Die Stadt Zug übertrifft ihre Gewinnprognose massiv

RECHNUNG 2017 ⋅ Mit einem positiven Abschluss hat die Stadt Zug zwar gerechnet. Nun ist der Ertragsüberschuss mit 36,938 Millionen Franken jedoch 17 Mal höher als erwartet. Eine Steuerklasse hat vor allem viel mehr abgeliefert als erwartet.
12. April 2018, 20:07

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Wäre die Stadt Zug eine Aktiengesellschaft, deren Aktien an der Schweizer Börse gehandelt würden, wäre der Kurs dieser Wertpapiere in die Höhe geschnellt. Der Geschäftsbericht der Stadt Zug, wie Jahresabschlüsse mitunter heute genannt werden, zeigt ein Bild, welches beim Kassenwart Karl Kobelt alle Sorgenfalten früherer Jahre aus dem Gesicht geglättet hat. Gestern hat der Finanzvorstand mitgeteilt, dass für 2017 ein Plus von fast 37 Millionen Franken erwirtschaftet worden ist. Im Voranschlag hatte Karl Kobelt noch mit einem Plus von 2,1 Millionen Franken gerechnet. Damit ist der Gewinn 17 Mal höher als erwartet und im Vergleich zum Jahresabschluss 2016 (19,98 Millionen Franken) praktisch eine Verdoppelung.

Trotz der sehr guten Zahlen, versucht Karl Kobelt das Ergebnis nüchtern einzuordnen. Euphorisch und Buchhalter ist eine Wortkombination, die sich ungefähr so miteinander verträgt wie Feuer und Wasser. Der Stadtzuger Finanzvorstand spricht von einem «erfreulichen» und «aussergewöhnlichen» Ergebnis. Ein paar Sätze weiter mimt er aber schon wieder den Vorsichtigen und sagt Worte wie «Demut» und «Dankbarkeit».

Mit diesem Überschuss befindet sich die Stadt Zug in bester Gesellschaft. Der «Tages Anzeiger» hat gestern getitelt: «Städte schwimmen im Geld». Die Stadt Zürich hat mit einem Minus von 25 Millionen gerechnet, herausgekommen ist für 2017 ein Gewinn von 152,6 Millionen Franken. Auch Winterthur, noch vor Kurzem als «Griechenland der Schweiz» bezeichnet, habe einen Überschuss von 52,6 Millionen erwirtschaftet.

Ein Überschuss mit vielen Vätern und Müttern

Doch wie ist es zu diesem Turnaround gekommen? In nackten Zahlen hat die Stadt Zug im vergangenen Jahr 293,074 Millionen Franken eingenommen. Der Aufwand hat 256,136 Millionen Franken betragen. Wie Kobelt an der gestrigen Pressekonferenz erwähnt hat, sei der Stadtrat von diesem Überschuss jenseits aller Erwartungen «überrascht» worden. Lange hätte nichts auf ein solch «gutes Ergebnis» hingedeutet. Vor allem beim Budgetprozess für das Jahr 2017, dieser ist im Sommer 2016 in Gang gekommen, seien die Prognosen bezüglich der Entwicklung sehr vorsichtig gewesen.

Der städtische Finanzvorstand Karl Kobelt begibt sich aber trotz der guten Zahlen auf Spurensuche: «Das kräftige Wirtschaftswachstum hat zu beträchtlich höheren Fiskalerträgen geführt.» Eingeschenkt haben dabei vor allem die Steuererträge der natürlichen Personen. «Die Beiträge sind 22,7 Millionen Franken höher gewesen, als wir dies budgetiert haben.» Eine Ursache dafür ist auch der ungebrochene Zuzug in die Stadt Zug. Im vergangenen September hat die Stadt Zug die Marke 30000 Einwohner durchbrochen. Viele dieser Zuzüger scheinen gut bei Kasse zu sein. Auf der anderen Seite positiv ausgewirkt habe sich, so Kobelt, auch das Programm «Sparen und Verzichten». Dies habe die Aufwandseite entlastet. So hat sich die Schere gleich in zwei Richtungen bewegt. Somit habe der satte Gewinn «viele Väter und Mütter».

Interessant ist ein Vergleich: Im Jahr 2014 hat die Stadt von natürlichen Personen Steuererträge von 102,5 Millionen Franken ausgewiesen. 2017 hat dieser Wert bereits die Summe von 133,9 Millionen Franken erreicht. In der vergangenen Woche hat schon der Kanton in diesem Bereich von einer positiven Entwicklung gesprochen. Erstaunlich ist, dass bei den juristischen Personen die Einkünfte sogar leicht zurückgegangen sind. Karl Kobelt erklärt sich diesen Rückgang so: «In der Stadt fehlen grosse zusammenhängende Flächen.» Dies führt dazu, dass Firmen nach Baar oder in den Ennetsee abwandern. Doch Kobelt ist zuversichtlich, dass «wir hier bald Abhilfe schaffen können». Einer der Orte, wo dies geschehen könnte, ist der Technologie-Cluster bei der V-Zug. Ebenso gäbe es Bestrebungen, das Gebiet im Bereich der ehemaligen Landis & Gyr «weiterzuentwickeln», wie dieser Prozess gemeinhin bezeichnet wird.

Eine langfristig gedachte Steuerfusssenkung

Die gute Finanzlage, in der Steuerausgleichsreserve sind derzeit 119 Millionen Franken deponiert, will nun der Stadtrat nutzen, um ab 2019 die Steuern zu senken. Karl Kobelt nennt für das Steuerjahr einen Steuerfuss von 54 Prozent. Die Steuern um einen Prozentpunkt zu senken, bringt einen Ertragsausfall von rund drei Millionen Franken. Temporär wäre sogar noch eine höhere Senkung möglich, jedoch will Kobelt von einem solchen Szenario nichts wissen: «Wir verfolgen eine langfristige Politik und wollen nicht kurzfristig an der Steuerfussschraube drehen.» Auch ohne eine noch kräftigere Reduktion hätte die Steuerbelastung der Stadt zwischen 2017 und 2019 um sechs Punkte oder rund 10 Prozent abgenommen. Jedoch muss der Grosse Gemeinderat entscheiden, wie er mit der städtischen Rechnung umgehen will. Den Überschuss will der Stadtrat zur Vorfinanzierung von Schulprojekten (20 Millionen Franken) und für die Vorfinanzierung von Projekten in den Herti-Sportanlagen verwenden.

In der Stadt sprudeln aber nicht nur die Steuergelder sehr gut. Auch der kräftige Kursanstieg der Wasserwerk-Aktie macht sich positiv bemerkbar. Die Wertpapiere des Dienstleisters sind um 7,8 Millionen Franken in ihrem Wert gestiegen. Auch bei der Investitionsrechnung erreicht die Stadt Zug im 2017 einen Spitzenwert: 37 Millionen Franken. Der Löwenanteil davon ist für die Sanierung des Casinos (10,9 Millonen Franken) und der Vorflutleitung Zugersee (11,4 Millionen Franken) verwendet worden.


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