Stadtschreiber könnte Stadtrat werden

ZUG/ST. GALLEN ⋅ Martin Würmli wird in der Ostschweiz als möglicher Nachfolger eines zurücktretenden CVP-Stadtrats gehandelt. Das stellt Zugs Stadtschreiber vor eine schwierige Entscheidung.
14. Mai 2017, 00:53

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Zieht schon bald ein Zuger in die St Galler Exekutive ein? Möglich wäre es, denn im Gespräch für dieses Amt ist derzeit Zugs Stadtschreiber Martin Würmli. Er wird in St. Gallen als möglicher CVP-Stadtratskandidat gehandelt.

Der Grund: Vor etwas mehr als einer Woche hat der St. Galler CVP-Stadtrat Nino Cozzio krankheitsbedingt seinen Rücktritt auf Ende dieses Jahres angekündigt. Die Ersatzwahl für ihn findet voraussichtlich am 24. September statt. Wie die CVP der Stadt St. Gallen gegenüber dem «St. Galler Tagblatt» äusserte, wolle sie den Sitz in der Exekutive auf jeden Fall verteidigen. Sie hat deswegen auch bereits mit der Suche nach einem möglichen Nachfolger begonnen und eine Findungskommission eingesetzt. Genannt wird dabei als möglicher Kandidat – neben drei anderen Namen – auch jener von Zugs Stadtschreiber Martin Würmli. Der 39-jährige Würmli ist gebürtiger St. Galler und sass in seiner Heimatstadt bereits für die CVP im Stadtparlament. Ausserdem hat er die Stadtpartei präsidiert. Seit knapp drei Jahren ist der Jurist in der Stadt Zug als Stadtschreiber tätig.

Er ist in guter Erinnerung geblieben

Doch nun könnte es sein, dass sich die Stadt bald nach einem Ersatz umsehen muss. Martin Würmli will sich in der Sache noch nicht festlegen. «Ich freue mich darüber, dass meine Arbeit in St. Gallen offenbar gut angekommen und auch nach drei Jahren noch in guter Erinnerung geblieben ist.» Dass er als Nachfolger von Nino Cozzio gehandelt werde, ehre ihn daher. Er erlebe ausserdem in seiner heutigen Tätigkeit als Stadtschreiber hautnah, wie spannend eine solche Aufgabe sein könne.

Würmli gibt dabei auch zu, dass ihn das Amt reizen würde. «Es ist kein Geheimnis, dass ich mich vor meinem Wegzug aus St.AABB22Gallen für ein Exekutivamt interessiert habe.» Gleichzeitig betont er jedoch, dass er sich in der Zwischenzeit in Zug sehr gut eingelebt habe. «Mir gefällt es hier wirklich.» Die Funktion als Stadtschreiber sei sehr vielseitig und spannend. «Ich begleite einige interessante Angelegenheiten, wie etwa das Bitcoin-Projekt und die Zentralisierung der Stadtverwaltung.» Es handle sich dabei um Projekte, die ihm am Herzen liegen und die er nicht leichtfertig aufgeben möchte, versichert Würmli. «Ich kann mir also auch sehr gut vorstellen, wie eigentlich geplant, noch längere Zeit als Stadtschreiber tätig zu sein. In diesem Fall könnte ich mir auch vorstellen, mich zu einem späteren Zeitpunkt einmal für ein Exekutivamt hier in Zug zu bewerben, dann aber wohl eher auf kantonaler Ebene.»

Dolfi Müller betrachtet es als Kompliment

Würmli erinnert zudem daran, dass es nicht allein der Posten des Stadtschreibers gewesen sei, der ihn nach Zug geholt habe. Er sei auch aus privaten Gründen – seine Frau ist hier aufgewachsen – in die Kolinstadt gekommen. «All dies gilt es nun abzuwägen gegenüber der Tatsache, dass sich eine solche Möglichkeit für ein Exekutivamt in St. Gallen nicht alle Tage ergibt.»

Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller wertet es als Kompliment, dass Martin Würmli als Stadtratskandidat gehandelt wird. «Es ehrt uns, dass wir eine Kaderschmiede für St. Gallen sind», sagt er scherzhaft. Müller betont, dass es ihn und seine Kollegen sehr freuen würde, wenn Würmli in Zug bliebe. «Wir haben Verständnis, wenn er kandidiert. Eine solche Chance gibt’s nicht alle Tage.»

Bis wann die CVP der Stadt St. Gallen bezüglich der Kandidatur einen Entscheid fällen wird, ist noch nicht klar. Die Partei wählt am 23. Mai einen neuen Präsidenten. Bis dahin bleibt die Frage wohl unbeantwortet.


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