Strassengestaltung sorgt für Unmut

ZUG ⋅ Im Rötelquartier werden in den nächsten Jahren mehrere Strassen umgestaltet. Dabei wird auch die Zahl der Parkplätze begrenzt. Das kommt nicht bei allen gut an.
20. Mai 2017, 10:22

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Am Zuger Hang wurde in den vergangenen Wochen kräftig gearbeitet. Der Grund: Die Werkleitungen im Boden der Quartierstrasse im Rötel mussten saniert werden. Die Erneuerungsarbeiten sind aber auch oberirdisch sichtbar: Mehrere Ausbuchtungen für Bäume und Rabatten säumen die Strasse. Man habe im Zuge der Sanierungsarbeiten ein Betriebs- und Gestaltungskonzept für den Strassenraum im Rötel, aber auch auf der Lüssirain- und der Weid­strasse erarbeitet, sagt Urs Raschle, Vorsteher des Departements Soziales, Umwelt und Sicherheit.

Vorgesehen ist einerseits, dass die Geschwindigkeit auf den Strassen gesenkt werden soll. Dabei wolle man weder Schikanen einbauen noch die Signalisation ändern. «Eine Tempo-30-Zone ist derzeit nicht vorgesehen. Ziel ist aber, das heutige Geschwindigkeitsniveau unabhängig von einer Signalisation nur aufgrund der Wahrnehmung des Strassenraums auf eine für Tempo-30-Zonen akzeptable Geschwindigkeit zu senken», erklärt der Stadtrat. Konkret bedeutet das, dass 85 Prozent aller Fahrzeuglenker nicht schneller als mit 30 bis 40 Stundenkilometern auf diesen Strassen unterwegs sein sollen.

Parkplätze werden eingezeichnet

Auf der anderen Seite will die Stadt den Parkraum bewirtschaften. Heute gibt es in diesem Gebiet laut Urs Raschle nur eine teilweise Parkraumbewirtschaftung. «An der Weidstrasse und im Rötel braucht es eine spezielle Parkkarte. Da gibt es ein Nachtparkierverbot», sagt Raschle. Ansonsten könne gratis parkiert werden. Die Ausbuchtungen, die unter anderem mit Bäumen bepflanzt werden, sind laut Raschle Orientierungspunkte, um die neuen Parkfelder abzugrenzen. Bisher gibt es auf der Strasse keine eingezeichneten Parkplätze. Das habe zur Folge, dass die Autos irgendwo abgestellt würden. Auf der Weidstrasse müsse der Bus deshalb häufig um ab­gestellte Autos «herumkurven». «Auch der Winterdienst wird durch ungeordnet abgestellte Autos behindert», führt Raschle aus. Mit den Parkfeldern wolle man die nötige Ordnung schaffen. Vorgesehen sind im Rötel 14, an der Weidstrasse 11 und entlang der Lüssirainstrasse vier Parkfelder.

Das Konzept kommt bei diversen Quartierbewohnern nicht gut an. Für Ärger sorgt vor allem die Beschränkung der Parkplätze. «Durch diese Massnahme gibt es im Quartier weniger Parkmöglichkeiten, auch für Handwerker und Lieferanten. Das Problem ist, dass die Zahl der Parkplätze schon heute kaum ausreicht», sagt Markus Baumann, Vorstandsmitglied der Nachbarschaft Rötel. Die meisten Häuser im Bereich Rötel und Lüssirain stammten aus den 1960er-Jahren. Damals sei man von einem Auto pro Familie ausgegangen. «Das ist heute anders. Die Garagen können aber aus baulichen Gründen nicht erweitert werden. Es wird also an Parkplätzen fehlen», sagt Baumann. Ein Fragezeichen macht er auch hinter die Gestaltung selbst. «Ich finde es nicht sehr sinnvoll, dass die Stadt in die Ausbuchtungen Bäume pflanzt und diese so direkt vor bestehende Bäume auf privatem Grund stellt.» Und schliesslich sei die Kommunikation ungünstig gewesen. «Das Projekt wurde uns an der Generalversammlung der Nachbarschaft Rötel als mögliche Lösung präsentiert. Dabei waren zu diesem Zeitpunkt die Arbeiten bereits im Gang, und die Massnahmen wurden direkt umgesetzt», sagt Baumann.

Ein «Anliegen vieler Bewohner»

Für diesen Punkt hat auch Ruedi Hotz, Präsident der Nachbarschaft Rötel, Verständnis. «Es war alles sehr kurzfristig und die Kommunikation seitens der Stadt etwas ungeschickt.» Hotz stellt sich allerdings hinter das Konzept der Stadt: «Ich und die Mehrheit im Vorstand finden es richtig, dass die Stadt den Strassenraum künftig bewirtschaftet.» Zudem begrüsse man, dass durch die geplanten Massnahmen das Tempo auf den Strassen reduziert werden solle. «Das ist ein Anliegen vieler Bewohner», sagt Hotz.

Umgesetzt wird das Konzept laut Angaben der Stadt in den nächsten drei Jahren. Raschle: «Die Strassenzüge werden nach und nach saniert und gemäss dem Betriebs- und Gestaltungskonzept angepasst.» Dabei sei gegenüber einer einfachen Sanierung der Werkleitungen aufgrund der Umgestaltung mit rund 10 Prozent Mehrkosten zu rechnen.


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