Mehr Schutz vor neugierigen Blicken: Sozialdienst will Hemmschwelle senken

STADT ZUG ⋅ Die Bezüger von Sozialgeldern stellen der Stadt ein gutes Zeugnis aus. Verbesserungspotenzial gibt es aber ganz am Anfang der Betreuung.
16. September 2017, 04:40

Die Hemmschwelle, sich beim Sozialdienst zu melden, muss noch kleiner werden. Zu diesem Schluss kommt eine Befragung der Stadt Zug bei ihren Sozial­hilfe­empfängern. Rund die Hälfte von ihnen hat zwischen Mai 2014 und April 2016 den Fragebogen ausgefüllt.

Bei dieser Hemmschwelle handelt es sich gemäss Befragung um den Schalterbereich. «Das Problem ist derzeit, dass unser Schalter trotz der entsprechenden Anpassungen vor sechs Jahren, noch immer zu wenig vom Warteraum abgegrenzt ist», erklärt Urs Raschle (CVP), Vorsteher des Departementes Soziales, Umwelt und Sicherheit der Stadt Zug. Mit dem geplanten Umzug ins ehemalige Landis + Gyr - Gebäude wolle man auch die Situation beim Schalter verbessern. «Wir möchten, dass alles, was die Leute sagen, unter vier Augen bleibt, und nicht aus dem Wartezimmer mitgehört werden kann.» Diesbezüglich sei der Umzug in das neue Gebäude eine grosse Chance.

Wichtig sei dieser Abbau der Hemmschwelle, da die Fälle oft komplizierter würden, wenn die Leute zuwarteten. «Aus moralischer Sicht ist es natürlich wünschenswert, wenn die Leute selber versuchen, sich aus einer finanziell schwierigen Situation zu befreien.» Das Problem sei jedoch, dass mit dem Zuwarten und Selberlösen die Situation oft schwieriger würde und die Wahrscheinlichkeit steige, dass die Personen dann länger vom Sozialamt abhängig seien. Gemäss Stadtrat Raschle gibt es immer mehr solche komplexen Fälle.

Insgesamt stellt die Befragung dem städtischen Sozialamt ein gutes Zeugnis aus. Wie es in der Mitteilung des Departements heisst, gab die Mehrheit der befragten Personen an, dass sie sich vom Sozialdienst freundlich bedient, gut informiert und kompetent beraten fühlten. «Im Weiteren zeigt die Befragung jedoch auch, dass unsere Mitarbeiter vom Sozialamt auch mal hart bleiben – und bleiben müssen.» Gemäss Raschle gibt gut ein Drittel der Befragten an, dass auch schon gegen ihren Willen entschieden worden sei. Beispielsweise bei der Annahme einer zumutbaren Arbeit oder dem Wechsel in eine günstigere Wohnung. In der Stadt Zug liegt die Sozialhilfequote seit mehreren Jahren bei 1,7 Prozent. Im vergangenen Jahr kosteten die Sozialgelder die Stadt unter dem Strich rund 3,4 Millionen Franken.

 

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch


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