Spital rückt näher zu den Patienten

ZUG ⋅ In rund einem Jahr wird am Zuger Kantonsspital in Baar ein neues Radio-Onkologie-Zentrum in Betrieb genommen. Geführt wird es von Fachkräften aus dem Nachbarkanton.
06. Dezember 2017, 08:11

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Tumorpatienten aus dem Kanton Zug, die eine Strahlentherapie brauchen, werden künftig nicht mehr den Weg nach Luzern auf sich nehmen müssen. Die Behandlungen finden ab Anfang 2019 auf dem Areal des Zuger Kantonsspitals statt. Am Dienstag fand der Spatenstich für die neue Radio-Onkologie in Baar statt. Das Zuger Kantonsspital (ZGKS) stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung, das Luzerner Kantonsspital (Luks) sorgt für den medizinischen Betrieb. Das Bauprojekt wird voraussichtlich bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

Bereits heute besteht zwischen den beiden Spitälern eine Partnerschaft in der Betreuung und Behandlung krebskranker Patienten. Das Zuger Kantonsspital zählt laut Medienmitteilung zum Baustart zu den stärksten Zuweisern des Luks.

Die Patientenzahlen werden zunehmen

Aufgrund der demografischen Entwicklung sei es absehbar, dass die Patientenzahlen in der Onkologie weiter zunehmen werden, sagte Benno Fuchs, Direktor des Luzerner Kantonsspitals. «Deshalb ist es wichtig, dass die Versorgung der Zuger Bevölkerung auch vor Ort angeboten werden kann.» Das Projekt sei ein Beispiel einer optimalen Zusammenarbeit über die Kantonsgrenzen hinaus und entspreche einem Bedürfnis der Patienten. Auch Matthias Winistörfer, Direktor des Zuger Kantonsspitals, sprach von einer Win-win-Situation. «Das erste Mal haben wir uns 2011 zu diesem Thema ausgetauscht. Sechs Jahre später befinden sich die Baumaschinen auf dem Platz. Ich freue mich sehr, dass das Vorhaben nun konkret wird.» Die Chefärztin der Radio-Onkologie am Luks, Gabriela Studer, ergänzte: «Es geht darum, Wissen zu transferieren und näher an die Patienten zu gelangen. Know-how und Erfahrung sollen geteilt und weitergegeben werden.»

Die neue Abteilung wird im Süden des Areals des Zuger Spitals entstehen – und zwar unter der Erde. Auf zirka 500 Quadratmetern werden ein «Bunker» für den Linearbeschleuniger (das für die Strahlentherapie nötige Gerät) sowie weitere Räumlichkeiten und Büros gebaut. Im Westen wird es eine Fensterfront geben, der Rest der Abteilung befindet sich unter dem Park. Die Radio-Onkologie am Zuger Kantonsspital bietet die gleichen Therapieoptionen wie am Standort Luzern. Die Patienten profitieren ebenfalls von so genannten ­Tumorboards. Dabei handelt es sich um den interdisziplinären Zusammenschluss verschiedener medizinischer Fachexperten mit dem Ziel, die für den Patienten bestmögliche, individuelle Therapieentscheidung zu treffen. «Die Radio-Onkologie bedient sich modernster Technik. Dabei stehen der Patient und seine Angehörigen mit ihren Bedürfnissen und Anliegen im Mittelpunkt», sagt Timothy Collen, Co-Chefarzt der Radio-Onkologie am Luks und zukünftiger Leiter der Radio-Onkologie am Zuger Kantonsspital.

Anbau kostet rund 5,5 Millionen Franken

Das bestehende Angebot in Luzern wird mit dem Anbau in Zug nicht ausgebaut, sondern es wird ein Teil der Infrastruktur und der Fachkräfte verschoben. Aktuell sind in Luzern drei Linearbeschleuniger im Einsatz – künftig werden es in Luzern zwei sein und in Zug einer. Rund 260 Patienten aus dem Kanton Zug werden laut Collen zurzeit in der Luzerner Radio-Onkologie behandelt. In der neuen Zuger Abteilung rechnet der Arzt zu Beginn mit etwa 300 Patienten, darunter einige aus dem Kanton Schwyz. Kapazitäten habe man für ungefähr 450 Patienten jährlich.

Die Planungs- und Baukosten für den Neubau belaufen sich laut Matthias Winistörfer auf rund 5,5 Millionen Franken. Mit der baulichen Ausführung hat das Zuger Kantonsspital die HRS Real Estate AG als Totalunternehmerin beauftragt. Die Anschaffung der Geräte wird durch das Luzerner Kantonsspital übernommen. Rund sieben Mitarbeiter des Luks werden gemäss Timothy Collen künftig in Zug tätig sein.


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