Alte Ankerseile bringen den Bohrer zum Stillstand

ZUG ⋅ Bei den Arbeiten zum Wärmeverbundsprojekt Circulago hat sich den WWZ ein unerwartetes Hindernis in den Weg gestellt. Jetzt muss ein zusätzlicher Schacht gebaut werden.
13. Oktober 2017, 05:00

Es ist ein grosses Projekt, das derzeit unter dem Boden der Stadt realisiert wird. Die Rede ist von der Hauptvorflutleitung Zugersee, die die Stadt Zug baut, und vom Energieverbund der Wasserwerke Zug (WWZ), Circulago. Die Arbeiten für beiden Projekte haben im Sommer begonnen und kommen gut voran, wie es seitens der beiden Bauherrschaften heisst.

Für die WWZ lief es in den vergangenen Tagen jedoch nicht ganz reibungslos, denn im Erdreich wartete eine unvorherge­sehene Überraschung. Bei der zweiten Bohrung, die die WWZ vom Aabachkreisel her bis zum Zielschacht beim Alpenquai vornehmen wollten, kam die Bohrmaschine nach 74 Metern zum Stillstand. Dem Bohrkopf kamen mehrere Ankerseile in die Quere. Diese waren beim Bau der kantonalen Gebäude im Strassenbereich zur damaligen Baugrubensicherung im Boden eingelassen worden. «Die Ankerseile bewirkten eine Verstopfung der Materialabtransportleitung im Bohrkopf», schreiben die WWZ in einer Mitteilung. Es sei trotz mehrerer Versuche nicht gelungen, die Seilreste unter­irdisch zu entfernen.

Bohrkopf muss gereinigt werden

Aus diesem Grund müssen die WWZ den Bohrkopf nun aus dem Boden holen. «In der Aabachstrasse wird derzeit unmittelbar vor dem stecken gebliebenen Bohrkopf eine rund 7 Meter tiefe Bergungsgrube gebaut. Gleichzeitig werden noch drei dort vorhandene Seilanker entfernt», erklärt Cornelia Ming, Marketingleiterin der WWZ. Anschliessend werde der Bohrkopf in die Bergungsgrube geschoben und durch diese an die Oberfläche gehoben. Der Bohrkopf müsse danach beim Hersteller gereinigt und wieder in Stand gestellt werden, sodass die Maschine durch die Bergungsgrube wieder eingesetzt werden könne, führt Ming weiter aus. Die Bauarbeiten an der Aabachstrasse dauern bis ungefähr Mitte November. Damit es bei den weiteren Bohrarbeiten keine bösen Überraschungen mehr gibt, wurden zur Kontrolle, ob noch weitere Seilanker im geplanten Trasseeverlauf vorhanden sind, diese Woche sogenannte Georadaruntersuchungen durchgeführt.

Dass im Untergrund Hindernisse warten, sei bei solchen Microtunneling-Projekten nicht ungewöhnlich und könne immer mal vorkommen, sagt Ming. «Man rechnet im Zeitplan entsprechende Reserven ein.» Da die Circulago-Tunnelbohrmaschine in der Aabachstrasse stecken geblieben sei, habe man im Startschacht beim Aabachkreisel die Vortriebseinrichtung umgestellt und bohre nun mit der etwas grösseren Tunnelbohrmaschine für die Stadtentwässerung in Richtung Industriestrasse. «Es gibt daher also keine nennenswerten Verzögerungen im Zeitplan des Gesamtprojekts», sagt Ming.

Kosten im sechsstelligen Bereich

Aus finanzieller Sicht hat die ganze Sache aber dennoch Konsequenzen. Laut Angaben der WWZ werden durch den Vorfall Kosten im sechsstelligen Bereich anfallen. Dabei seien jedoch alle beteiligten Firmen bemüht, die Kosten so tief wie möglich zu halten, betont Cornelia Ming.

Mit dem Wärmeverbunds­projekt Circulago sollen die Stadt Zug und die Gemeinde Baar mit Wärmeenergie für Heizung und Warmwasser sowie mit Kälteenergie zur Raumkühlung versorgt werden. Das Projekt wird in Etappen realisiert. Insgesamt dauerte die Umsetzung wohl rund 25 Jahre. Die Kosten für das ganze Projekt belaufen sich auf rund 100 Millionen Franken.

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch


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