Pfad-Bewohner kämpfen gegen Verbindungsweg zu Schützenhaus

CHAM ⋅ Im Kleinquartier hat sich Opposition gegen eine von der Gemeinde vorgesehene direkte Verbindung zwischen Städtlerwald und Schützenhaus formiert. Dabei geht es auch um Hunde.
13. November 2017, 06:50

Der Mann ist empört. Robert Stierli (72) blickt auf ein Stück Land und schüttelt den Kopf. «Unnötig – total unnötig!», entfährt es ihm. Der Stein des Anstosses ist ein geplanter Kiesweg. Dieser soll die Brücke über die Autobahn zum Städtlerwald ­direkt mit dem Strässchen zum Schützenhaus verbinden, wo Spaziergänger und Hundehalter ihre Autos gern abstellen.

Der Weg ist Teil des gemeindlichen Langsamverkehrskonzepts und entspreche einem Wunsch, hat die Gemeinde in der vergangenen Woche mitgeteilt. Schon heute gibt es Wege, allerdings keinen direkten, sondern weitläufig um die Felder herum. «Dieser Umweg von ein paar hundert Metern ist jedem Fussgänger zumutbar, andernfalls müsste er gar nicht rausgehen», sagt Stierli.

Einsprache erhoben

Er wohnt seit 40 Jahren im angrenzenden Kleinquartier Pfad und ist anscheinend kein Freund von Hunden. Diese verunreinigten immer wieder die Felder und würden das Wild, das sich im aufgeforsteten Waldstück aufhält, erschrecken. Das würde mit dem geplanten Weg zunehmen, befürchtet er. Stierli erhält bei seinem Kampf Unterstützung von der Quartierbewohnerin Elisabeth Saurbeck (76). Die beiden hätten bereits Einsprache gegen den Weg erhoben und weibeln in der Nachbarschaft für ihre Sache.

Das Land, über das der Verbindungsweg führen soll, gehört Felix Hegner. Der Bauer aus dem Weiler Oberwil sei vom Verein Lebensraum Landschaft Cham (LLC) auf die Pläne des Gemeinderats angesprochen worden. Die Aufgabe dieses Vereins ist die Umsetzung des Landschafts­entwicklungs-Konzepts der Gemeinde Cham. Er brauche den Weg nicht zur Bewirtschaftung seines Landes und erachtet ihn als «Luxusproblem». Seiner Ansicht nach sollte die Brücke über die A4 als eigentliche Wildüberführung ohnehin den Tieren vorbehalten sein. Diese nutzten den Übergang: «Ich sehe immer wieder Rehe und Füchse auf meinem Land», sagt er. Dass Hegner sich dennoch nicht gegen den Weg ausgesprochen hat, sei einerseits darin begründet, dass der LLC «versprochen hat, die Hundeproblematik zu lösen».

Andererseits hat die Wald­genossenschaft Städtli Interesse an diesem Weg. Denn diese wäre im Fall der Umsetzung als Eigentümerin des Städtlerwalds Nutzniesserin. Peter Furrer von der Genossenschaft führt aus, dass jene ihre Unterstützung zugesagt habe, sofern der Weg forstrechtlich genutzt werden kann, also beispielsweise zum Holztransport. Der für die Verbindung geopferte Teil des Walds im Umfang von 156 Quadratmetern würde an anderer Stelle aufgeforstet. Dass es im Pfad-Quartier Opposition gegen den Weg gibt, überrascht Furrer. «Der Pfad wird dadurch eher entlastet», vermutet er, «denn so können die Fussgänger und Hündeler direkt vom Schützenhaus in den Wald und zurück gehen.»

Robert Stierli dürfte das anders sehen.

 

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch


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