Ein Club führt Frauen aus über 50 Ländern zusammen

ZUG ⋅ Der International Women’s Club, vor 50 Jahren von zwei britischen Frauen gegründet, feiert das runde Jubiläum mit vielen Aktivitäten. Heute gehören der Gemeinschaft rund 400 Mitglieder aus der ganzen Welt an.
10. Oktober 2017, 04:39

Monika Wegmann

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Als Helena Lustenberger vor rund 30 Jahren von Schottland in die Schweiz zog, war vieles für sie fremd, nicht zuletzt die damaligen bürokratischen Hürden. «Mein damaliger Chef empfahl mir zum Aufbau erster Kontakte den International Women’s Club Zug (ZIWC), weil seine Frau dabei war», sagt sie rückblickend und lacht. Ja, sie habe den Kontakt schnell gesucht und schon bald die vielfältigen Aktivitäten und Begegnungen geschätzt: «Obwohl ich als Vollzeitarbeitende meist nur abends teilnehmen konnte.» Heute engagiert sich Helena Lustenberger, die in Hünenberg lebt, als Vorstandsmitglied im ZIWC, der in diesem Jahr das 50-jährige Bestehen mit vielen Höhepunkten feiert. Gerne weist sie darauf hin, dass der Frauengemeinschaft inzwischen rund 400 Mitglieder aus über 50 Ländern angehören. «Davon sind ein Drittel Schweizerinnen, auf die Vielfalt sind wir stolz.»

Kontakte und Informationen

«Damals wie heute ist der Club ein Bedürfnis für Frauen, die neu in der Schweiz sind», davon ist Helena Lustenberger überzeugt. Er biete ihnen Informationen, soziale Kontakte, Freundschaften und Unterstützung, egal welcher Nationalität oder Religion sie angehören. Es gebe bei den Mitgliedern zwar ständig Wechsel, wobei aber nur ein kleiner Teil zwei bis drei Jahre hier bleibe. Doch Frauen aus der ganzen Welt schätzten es, hier auf Landsfrauen zu treffen, die sie in die Bräuche der neuen Gesellschaft einführen können. Die Clubsprache ist traditionell Englisch, weil am Anfang die Frauen aus der Englisch sprechenden Welt stammten. Laut der Hünenbergerin bestehe die Möglichkeit, im Club die englische und auch andere Sprachen zu lernen: «Alles, kulturelle, sportliche und handwerkliche Aktivitäten, wird von Freiwilligen meist gratis angeboten. Die Frauen sind sehr initiativ.» Der Club sei für die Mitglieder da, er lebe aber davon, dass sich die Mitglieder engagierten. Daneben gebe es Treffen zum Essen oder Kaffee, Partys und viele Ausflüge. Helena Lustenberger wertet das grosse Engagement als Zeichen der Selbstsicherheit der Frauen, die durchwegs gebildet seien und im Club mit Gleichgesinnten einen Ausgleich zu ihrer Arbeit suchten.

Über die Angebote informiere man sich via Newsletter, Website, E-Mails, Facebook, Whats­app und Twitter. Dank der Website könne man heute auf den Club einfacher aufmerksam machen. Und was ist mit den Männern? Gibt es nach 50 Jahren Überlegungen, sie in den Club aufzunehmen? Helena Lustenberger wehrt lachend ab: «Die haben ihren eigenen Club. Der ist jünger, ab und zu treffen wir einander. Aber Frauen und Männer haben verschiedene Interessen. Die Frauen geniessen das eigene Forum, wo sie ihre Bedürfnisse ausleben können – ausserhalb der Männerwelt.»

Viele bleiben dem Club lange treu

Wichtig ist für Helena Lustenberger jedoch zu betonen, dass sich der Club auch für die einheimische Gesellschaft engagiert: «Wir pflegen Kontakte mit anderen Zuger Organisationen, besonders jene, welche die Interessen von Frauen fördern. Mit ihnen arbeiten wir unentgeltlich zusammen, zum Beispiel mit der Frauenzentrale und der Gruppe Let’s Talk. Wohltätige Institutionen werden durch Fundraising und soziale Anlässe unterstützt. Auch so lernt man Menschen kennen.»

Weil Helena Lustenberger gerne neue Mitglieder ansprechen möchte, erwähnt sie, dass der Club nicht nur für sogenannte Expats da sei. «Natürlich gibt es sie, aber hier leben auch viele Zugezogene aus der ganzen Welt, die jahrelang Mitglieder bleiben. Dazu gehören, neben der Gründerin Jeanie Seifert, ebenfalls viele Zugerinnen. Man müsse nur Englisch sprechen können und kontaktfreudig sein. «Die Clubmitglieder freuen sich über neue Bekanntschaften und Erfahrungen», sagt Helena Lustenberger. Sie selber fühlt sich in Hünenberg sehr wohl, auch dort ist sie engagiert. Den Kanton Zug erlebt sie als offen und freundlich: «Hier herrschte schon vor Merkel eine Willkommenskultur. Es gefällt mir so gut, dass ich nirgendwo anders leben möchte.»

Hinweis: www.ziwc.ch.


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