Bengalische Tiger im Circus Royal: Zirkusdirektor wehrt sich gegen Kritik

BAAR ⋅ Mit dem Circus Royal sind auch fünf Bengalische Tiger mit nach Baar gereist. Zirkusdirektor Oliver Skreinig wehrt sich gegen Kritik und verteidigt der Auftritt von Wildtieren in der Manege.
15. September 2017, 08:53

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Lamas, Alpakas, Kamele, Watussirinder und Bengalische Tiger wohnen seit gestern temporär auf der grossen Wiese bei der Obermühle in Baar. Sie sind mit dem Circus Royal auf Tour und faszinieren die Nachbarn bereits einen Tag vor der ersten Aufführung. Obwohl das Wetter stürmisch ist und die Tiere in ihren Wagen verweilen, sind Besucher zwischen den Wohnwagen unterwegs und versuchen durch die aufgestellten Aussengitter einen Blick auf die exotischen Tiere zu werfen.

Diese sind aber immer auch ein Reizthema. So werden seit diesem Frühling Unterschriften für ein Wildtierverbot in Schweizer Zirkussen gesammelt. Die Vorwürfe sind bekannt: zu wenig Platz, keine Konstanz durch die Reiserei oder nicht artgerechte Massnahmen beim Training, um nur einige zu nennen. Viele Tierschutzorganisationen setzten sich seit Jahren für das Verschwinden der Tiere aus der Manege ein, darunter auch die Stiftung für das Tier im Recht (siehe Box). Es sind Vorwürfe, mit denen sich Oliver Skreinig, Direktor des Circus Royal, bestens auskennt. So sitzt er gelassen an seinem kleinen Arbeitstisch im Büro-Wagen. «Nein, die Tiger sind nicht die Hauptattraktion des diesjährigen Programms», sagt er. «Alle Nummern sind gleichberechtigt.» Trotzdem spielen die Wildkatzen eine wichtige Rolle, immerhin läuft das Programm unter dem Motto «Im Zeichen des Tigers».

Tiere sind unter stetiger Kontrolle

«Wir möchten die Besucher sensibilisieren», erklärt Skreinig und führt aus: «Der Zirkus hatte schon immer einen Bildungsauftrag. Früher etwa hat er in abgelegenen Gebieten Dinge gezeigt, die noch niemand kannte.» Der Circus Royal habe es sich nun zur Aufgabe gemacht, auf die allgemeine Problematik der Tiere aufmerksam zu machen – damit hat der Direktor die Argumentation gleich umgekehrt. «Es ist leicht, gegen die Wildtierhaltung im Zirkus zu sein und sich durch das Engagement ein gutes Gefühl zu verschaffen.» Doch seiner Ansicht nach setzt man damit am falschen Ort an.

Als Stichwort nennt Skreinig die Massentierhaltung oder die nicht artgerechte Haltung von Haustieren und auch die Nicht­akzeptanz von Wildtieren wie Wölfen oder Bären in der Schweiz. «So öffentlich und so amtlich, wie die Zirkustiere werden keine anderen Tiere kontrolliert,» ergänzt er. Der Zirkus befinde sich etwa im ständigen Austausch mit dem Veterinäramt. Es werden Listen über den Auslauf und die Ernährung geführt. Damit werde im Zirkus auch moderner Tierschutz praktiziert. «Wir haben die weltweit grösste und modernste Tieranlage», sagt Skreinig, wie er wohl schon Hunderte Male ausgeführt hat. «Was mich bei der Diskussion besonders stört, ist, dass nicht akzeptiert wird, dass wir uns um die Tiere kümmern», sieht er sich und die Tierpfleger eher in der Opferrolle. Ausserdem sei die Tierhaltung ein grosser Kostenfaktor für den Zirkus, man mache es sich damit nicht einfach. Weshalb also setzt der Zirkus weiterhin auf Tiere in der Manege? «Tiere sind ein wichtiger Teil der Zirkuskultur, sie gehören einfach dazu. Solange man es gut macht, finde ich es vertretbar.»

Hinweis

Der Circus Royal gastiert von heute bis am Sonntag, 17. September, an der Langgasse in Baar und vom 22. bis 24. September im Hirsgarten in Cham. Der Zoo ist an den Spieltagen von 10 bis 18 Uhr offen, am letzten Spieltag bis 15 Uhr. Weitere Informationen: www.circusroyal.ch


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