Romantik mit barockem Auftakt

WALCHWIL ⋅ Olivier Eisenmann und Verena Steffen – die seit vielen Jahren immer wieder gemeinsam musizierenden Interpreten spielten ein spannungsvolles Programm mit Werken vom Barock bis zur gemässigten Moderne.
20. Juni 2017, 07:26

Jürg Röthlisberger

redaktion@zugerzeitung.ch

Traditionsgemäss wird immer eines der Konzerte im Rahmen der Internationalen Zuger Orgeltage vom Hauptinitianten Olivier Eisenmann und seiner Partnerin Verena Steffen selber gestaltet. Erneut wählte er dafür die Pfarrkirche Walchwil. Die Orgel steht dort auf der oberen Empore akustisch nicht optimal; dafür verfügt sie über jene Register-Disposition, welche der Interpret für seine überwiegend spätromantischen Programme so sehr zu schätzen weiss. Gut fünfzig Leute als Publikum waren nach einem heissen Sommertag an einem relativ abgelegenen Ort für ein Orgelkonzert ganz respektabel.

Schon der erste Satz der Sonate HWV367b von Georg Friedrich Händel (1685–1759) zeigte jene Qualitäten, welche durch das ganze Konzert begleiteten: der warme bis in die tiefen Lagen voluminöse Flötenton von Verena Steffen, welche ausserdem durch eine perfekte Intonationssicherheit beeindruckte; die in jeder Hinsicht sehr anpassungs­fähige Begleitung von Olivier Eisenmann. Zu Recht konzentrierte sich der Orgelklang auf Gedackt- und Rohrflötenregister. Zwei-Fuss-Stimmen oder gar Mixturen hätten den relativ Oberton-armen Klang des Flöteninstruments übertönt.

Kleine Premieren in Walchwil

Nach dem Sprung ins 19. Jahrhundert folgten durchwegs weniger bekannte Kompositionen. Der Organist erwähnte auch in den Einleitungsworten, dass verschiedenes für das Konzert in Walchwil zum ersten Mal einstudiert worden war. Friedrich Kuhlau (1786–1832) ist vor allem durch seine Klavierwerke als Komponist bekannt geblieben. Sein Adagio Opus 38 für Flöte solo liess mit Harmonien im Beethoven-Stil fast drei Oktaven des Instruments voll zur Geltung kommen und endete im Schlusston auf der Dominante, was gleich nach einer Fortsetzung rief.

Der in Liechtenstein geborene, aber zeitlebens im Raum München musikalisch aktive Josef Gabriel Rheinberger 1839–1901) liess im Präludium Opus 156 ein unterschiedlich gestaltetes Motiv durch die verschiedensten Registerkombinationen und Tonhöhen wandern. In der Bearbeitung der «Improvisation», Opus 174, lag die rhythmisch interessante Hauptmelodie fast immer bei der Flötenstimme, während sich die Orgel mit Begleitfiguren im langsamen Drei-Achtel-Takt begnügen musste.

«Nachtmusik» für die Interpreten

Eine interessante Begegnung bedeutete «Meine kleine Nachtmusik» des 1956 geborenen Helmuth Luksch – das ursprüngliche Cello-Stück vom Komponisten selbst für das Duo Steffen-Eisenmann umgearbeitet. Das in Walchwil fehlende Oboenregister wurde durch die im Schwellwerk abgedämpfte «Trompette harmonique» ersetzt. Auch auf diese Weise gelang das klangliche Gleichgewicht zur Flötenstimme mit dem Eindruck einer Triosonate. Trotz anderer Zeitepoche passte auch hier die stilistische Nachbarschaft: In «Pastell», Opus 92, orientierte sich Sigfrid Karg-Elert (1877–1933) stark an Max Reger, und im «Te Deum» von Marian Sawa (1937–2005) waren bei einmaligem Anhören in den wuchtigen Strukturen Bezüge zur Kompositionstechnik von ­Jehan Alain feststellbar.

Verschiedenste Stilrichtungen in hoher Virtuosität mischten sich bei den abschliessenden Werken von Christopher Tambling (1964–2015). Dabei drohte die von der Komposition her geforderte massive Registrierung manchmal, den Flötenklang zu übertönen. Die oft engen Übergänge in der Thematik zwischen Flöte und Orgel erschienen nicht immer transparent.

Den Schlussapplaus verdankten Verena Steffen und Olivier Eisenmann mit einem weiteren Barocksatz, welcher wieder in die Nähe des Anfangs führte.

Hinweis

Siebtes und letztes Konzert der Int. Zuger Orgeltage 2017 am Sonntag, 25. Juni, 11 Uhr in der ref. Kirche Zug. Jean-Christophe ­Geiser setzt einen Schwerpunkt auf den Schweizer Komponisten Julien-François Zbinden.


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