Sind 88 Millionen Franken zu viel?

BAAR ⋅ In das Projekt «Neubau Schulhaus Wiesental» kommt Bewegung. An der Gemeindeversammlung wird über den Planungskredit abgestimmt. Dessen Höhe sorgt für Irritationen.
19. Juni 2017, 07:50

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Seit 2013 sind sie für den Trakt D des Schulhauses Wiesental in Baar unverzichtbar: die mächtigen Holzpfähle. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein stilistisches Element, sondern sie sind dringend notwendig, um einen möglichen Einsturz der Räume zu vermeiden. Grund dafür sind Absenkungen und Risse im Gebäude. Auch die anderen Trakte des Schulhauses sind davon betroffen. Einsturzgefährdet sind diese aber nicht. Doch auch hier machen sich die Bewegungen bemerkbar. Eine Sanierung des grossen Schulhauses lohnt sich nicht, das hat der Gemeinderat bereits 2014 bekanntgegeben. Stattdessen soll ein Neubau entstehen. Der Neubau ist zudem nötig, weil die Schülerzahlen kräftig ansteigen werden.

So lautet das Ergebnis der Schulraumplanung, die der Gemeinderat nach Kritik der Ortsparteien 2014 in Angriff genommen hat. Die Prognose zeigt, dass im Wiesental dereinst 24 Klassen und 4 Kindergärten untergebracht werden müssen. Etwa 550 Schüler werden im neuen Schulhaus ein und aus gehen. Heute sind es 17 Klassen und rund 330 Schüler.

Nun wird das Vorhaben konkreter: Auf der Traktandenliste der kommenden Gemeindeversammlung steht die Genehmigung des Planungskredits für einen Wettbewerb und ein Vorprojekt. Dafür sind rund 2,3 Millionen Franken veranschlagt.

SP und Alternative mit gemeinsamem Antrag

Der Vorlage zur Versammlung ist zu entnehmen, dass sich die Kosten für den Neubau zwischen 84 und 88 Millionen Franken bewegen werden. Über den Baukredit wird zu einem späteren Zeitpunkt abgestimmt. Trotzdem ist das jetzt schon zu viel für die Baarer SP und die Alternative-die Grünen Baar. Gemeinsam stellen die beiden Parteien den Antrag, die Baukosten auf 70 Millionen Franken zu reduzieren. «Ansonsten beantragt die Alternative-die Grünen Baar die Ablehnung des Planungskredits», schreibt Parteipräsidentin Anna Lustenberger-Seitz. «Wir können nicht nachvollziehen, warum wir eines der grössten und mit 88 Millio-nen Franken eines der teuersten Schulhäuser der Schweiz im Wiesental planen, wenn in den Nachbarkantonen Schulhäuser für etwa gleich viele Kinder rund 30 Prozent weniger kosten», doppelt SP-Präsident Zari Dzaferi nach. Damit werde selbst der Zuger Standard übertroffen. Er sei zuversichtlich, dass der Antrag Unterstützung bei den bürger­lichen Parteien finde, ergänzt er.

So oder so müssen die Pfähle halten. Baubeginn für die erste Etappe des Neubaus ist erst 2023 vorgesehen. Während der Arbeiten werden die Schüler in einem Provisorium unterrichtet. CVP, GLP, SVP und FDP von Baar unterstützen den Antrag des Gemeinderates. «Jetzt ist es wichtig, dass man die Planungsarbeiten auf dem Areal Wiesental zeitnah in Angriff nehmen und forcieren kann», begründet etwa Michael Arnold, Präsident der FDP. Die SVP erwartet, dass der Gemeinderat «die grösstmögliche Anstrengung unternimmt, die grob geschätzten Baukosten deutlich zu reduzieren».

Steuerrabatt dank guten Ergebnisses?

Die Finanzen sind sowieso ein Thema, das für Diskussionen sorgt. Die Jahresrechnung 2016 konnte mit einem Überschuss von 15,4 Millionen Franken abschliessen – prognostiziert war ein Defizit von 6,5 Millionen Franken. Dar­über freuen sich die Parteien, doch die grosse Differenz wird nicht unkommentiert hingenommen: Die GLP vermutet «parteipolitisches Kalkül». Mit buchhalterischer Vorsicht habe das nichts mehr zu tun. Die Grünen fragen sich, ob die finanziellen Abstriche bei Vereinen oder Kultur wirklich nötig waren. Die SP und die CVP hingegen machen die Einsparungen bei den Betreuungsgutscheinen zum Thema. Die SVP nimmt den guten Abschluss gar zum Anlass, den Steuersatz in Frage zu stellen.

Das dritte Traktandum der Gemeindeversammlung, die Teilrevision des Bebauungsplans Rathausplatz, ist unumstritten. Alle Parteien unterstützen den Gemeinderat hierbei.


Leserkommentare

Anzeige: