Von Baar in die weite Welt hinaus

LEBENSLÄUFE ⋅ Eugen Hotz wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Eine Ausstellung zeigt nun, welche Leute während einer Dekade bei ihm häufig zu Gast waren. Eine Zeitreise mit vielen Überraschungen.
12. September 2017, 04:39

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Der Name Eugen Hotz (1917–2000) ist auch heute noch den meisten Baarern ein Begriff, wenn vom Ursprung der dortigen Fasnacht die Rede ist. Doch Hotz nur auf diese Innovation zu reduzieren, wird seinem Schaffen in keiner Weise gerecht. Hotz hat in seinem Grafikatelier im Restaurant Kreuz einen Treffpunkt betrieben, der weit über die Baarer Gemeindegrenzen hinaus Spuren hinterlassen hat. Eugen Hotz’ Eltern haben im «Kreuz» gewirtet. Das Lokal stand am Kreuzplatz – also im Zentrum von Baar. Da passt der Name «Zentrale» für den Ort perfekt, in dem sich von 1941 bis 1951 Menschen aus verschiedensten Gesellschaftsschichten und Nationen getroffen haben.

Diesem Freundeskreis von Eugen Hotz widmet sich die Ausstellung im frisch renovierten Baarer Schwesternhaus, die morgen Mittwoch eröffnet wird. Sie trägt den Titel «Baarer Lebensläufe – Eugen Hotz und sein Netzwerk» und präsentiert in knapper, aber sehr übersichtlicher Form einen Querschnitt der Besucher der «Zentrale».

Walter Staub (1922–1996) war Fuhrwerker und Max Schumacher (1920–1951) ein begnadeter Schreiber. Die beiden sind häufig miteinander in Baarer Beizen unterwegs und werden auf ihren Streifzügen das eine oder andere erfahren haben, das dann in der «Zentrale» zum Thema geworden ist. Regelmässige Gäste bei Hotz waren auch Hans-Rudolf Schmid (1923–2008) und Othmar Andermatt (95), die Schumacher aus gemeinsamen Tagen an der Kantonsschule kannten.

Ein Buch mit kleinster Auflage

Für die Fotos ist Armin Haab (1919–1991) verantwortlich gewesen. Aus dessen Fundus stammen viele Bilder, die in der Ausstellung zu sehen sind. Entnommen sind sie dem sogenannten «Zentralebuch», von dem es nur gerade drei Exemplare gibt. Eines ist im Besitze der Einwohnergemeinde Baar. Ebenfalls zur «Zentrale» gehörten Christian Staub (1918–2004) und Max Huber (1919–1992). Spannend an der Ausstellung ist aber auch, was aus den vorerwähnten Debattierern geworden ist. Christian Staub hat als Professor für Fotografie an zwei Universitäten an der Westküste der USA doziert. Huber seinerseits hat den Grundstein für den heutigen Ruf des italienischen Designs gelegt. Derweil Schmid und Andermatt ihre Heimat prägend transformiert haben. Unter der Ägide des Zahnarztes Othmar Andermatt ist Baar eine Stadt geworden, wobei sich Ur-Baarer bis heute gegen diesen Begriff stemmen. Andermatt ist der letzte aus dem Hotz-Zirkel, der noch lebt. Schmid hat als Korporationsschreiber viel dafür getan, dass sich Baar in den 1960er-Jahren zu einem Wirtschaftsstandort gemausert hat.

So gesehen hat die «Zentrale» Spuren auf der ganzen Welt hinterlassen. Matthias Haldemann, er ist Direktor des Kunsthauses in Zug, sagt denn auch, die «Zentrale» sei, obwohl in der Provinz gelegen, «sehr weltoffen» gewesen. Dass die Ausstellungsmacher unter der Federführung der Baarer Kulturbeauftragten Claudia Emmenegger den Fokus auf das Umfeld von Eugen Hotz richten, macht die Ausstellung einzigartig. Dabei wird der Besucher nicht mit ellenlangen Beschreibungen konfrontiert, sie verliert aber dadurch überhaupt nicht an Wert.

Aber natürlich wird bei der Präsentation des Netzwerkes von Eugen Hotz auch dessen Schaffen gebührend Platz eingeräumt. Eine Auswahl davon bringt das Kunsthaus-Zug-Mobil nach Baar. Dass es diese Zuger Kulturstätte gibt, dazu hat Eugen Hotz übrigens auch seinen Beitrag geleistet. Im Weiteren ist der Baarer Grafiker auch einer der Gründungsmitglieder der Zuger Kunstgesellschaft und hat, wie Matthias Haldemann zu erzählen weiss, auch dazu beigetragen, dass Grössen wie Hans-Dieter Hüsch (Kabarettist) und Helmut Qualtinger (Schauspieler) in Zug Station gemacht haben. Doch alles soll hier nicht verraten werden. Schauen Sie in Baar vorbei. Sie werden weitere ungeahnte Preziosen entdecken.

Hinweis: Die Ausstellung im Baarer Schwesternhaus (Leihgasse 9a) wird morgen Abend eröffnet (18.30 bis 22 Uhr) und läuft bis am 1. Oktober. Sie ist jeweils von Mittwoch bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.


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