Wider dem November-Blues

ZUG ⋅ Drei Frauen organisieren einen Anlass zum Thema Tod und Trauer. Interviewt wird dabei unter anderen Alice Hofer, die Witwe von Rocklegende Polo Hofer.
11. November 2017, 09:36

«Es ist wichtig, sich früh genug mit den beiden Themen Tod und Trauer zu beschäftigen», sagt Trauerberaterin Sandra Ulrich. Sie organisiert den Anlass «Natürlich», der sich mit dem Tod und der Trauer befasst. «Wer weiss schon, wie es ist, wenn der Partner oder die Partnerin von einer unheilbaren Krankheit betroffen ist und daran sterben wird? Man ist bedrückt und traurig, weiss nicht, wo es Informationen und Hilfe gibt, wenn man sie dringend benötigt.» Nur wenige wüssten zum Beispiel, dass die Trauerphase schon vor dem Tod beginne. «Der unheilbar erkrankte Mensch muss kontinuierlich von Liebgewonnenem Abschied nehmen, und die Angehörigen können nur hilflos zusehen.»

Früher die Familie, heute die Trauerbegleitung

Alle Menschen würden sich in verschiedenen Phasen ihres Lebens mit dem Tod befassen, erklärt Ulrich. «Sogar Kinder.» Doch vielfach würden die Themen Tod und Trauer auch ganz einfach verdrängt. Zusammenfassend lasse sich klar sagen, dass es gut sei, sich möglichst früh damit zu befassen, betont Ulrich. Gespräche mit den Profis brächten Erstaunliches zum Vorschein. «Die Berufe sind bereichernd und befriedigend, wie die Berufsleute erzählen.» Früher habe die Trauerbegleitung und Sterbe­begleitung innerhalb der Familien zusammen mit dem Pfarrer stattgefunden, schaut Ulrich zurück. Inzwischen seien die Familien viel kleiner geworden, und in der globalisierten Welt seien die nächsten Angehörigen auch oftmals nicht gleich zur Stelle. «Zudem sind viele Schweizer heutzutage konfessionslos. Deshalb wird das Bedürfnis nach Hospizen und damit die professionelle Sterbebetreuung sowie unabhängige und professionelle Trauerbegleitung von Kranken und Familienangehörigen immer mehr zum Thema.»

Beim Anlass kommende Woche sollen diese Tabuthemen rund um Tod und Trauer zur Sprache kommen. Sandra Ulrich organisiert den Nachmittag gemeinsam mit Trauerberaterin Susi de Oliveira sowie Treuhand-Bestattungsplanerin Angela Villiger. Die drei Frauen wagen sich, trotz oder gerade wegen des Novembers, an die Themen – für viele ist der zweitletzte Monat des Jahres ganz besonders mythisch, andere plagt der November-Blues. Viel Spannung versprechen vor allem die fünf Interviews, wovon eines mit Alice Hofer, der Witwe der Rocklegende Polo Hofer, geführt wird. Auch das Podiumsgespräch dürfte sehr interessant sein, genauso wie zwei Kurzvorträge. Warum organisieren die drei Frauen den Anlass mit Interviews, einem Podium und Referaten? «Wir sind alle in diesem Bereich tätig und haben gespürt und erfahren, wie gross der Bedarf für Informationen in diesen beiden Themen ist», sagt Sandra Ulrich. Der Tod und die Trauer würde vielen Angst machen und sie wollten darum kaum darüber reden. «Dabei ist klar: Wie wir auf die Welt kommen, so gehen wir auch», betont Ulrich.

Es sei ihnen enorm wichtig gewesen, nicht nur einen Anlass mit irgendwelchen Leuten zu organisieren, ergänzt Ulrich. «Wir wollten vielmehr Akteure dabei haben, die täglich mit dem Tod und der Trauer zu tun haben.»

Hinweis

Der Anlass «Natürlich» über die Tabuthemen Tod und Trauer findet am Sonntag, 19. November, von 13 bis 18 Uhr im Haus der Homöopathie an der Steinhauserstrasse 51 in Zug statt. Informationen und Programm unter: www.tod-trauer.ch

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: