Polizei büsst Hanf-Raucherin

BAAR ⋅ Eine 51-Jährige ist für das Rauchen eines Joints gebüsst worden. Sie ficht die Busse an, weil sie lediglich eine legale Hanfzigarette geraucht hat.
15. September 2017, 08:48

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Karin Fischer ist am letzten Samstag beim Bahnhof Baar vor ihrem Arbeitsplatz, dem BBQ, zu Unrecht mit einer Ordnungsbusse belegt worden. Sie soll einen Joint geraucht haben, wie dem Bussenzettel mit Bedenkfrist zu entnehmen ist.

Doch sie habe keinen Joint geraucht, sondern lediglich eine legale Hanfzigarette, beteuert Fischer. «Dies habe ich auch den beiden Polizisten gesagt und ihnen zudem die Schachtel mit den legalen ‹Heimat-Zigaretten› gezeigt, die ich am Tag zuvor im Coop gekauft habe.»

Hanfzigarette lindert Krankheit

Der Grund, warum die Baarerin Hanfzigaretten raucht, liegt bei einer Krankheit. Fischer leidet nämlich unter dem Restless-Legs-Syndrom, auf Deutsch «ruhelose Beine». Nach langen Einsätzen kribbeln die Beine der Serviceangestellten. Linderung bringen ihr dann die legalen Hanfzigaretten. «Die Zigaretten wirken sehr schnell. Das Kribbeln verschwindet schon nach ein bis zwei Minuten», sagt Fischer. Sie habe sich am letzten Samstag nach der Arbeit eine Hanfzigarette angezündet und sei zu einem kleinen Marsch zum nahen Martinspark und rund um den Bahnhof gestartet, erzählt die 51-Jährige. Dabei sei sie auch bei den Randständigen vorbeigekommen, die sich beim Bahnhof befunden hätten. «Die Polizisten haben mich wohl dabei beobachtet und darum einen falschen Schluss gezogen», vermutet Fischer. «Ich bin den beiden nicht böse, sie machen ja nur ihren Job. Aber ein bisschen mehr Verständnis hätte ich schon erwartet.» Fischer schreibt denn auch in ihrer Einwendung gegen die Busse: «Ich erhebe fristgerecht Einsprache gegen die unfaire Unterstellung der Polizei, dass ich einen Joint geraucht haben soll. Ich versichere ihnen hiermit: Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen Joint geraucht.»

Warten und hoffen auf Schnelltest

Die legalen Hanfzigaretten riechen wie Joints. Ein Problem für die Polizei, «deren Einsatzkräfte über die legalen Hanfzigaretten informiert sind», wie Frank Kleiner, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, erklärt. Die Polizisten wüssten auch, dass auf den Filtern der legalen Hanfzigaretten «Heimat» ein «Heimat»-Aufdruck vorhanden sei, damit legal von illegal unterschieden werden könne. «Es ist ein Schnelltest entwickelt worden, der sich aktuell in der polizeilichen Testphase befindet», erklärt Kleiner: Die Zuger Polizei hofft, diesen neuen Schnelltest möglichst schnell einsetzen zu können. Dieser Test wäre für alle Beteiligten einfacher, schneller und auch kostengünstiger.

Und was rät die Polizei den Rauchern von legalem Hanf? «Legale Produkte dürfen auch im Kanton Zug frei verkauft wie auch gekauft werden, da sie sämtliche Auflagen erfüllen. Das Bundesamt für Gesundheit warnt aber davor, nach dem Konsum, zum Beispiel von Hanfzigaretten, Auto zu fahren oder ein anderes Verkehrsmittel zu lenken.»


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