werden könnte?

Für einen funktionierenden ­altersdurchmischten Unterricht bedarf es einer Mindestzahl von Schülerinnen und Schülern. ­Sowohl die Schulleitung der ­Einwohnergemeinde Menzingen wie auch der Gemeinderat betrachten eine vierstufige Primarschule mit weniger als 12 Schülerinnen und Schülern als nicht sinnvoll. Derzeit besuchen noch 13 Kinder die Schule in Finstersee. Niemand kann derzeit garantieren, dass diese Zahl auch in Zukunft erreicht wird. Ein signifikantes Bevölkerungswachstum ist nach Überzeugung des Gemeinderates nicht möglich, weil der Ortsteil kaum noch Baulandreserven besitzt. Es kann heute auch niemand garantieren, dass die Kinder allfälliger vereinzelter Zuzüger tatsächlich die öffentliche Schule besuchen würden. Vor diesem demografischen Hintergrund ist eine teure Sa­nierung des Schulgebäudes aus Sicht des Gemeinderates unverhältnismässig.

Wie sieht das weitere Vor­gehen im Falle eines Ja aus? Wann würde die Schule geschlossen?

Bei einem Ja wird der Schulbetrieb bis 2019 weitergeführt und per Schuljahr 2019/20 eingestellt. Unter Einbezug der Bevölkerung wird in dieser Zeit der weitere Verwendungszweck der Liegenschaft geprüft.

Wie geht es weiter bei einem Nein am 4. März?

Bei einer Ablehnung müsste die Schulhaussanierung geplant und ein entsprechender Kredit beantragt werden.

Bestehen bereits Schätzungen über die Höhe der Sanierungskosten?

Der Gemeinderat schätzt die Sanierungskosten auf 1,7 Millionen Franken. Dieser Kredit müsste per Gemeindeversammlungs­beschluss gutheissen werden.

Beim Thema Schule scheint in Menzingen der Wurm drin zu sein. Zwei Machbarkeitsstudien wurden abgelehnt, und in Finstersee wehrt man sich gegen die Schulschliessung. Wie erklären Sie sich diesen Widerstand?

Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass die Schule Finstersee eine bedeutende Rolle für das Dorfleben im Ortsteil spielt und für die Bevölkerung eine identitätsstiftende Funktion erfüllt. Dass dieses Schulhaus nach rund 200-jährigem Bestehen seinen Betrieb nun einstellen soll, schürt natürlich Widerstand. Diese Stimmungen nehmen wir sehr ernst und setzen uns dafür ein, dass der öffentliche Gemeinschaftsraum sowie der Spielplatz auch bei alternativer Nutzung des Areals erhalten bleiben. Im Sinne der Qualitätsförderung sowie zum Wohle der Schülerinnen und Schüler ist die Bündelung des Schulangebots in Menzingen zielführend, davon ist der Gemeinderat fest überzeugt.

Interview: Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch


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