Spanner am Bahnhof unterwegs

ZUG ⋅ Zwei Frauen wurden am Sonntag von einem Mann belästigt, der eine Handykamera unter ihre Röcke hielt und dabei filmte. Ähnliches hat sich tags zuvor in einem Kleidergeschäft zugetragen.
15. Mai 2017, 17:08

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Eine junge Frau musste am Sonntagnachmittag im Zuger Bahnhof eine sehr unangenehme Erfahrung machen. In der Bahnhofshalle und auf der Gleisebene hat nämlich ein Spanner sein Unwesen getrieben. Um zirka 17.30 Uhr hat ein 37-jähriger Steinhauser (Name der Redaktion bekannt) einen etwa 50-jährigen Mann auf frischer Tat ertappt, wie er auf der Treppe, die zum Gleis 3 führt, sein Handy unter den Rock der Frau gehalten und dabei gefilmt hat. 

Diese Informationen teilt der Steinhauser auf der Facebook-Seite «Zuger helfen Zugern» – und warnt alle Zugerinnen: «Bitte passt auf, dass ihr nicht so einem Perversling zum Opfer fällt.» Er habe sich den Täter sofort vorgeknöpft und ihn in die Bahnhofshalle befördert, um ihn der Polizei zu melden, schreibt er weiter. Bereits beim Raiffeisen-Bancomaten habe er den Spanner einige Minuten zuvor beim Filmen entdeckt, sei sich aber nicht sicher gewesen, was er gerade gesehen habe, ergänzt der couragierte Mann auf Anfrage.

Als er den Übeltäter gestellt habe, habe dieser zuerst abwehrend reagiert, sei schliesslich aber mitgekommen. Der 37-Jährige ist empört: «So etwas habe ich noch nie gesehen!»

Die Videos wurden sichergestellt

Bei der Zuger Polizei bestätigt man den Vorfall vom 14. Mai. «Die SBB-Transportpolizei hat uns informiert, worauf unsere Einsatzkräfte vor Ort übernommen haben», sagt Mediensprecher Frank Kleiner. Man habe mit dem Mann gesprochen, seine Personalien aufgenommen und die zwei Videos, die er am Bahnhof kurz zuvor gemacht hatte, sichergestellt. «Der Täter ist geständig», erklärt Kleiner und fügt an: «Wir können sagen, dass er nicht im Kanton Zug wohnhaft ist.»

Zur Rechenschaft gezogen wird der Spanner jedoch vorerst nicht. Das Problem: Bei sexueller Belästigung handelt es sich um ein Antragsdelikt, und die betroffene Frau hat bislang keine Anzeige erstattet. Der Augenzeuge aus Steinhausen bestätigt: «Leider konnten wir mit der Frau nicht reden, weil sie kurz darauf nicht mehr vor Ort war.»

Frank Kleiner hält fest: «Solche Vorfälle sind keine Bagatellen. Es ist für uns wesentlich, dass die Opfer sich möglichst schnell melden.»

Genau das hat eine 53-jährige Zugerin gemacht, deren Tochter am Samstagnachmittag in Zug etwas Ähnliches erlebt hat. Die Frau, die lieber anonym bleiben möchte, erzählt: «Meine 15-jährige Tochter befand sich in der Umkleidekabine im Kleiderladen ‹New Yorker›, als sie eine Männerhand mit einem Handy unterhalb der Tür entdeckte.»

Die Mutter ist wütend: «Meine Tochter ist sehr aufgewühlt. Der Mann hat ihre Intimsphäre verletzt.» Am Sonntag waren die beiden bei der Polizei. Die Zugerin sagt: «Ich bin sehr froh, dass wir Anzeige erstattet haben. Wir wurden sehr ernst genommen und hoffen, dass der Mann nun gefasst wird.»

Frank Kleiner bestätigt auch diesen Vorfall und die entsprechende Anzeige. Ob es sich allerdings um den gleichen Mann wie am Bahnhof handelte, kann der Polizeisprecher nicht sagen. Die entsprechenden Untersuchungen seien im Gang. Generell erfahre die Zuger Polizei von Vorfällen dieser Art eher selten, ergänzt Kleiner, und betont: «Umso wichtiger ist es, dass immer sofort Anzeige erstattet wird.» Man hoffe, dass sich auch das Opfer vom Sonntag noch bei der Polizei melde.

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