Wenn das herbstliche Gebläse stört

STEINHAUSEN ⋅ Der Piratenpartei sind die Laubbläser ein Dorn im Auge – viel zu laut seien sie. Der Gemeinderat findet ein Verbot von Geräten über 85 Dezibel aber «unverhältnismässig».
10. November 2017, 08:00

Das Laub liegt in diesen Tagen wieder auf Strassen, Trottoirs und Wiesen – oft verklebt, weil es nass ist. Um die Flächen freizuräumen, setzen Werkhöfe, Gartenunternehmen oder Private Laubbläser ein. Diese sind oft laut und stinken. Die Piratenpartei Steinhausen hat eine Motion gegen diese Geräte beim Gemeinderat eingereicht: «Laubbläser erreichen 80 bis 100 Dezibel und sind somit die lautesten für längere Zeit lärmenden Gartengeräte», schreibt Stefan Thöni, Präsident der Piratenpartei Zentralschweiz, in der Motion. Er fordert eine Lärmbegrenzung auf 85 Dezibel für die Verwendung der Geräte in Wohngebieten. Stefan Thöni erklärt: «Hintergrund ist hauptsächlich der Lärm, aber auch der Gestank und die Umweltverschmutzung von benzinbetriebenen Laubbläsern.» Und präzisiert: «Mich stört das persönlich.»

Die Motion steht an der Gemeindeversammlung am 7. Dezember auf der Traktandenliste. Der Gemeinderat plädiert dafür, den Vorstoss als nicht erheblich zu erklären. Dies vor allem, weil das Verbot «unverhältnismässig» sei. Der Gemeinderat verweist darauf, dass «viele Privatpersonen und Firmen bereits Geräte mit einem Pegel über 85 Dezibel angeschafft haben, weil diese schweizweit zugelassen sind.» Das Verbot wäre eine «Einschränkung der persönlichen Freiheit und der Wirtschaftsfreiheit» der Steinhauser. Andreas Hürlimann (ALG), Bauvorsteher, erklärt: «Ohne Laubbläser dürfte mit einem Mehraufwand beim Personal des Werkhofes gerechnet werden müssen, um den heutigen Standard beizubehalten.» Hürlimann versichert, dass darauf geachtet wird, in Wohngebieten leisere Elektromodelle einzusetzen. Zudem sollen die Geräte «nur wenn nötig» auf voller Leistung laufen. Die Gemeinde verfügt über drei Rückenbläser, einen Handbläser jeweils mit Benzinmotor, einen Elektro-Rückenbläser und zwei Akku-Handbläser.

Umfrage in anderen Zuger Gemeinden

Die Laubbläser kommen momentan auch in anderen Zuger Gemeinden zum Einsatz – stossen dort aber auf weniger Ärger, wie eine kleine Umfrage zeigt. In der Stadt Zug werden in den Wohngebieten «nach Möglichkeit» elektrische Geräte eingesetzt. «Diese sind etwas weniger laut und erzeugen keine Abgase», gibt Jascha Hager, Stadt­ingenieur, Auskunft.

Mit Beschwerden hat die Stadt Zug weniger zu kämpfen: «Es kann vorkommen, dass sich Leute beschweren, aber das ist selten der Fall. Diesen Herbst sind im Werkhof noch keine diesbezüglichen Beschwerden eingegangen», so Jascha Hager.

Zweimal pro Woche im Einsatz

André Keusch, Bereichsleiter Werkhof der Gemeinde Cham, sieht bei den Akku-Geräten die geringen Lärmemissionen als Vorteil. «Viele Passanten loben bei unseren Mitarbeitern den Einsatz von Elektro-Laubbläsern. Man hört ab und zu: ‹Das ist jetzt aber eine gute Idee.›» Er versichert, in den Wohngebieten nur noch Akku-Laubbläser zu verwenden. Zudem werde nur noch ein Gerät mit einem Benzinmotor betrieben und dieses auf dem Lorzenuferweg eingesetzt.

Im Ägerital sind die Werkhofmitarbeiter ebenfalls mit Elektrobläsern unterwegs, dies vor allem im Siedlungsgebiet. Momentan hat der Werkhof Unterägeri die Geräte durchschnittlich zweimal pro Woche im Einsatz, um die Blätter von den Strassen zu fegen.

 

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch


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