Troimer träumen fleissig weiter

CD-RELEASE ⋅ Die Zuger Rockband Troimer veröffentlicht ihr drittes Stück Studioarbeit. Der intersubjektive Prozess, die Suche nach Ausdruck und eine starke Sicherung stehen im Zentrum der Scheibe.
27. September 2017, 07:31

«Wo bleibt die Sonne» heisst das Album und ist auf Spotify und iTunes erhältlich. Textlich zeigt der Frontmann Etienne Bühler seine grösste Stärke und versucht die oft gekonnte Gratwanderung zwischen dem Mystisch-Vagen und Konkret-Profanen. «Zu sehr in die eine Richtung – und die Worte werden bedeutungslos. Zu sehr in die andere – und sie verlieren jeden Interpretationsspielraum.»

Bühler spielt gerne mit dem Assoziationsreichtum des Zuhörers, um seine Emotionen zu transportieren. Getragen werden die sinnbildlichen Welten vom stark verzerrten Sound seiner fünfköpfigen Band, die in ihren Arrangements immer mal wieder aus dem Schema F ausbricht und mit überraschenden Kapriolen das geradlinig Rockige aufbricht.

Mit etwas Extra- Strom auf allem

«Musik ist für mich Emotion, die Bühne ein Ort der ungehemmten Ehrlichkeit. Hier darf ich den konventionellen Filter unserer Gesellschaft ausschalten und völlig unreflektiert und impulsiv sein.» Bühler arbeitet seit fünfzehn Jahren in verschiedenen Psychiatrien und hat vor kurzem seinen Master in Psychologie ­abgeschlossen. Für die Bühne schminkt er sich das eine Auge schwarz, trägt Plüschhandschuhe, einen «Clockwork Orange»-mässigen Zylinder – und dreht voll auf. Die Musik ist für ihn eine kostenintensive Leidenschaft, der Moment vor Publikum die Kür.

Der neue Release bildet den Abschluss eines langen, kreativen Prozesses. Teile der Tracks hat die Band mit dem Produzenten Lars Christen, The Music Guy, in den Powerplay-Studios eingespielt. Der Grossteil wurde aber im Studio des bandeigenen Mischers, Produzenten und Bassisten Björn Bredehöft – den Foolpark-Studios – eingefangen. Die Orchestrierung des Sounds ist seit dem letzten Album noch einmal gewachsen. Die dicht geschichteten Gitarrenlicks werden mit oft subtilen Synthesizern untermalt, die Stimme mit allerlei Effekten und Overdubs in Szene gesetzt. Das Resultat ist ein kraftgeladener Sound zwischen Die Ärzte und Clueso mit etwas Extra-Strom auf allem.

Mut zur Katastrophe

«Unsere Musik entsteht immer im Zusammenspiel. Im freien Jammen ist jeder im Hier und Jetzt auf der Suche nach seinen Mitmusikern.» Bühler betrachtet sich in dem Kreativprozess der Band als Dirigent, der das Orchester zusammenführt.

Die eigentliche Innovation hat seinen Ursprung aber immer bei den Musikern. «In der Musik ist es wie im Leben: Nur wer es wagt, neun Mal einen Fehlversuch zu starten, wird mit dem einen Mal belohnt, da etwas gelingt. Die Katastrophe gehört untrennbar zum Erfolg.»

Den Auftakt zum neuen Werk feiern die Troimer am 1. Dezember im Madeleine in Luzern und tags darauf in der i45 in Zug. Pläne für den nächsten Release sind schon am Köcheln.

 

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

www.troimer.ch


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