Ü50: Netzwerk einsetzen

ZUG UM ZUG ⋅
16. April 2018, 10:29
Die Kündigung zu erhalten, ist kaum je eine willkommene Entwicklung im Berufsleben. Doch besonders hart trifft es diejenigen, die ihren 50. Geburtstag bereits gefeiert haben oder kurz davor sind. Die meisten von uns kennen eine Person in diesem Alter, die – oftmals völlig unerwartet – ihre Stelle verloren hat. Ihre Chancen, wieder etwas zu finden, sind an einem geringen Ort. Weil die Menschen immer älter werden, ist es nur logisch, dass auch die Zahl der über 50-Jährigen ansteigt. Und sie sind zunehmend gefährdet, arbeitslos zu werden.
 
Den Trend belegen die nackten Zahlen. Gemäss Bundesamt für Statistik ist die Zahl der über 50-jährigen Sozialhilfebezüger seit 2005 um 40 Prozent gestiegen. Während vor zwölf Jahren in dieser Altersgruppe noch jede(r) Siebte Sozialhilfe bezog, war es Ende 2016 bereits jede(r) Fünfte über 50-Jährige. Denn viele der betroffenen Arbeitnehmer landen, sind sie einmal entlassen worden, nach Langzeitarbeitslosigkeit auf dem Sozialamt.
 
In den meisten Fällen werden die älteren Jobsuchenden mit Floskeln abgespeist: Sie seien überqualifiziert, man habe bessere Kandidaten gehabt, oder das Profil passe nicht. In Realität gelten die Ü50 als zu teuer, nicht auf der Höhe bei der Digitalisierung, und nicht zuletzt holen Firmen Arbeitskräfte aus dem Ausland. Dabei werden Wirtschaftsexponenten verschiedener Branchen nicht müde zu betonen, wie wichtig das Potenzial der älteren, erfahrenen Arbeitnehmer sei.
 
Das ist richtig, das Potenzial gilt es zu nutzen. Deshalb ist es löblich, dass es im Kanton Zug seit diesem Jahr ein Programm gibt, welches mit Mentorinnen und Mentoren ältere Arbeitslose unterstützt. Das Gute an der Lösung ist, dass die Betreuer nicht nur beim Aktualisieren des Bewerbungsdossiers etc. helfen, sondern auch offen angehalten sind, ihr Netzwerk einzusetzen. Man mag darob die Nase rümpfen, doch dass das Netzwerk in der Geschäftswelt eine – wenn nicht die – ­zentrale Rolle spielt, ist nun mal eine Tatsache. Und der Zuger Ansatz scheint zu greifen: Bereits ein jobsuchender Ü50 hat eine neue Stelle gefunden. Wenn es hier möglich ist, sollte das flächendeckend Mut geben.

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch


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