Baarer Bauchef: «Wir haben dieses Thema nicht verschlafen»

BAAR ⋅ In einem offenen Brief fordert die FDP den Gemeinderat eindringlich auf, eine Lösung für die Verkehrssituation in den Gebieten Altgasse und Oberneuhof zu finden. Der Bauchef Paul Langenegger erklärt, warum das noch länger dauern wird.
17. Juni 2017, 04:39

Ein Fussgänger begeht den engen trottoirlosen Aufgang zur noch engeren trottoirlosen Brücke, die über die Südstrasse führt, den Autobahnzubringer in Baar. Ihn passieren ein Auto sowie ein Pöstler auf einem Roller. So präsentiert sich die Situation im Gebiet Oberneuhof auf Goo­gle Street View. Es sind Momentaufnahmen wie diese, die die FDP dazu bringen, in einem offenen Brief von einer «desolaten Situation» zu schreiben. Wenigstens theoretisch können ein Bus, Autos, Fussgänger sowie Töffli und Velos gleichzeitig auf der Brücke sein. «Das Bild, welches sich einem an dieser Stelle tagtäglich zeigt, zeugt weder von einer durchdachten Verkehrsführung noch von einer proaktiven Verkehrsgestaltung. Es scheint eher, als ob dieses Gebiet in Vergessenheit geraten wäre», heisst es dazu im Brief, der von Parteipräsident Michael Arnold verfasst worden ist.

«Proaktiv» soll der Gemeinderat auch auf der anderen Seite der Brücke werden, in der Altgasse. Dort sorgt vor allem der Ökihof für ein reges Verkehrsaufkommen. Die FDP fordert einen Anschluss an das «übergeord­nete Strassennetz», womit nur die Weststrasse gemeint sein kann. Eine Verbindungsstrasse würde über das Land des Weidhofs führen.

An der Dringlichkeit lässt die Partei von Gemeindepräsident Andreas Hotz und Liegenschaftsvorsteher Jost Arnold keinen Zweifel: «Der Gemeinderat soll dieses längst fällige Thema endlich angehen, auf die Agenda nehmen, priorisieren und thematisieren», heisst es. Und weiter: «Nur weil dieses Thema unbequemer oder unangenehmer als andere ist, soll es nicht in Vergessenheit geraten oder wie bis anhin auf die lange Bank geschoben werden.»

Zwei unbefriedigende Lösungen

Der Baarer Bauchef Paul Lan­genegger (CVP) sagt, dass die FDP mit ihren Forderungen beim Gemeinderat «offene Türen» einrenne. 2011 habe man eine Studie in Auftrag gegeben, die zwei Lösungsvorschläge beinhalte. Der erste sieht eine Änderung der Ampelschaltung vor, dieser sei aber «nicht zufriedenstellend». Der zweite und weit teurere Vorschlag beinhaltet die Verbreiterung der Überführung. «Dabei müssten die Velofahrer allerdings zweimal die Fahrbahn kreuzen», erklärt Langenegger. Die Entscheidung über die Umsetzung dieses Vorschlags bleibt weiterhin ausstehend, genauso die Entwicklung in der Altgasse, denn: «Wir müssen abwarten, wie sich die Situation mit der Tangente Zug/Baar entwickelt, die auch dieses Gebiet betrifft.»

Auf den Vorwurf, dieses Thema vor sich herzuschieben – Lan­genegger tritt 2018 nicht mehr zur Wiederwahl in den Ge- meinderat an –, entgegnet der Bauchef: «Wir sind nicht am Däumchendrehen und haben dieses Thema nicht verschlafen. Solche Dinge sind nicht immer so leicht zu lösen, aber wir bleiben dran.»

 

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch


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