Von Gleichberechtigung und dem, was man dafür hält

ZUG « ⋅ Abgesang» heisst ein aktuelles Stück des Basler Autorentheaters «Stückbox». Zwei Frauen in unterschiedlichen Lebensstadien geben darin Momentaufnahmen ihrer Vita wieder. Dem Publikum im Burgbachkeller gefiel’s.
15. Mai 2017, 04:38

Zwei Frauen, ein Sofa, eine Bühne. Mehr braucht das Stück «Abgesang» von Renata Burckhardt nicht. Abgesang – das bedeutet soviel wie Ausklang oder wehmütiger Abschied. Hinter diesem Titel verbirgt sich jedoch eine Komödie. Im Stück nehmen zwei Frauen Abschied von der Mutter des Ehemanns beziehungsweise der Grossmutter des Freundes. Sie sind Mitglieder der gleichen Familie, jedoch nicht verwandt. Sie sitzen auf dem gleichen Sofa, sind jedoch keine Freundinnen. Und sie sitzen dort nicht einmal freiwillig. Diese Araber müssten schon längst die Möbel der verstorbenen Grossmutter abholen. Doch die Araber kommen nicht. «Auf die ist einfach kein Verlass. Die sind einfach so.» Also heisst es warten.

Man spricht über das Leben, über Gleichberechtigung, über die Rolle der Frau und wie sich vieles und doch so vieles nicht geändert hat. Trotz Rollenaufteilung ist es die Frau, die schwanger ist, nicht der Mann. Die Frau hat ihren Job aufgegeben, nicht der Mann. Und die Frau schleppt nun die schweren Möbel der Grossmutter die Treppe hinunter, nicht der Mann. Das Stück wirft Fragen darüber auf, wer in Familien wofür zuständig ist und warum eigentlich.

Die beiden Frauen im Stück, gespielt von Newa Grawit und Agnes Lampkin, sind zwei Frauen, die an einem ganz anderen Punkt im Leben stehen. Zwei Frauen aus zwei verschiedenen Generationen. Die eine um die dreissig, die andere um die sechzig. Die eine hat einen Plan, den die andere wohl eher als Illusion bezeichnen würde. Denn sie hat das Leben gelebt, was sie eher zum Fluchen als zum Lachen verleitet. Und auch ihre junge Gesprächspartnerin lässt sich bald zu Fluchworten und Gefühlsausbrüchen hinreissen. Oder sind es doch nur die Hormone?

Nur einen Monat Probezeit

Das Theaterstück scheint wie eine Momentaufnahme im Leben dieser zwei Frauen, in der immer wieder bekannte Themen aufgenommen werden. Und es handelt sich bei den Stücken der Stückbox in der Tat um Momentaufnahmen. Denn was die Stücke auszeichnet, sind die Probezeit von bloss einem Monat, das minimalistisch gehaltene Bühnenbild und die unkomplizierte Art der Inszenierung. Das Theater hat nicht den Anspruch, perfekt zu sein, wirkt dadurch jedoch umso authentischer, was auch beim Publikum gut ankommt. Manuela Müller aus Zug meint: «Man hatte das Gefühl, es sind zwei Frauen wie wir.»

 

Melanie Bösch

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis: www.stückbox.ch


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